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Ukraine oder Israel?

Odessa, 12.02.2026

Ich wurde gestern von einem Stammleser kritisiert.

„Arbeite dich doch nicht an der Kacke ab. Der [Palästinenser] Konflikt ist doch verglichen mit dem russischen Angriffskrieg in seiner Relevanz für einen Mitteleuropäer eine Sandkastenklopperei. Ja, die Hamas ist ein faschistoides Terrorregime mit Unterstützung seiner Bevölkerung. Ja, sie machen eine 1A Propaganda, auf die viele hereinfallen. […] Russland hingegen ist für Europa ein echter Klopper, der endlich als solcher wahrgenommen werden muss.“

Gestartet wurde dieses Projekt tatsächlich wegen des Überfalls Russlands auf die Ukraine. Und ich berichte und erkläre auch immer wieder dazu.
Aber ich habe mich selber lange hinterfragt, warum ich häufiger auf Palästina als auf alles andere einsteige. „Privat“ setze ich mich eher mit China und u.a. der Person Putin auseinander, militärisch war ich auf Russland spezialisiert.

Meine introspektive Erklärung war immer mein Gerechtigkeitsempfinden. Und dass man schneller auf die tägliche Pali-Propaganda reagieren kann. Was sich nun eh langsam ändern wird, da ich mich mehr auf meine Plattformen konzentrieren und Social Media vernachlässigen werde.
Berichtet man über Russland, muss man schon länger recherchieren. Und die Social Media Algorithmen haben mich bisher gezwungen, möglichst mehrfach täglich etwas rauszuhauen. Bis zu der Erkenntnis, dass ich satt und glücklich bin und nicht mehr Reichweite brauche, nur um irgendwann vielleicht mehr zu verdienen.

Und deshalb weiß ich nun, dass es darüber hinaus geht.

Durch das Netz 2.0 und dass jeder Depp sich öffentlich äußern kann, sind Dinge wieder sagbar geworden, die über Jahrzehnte unsagbar waren. Nicht gesetzlich, sondern sozio-kulturell.
Das ist im „real Life“ auch meist immer noch so. Menschen hauen online Aussagen raus, für die man ihnen in einer Kneipe vermutlich ins Gesicht fassen würde. Und damit meine ich nicht nur Beleidigungen, die scheinbar langsam zum guten Ton gehören. Online-Gratismut ist längst das neue Schwarz.

Da wird lange mit Accounts debattiert, die unironisch Hammer und Sichel im Profilnamen tragen. Da kommen Punks mit rotem Stern auf dem Shirt, Dosenbier in der Hand oder zweifarbigen Haaren allen Ernstes auf die Idee, auf Plattformen kapitalistischer, amerikanischer Großkonzerne andere als „rechts“ zu bezeichnen. Da werden aus Klickgeilheit Reaction Videos zu psychisch labilen Streamerinnen veröffentlicht, die sich selber als linksradikal beschreiben und Robert Habeck als rechtsradikal etikettiert. Und zum tausendsten Male versucht jemand, dem Maurerpraktikantengehilfen Sören-Günther aus Ennepetal zu erklären, dass Impfungen nicht immunisieren und Masken nicht den Träger schützen sollen.

Jede Propaganda greift genau da. Geglaubt wurde sie schon immer, der Mensch war immer schon weit dümmer, als er sich selber einschätzt. Aber die Dummheit hat aufgehört sich zu schämen. Mehr noch: Man wird angegriffen, wenn man anderen attestiert, dass sie offenbar nicht die kognitive Schöpfungshöhe für eine Debatte haben.
Heute hat jeder ein Mittel in der Hosentasche, um diese Propaganda zu verbreiten.

