Herzlich willkommen, liebe Kopier-Community!
Ich gebs zu: Das hier macht Spaß mit Euch. Und wie gesagt (Opens in a new window): wegen Euch!
Wäre das hier ein normales Buch, würde ich jetzt (Dienstag 22.30 Uhr) die Bundesliga angucken und vielleicht am Wochenende am zweiten Kapitel arbeiten.
Aber weil es Euch gibt, sitze ich jetzt hier und schreibe die zweite Folge. Nicht gegen Widerstände, sondern aus innerem Antrieb. Weil ich weiß, dass Ihr hingucken werdet.
In diesen beiden Sätzen steckt ein mittelgutes Rätsel zur heutigen Cover-Version. Christoph Bieber hat sie mir vorgeschlagen - und stellt sie mit einer lesenswerten Erklärung vor. Sie steht unten - und im Anschluss ergänze ich, was ich übers Hingucken weiß: ausgelöst durch die Zeile “Take a look at me now”
Auf eine gute Woche
Dirk
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Vorgeschlagen und beschrieben von Prof. Dr. Christoph Bieber, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Aktuell ist er beurlaubt an das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum, dort leitet er als Forschungsprofessor die Arbeitsgruppe „Digitale Demokratische Innovationen“. Jenseits der Fußnoten interessiert er sich für populäre Kultur und Sport - 2017 hat er beispielsweise über ein “The Cure”-Cover von Jan Böhmermann gebloggt (Opens in a new window).
„Against All Odds (Take a Look at Me Now) (Opens in a new window)“ von 1984 gilt als „Power-Ballade“, ein eher ruhig-romantisches Stück, das irgendwann laut und kraftvoll über die Stränge schlägt - hier kommt der „vibe shift“ ziemlich genau zur Hälfte des Songs, wenn der Interpret an seinem Signatur-Instrument zur Tat schreitet. Wir reden hier vom Schlagzeug, denn am Mikrofon ist Phil Collins, der Drummer von „Genesis“. Er legt hier ein Werk vor, das sich wie der kleine Bruder (oder die kleine Schwester) des etwas älteren „In the Air Tonight“ anfühlt - auch hier sorgt ein furioses Trommelsolo für den Wiedererkennungswert des Arrangements.
„Against All Odds (Take a Look at Me Now) (Opens in a new window)“ ist aber auch ein Song der US-amerikanischen Indie-Formation „The Postal Service“ von 2004, ebenfalls als Teil eines Soundtracks, der Film heißt dieses Mal „Wicker Park“. Und wieder zerfällt der Song in mehrere Teile, allerdings sind es nun drei. Die ersten 90 Sekunden klingen gedämpft, als würden sie aus großer Entfernung an die Zuhörer herangetragen. Dann plötzlich wird der Sound klar und das Tempo zieht langsam an - die Instrumentalisierung ist sparsam, das ursprünglich dominante Schlagzeug ist in elektronische Impulse übertragen. Nach zwei Dritteln des Songs folgt ein erneuter Formwandel - zum Ende hin löst sich das Stück allmählich auf: der Text wird reduziert auf die mehrfach wiederholte Zeile „Take a look at me now“, während der Soundteppich immer sphärischer und digitaler wird. Beinahe wirkt es, als würde das Cover mit seinem Original reden: „Sieh dir an, was aus mir geworden ist.“
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(E2) “Take a look at me now” ist in einer Welt der duplizierbaren Inhalte (die auch von - kopierenden - Maschinen erstellt werden können) eine Erinnerung daran, wie bedeutsam Aufmerksamkeit wird (Opens in a new window).
Diese Erinnerung folgt nicht linear als zweite Folge des Newsletters, ich schreibe sie dennoch heute, weil sie gut zu dem Cover dieser Woche passt und der Newsletter sich dem Korsett der Linearität entziehen kann. Wir springen also zu den guten Vorsätzen der Kopierkompetenz (E). Ich wünsche mir nämlich, dass wir in einer medienkompetenten Welt mehr Aufmerksamkeit für unsere Aufmerksamkeit entwickeln - und feststellen, dass selbstbestimmte Aufmerksamkeit die Grundlage für Bildung wäre, die man sogar als Aufklärung der Aufmerksamkeit beschreiben könnten.
Wenn wir selbst entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit schenken (und dies nicht öffentlichen Debatten oder Algorithmen überlassen), gewinnen wir damit eine Form von Autonomie, die mit dem Mut vergleichbar ist, der nötig ist, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.
Deshalb ist Kopierkompetenz für mich auch die Fähigkeit, selbst über die eigene Aufmerksamkeit zu bestimmen.

Ich habe versucht in drei Kriterien zu definieren, was ich als Kopie lobenswert finde (Opens in a new window).
Und ihr kennt euch richtig gut mit Musik aus! Jedenfalls habe ich sehr viele, sehr tolle Cover-Versionen von euch bekommen. Vielen Dank! Ich werde sie weiterhin in der Spotify-Playlist (Opens in a new window) (sofern verfügbar) ergänzen, hier auf Steady aber auch eine richtige Liste anlegen. Dazu aber dann beim nächsten Mal mehr…