Seit der Zeit der Aufklärung hat sich „im Westen“ eine rationale, empirische, wissenschaftliche Denkweise durchgesetzt. Nur diese schafft es, die Menschheit tatsächlich weiterzubringen.
Nicht zufällig sind die muslimischen Länder und Diktaturen weit abgeschlagen, nur durch Öl konnten sich einige aus der Dritten Welt freikaufen. Nur drei Nobelpreise für Naturwissenschaften gingen jemals an Muslime, von denen zwei in den USA forschten. Der Rest waren Preise für Literatur oder Frieden. Ein Viertel der Menschheit sind für 0,74% der wissenschaftlichen Nobelpreise verantwortlich.
Das ist kein Rassismus. Das ist kein Argument gegen Religionsfreiheit. Das ist nicht „rechst“. Das sind Fakten. Für deren Aussprechen man angefeindet wird. Selbst wenn man nie eine Kolonie hatte.

Jede Propaganda benutzt diese Dummheit der Menschen. Unsere selbst auferlegten Regeln. Diese Emotionalisierungsmechanismen.

Beim Gazakrieg geht es eben nicht nur um ein paar Araber in einem Failed State und ein paar Windelköppe an westlichen Unis. Es geht darum, dass u.a. Amnesty International versucht, die Definition von Genozid zu ändern, damit sie auf Israel angewendet werden kann und somit mehr Geld durch Spenden einbringt. Es geht darum, dass gestern ein iranischer Abgeordneter zum stellvertretenden Chef der UN Commission for Social Development gewählt wurde, die sich u.a. um Gleichberechtigung, Armut und Integration kümmern soll. Es geht darum, dass die UN bisher mehr Resolutionen gegen Israel als gegen alle anderen Staaten der Welt ausgesprochen hat und trotzdem noch von den Medien als Autorität kommuniziert wird. Es geht darum, dass Russland machen kann, was es will, nur weil es in einer völlig anderen Welt mal ein Vetorecht bekommen hat und noch auf alten Atomraketen hockt, während es zu einem Dritte Welt Staat wird. Es geht darum, dass die Palästinenser seit 100 Jahren die Juden vernichten wollen, und wenn Israel sich dann mal richtig wert, es mit einem anderen Maß gemessen wird, als der Rest der Welt.

Ich bin nicht so konservativ, als dass ich mich an jede Vergangenheit klammern müsste. Aber wir hatten uns nach dem Zweiten Weltkrieg auf einen Wertekanon geeinigt. Und dieser hat in dem Moment begonnen zu erodieren, als man in Arabien und Russland Öl gefunden hat.
Die Gewissheit dieser Werte ist nur noch Makulatur, sie sind nur noch verschämt verdeckte Hohlräume.

Und am deutlichsten Messbar ist das inzwischen an der palästinensischen Propaganda.
Und deshalb geht davon, nicht von Palästina, für unsere Gesellschaften eine viel größere Gefahr aus, als von Russland.

Russland hat nicht die Kapazitäten, uns als Gesellschaft konventionell wirklich gefährlich zu werden. Und die Ukraine, auch wenn viele das nicht hören wollen, gehört nicht zu dieser Gemeinschaft. Als sie sich auf den Weg dorthin aufgemacht hat, hat Russland sie überfallen. Und sie verdient jede Hilfe, weit mehr, als sie bisher bekommt. Aber sie ist kein Teil dessen. Noch.
Ich wünsche es ihr zutiefst, aber wie man hier sagt: Dä Kopp is näher als dä Aasch.

Und deshalb befasse ich mich mehr mit dem Gazastreifen. Oder, um genauer zu sein, mit der Propaganda. Denn, und das ist vollkommen richtig, militärisch gesehen ist das ein winziger Konflikt an einem der Ärsche dieser Welt. Höchstens relevant für die Taktiken, die die IDF dort in der Urban Warfare etabliert und die die Kriege der Zukunft ebenso beeinflussen wird, wie der Drohnenkrieg in der Ukraine.

Aber keine Sorge, ich arbeite an einem großen Artikel zu Russland und der NATO.
Ich musste nur den Zustand erst erreichen, mir die Zeit nehmen zu können.

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