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Hey Joe (13/50)

Bonjour, liebe Koapier-Community!

Diese Folge wird französisch und übersetzt. Es geht um die Übertragung von Inhalten in andere Sprachen. Handelt es sich dabei um Kopien?

Zu Beginn unserer gemeinsamen Reise habe ich mal drei Punkte definiert, die eine gute Kopie ausmachen (Opens in a new window). Du kannst ja mal bis zum Fuß dieser Folge darüber nachdenken, ob eine Übersetzung eine Kopie ist oder nicht.

Mir jedenfalls kam der Gedanke, dass das, was ich hier mache, ja auch eine Form der Übersetzung sein kann: ich übertrage einen musikalischen Impuls in eine Koapier-Erkenntnis. Zumindest versuche ich das.

In dieser Folge verdanken wir den Impuls dazu Jochen Adler, der “Hey Joe” vorstellt - und uns übersetzt, was daran spannend ist. Jochen ist nämlich Gründer von kompreno (Opens in a new window), einem europäischen Netzwerk für hochwertigen Journalismus.

Fröhliches Übersetzen
Dirk

Hey Joe

“Hey Joe” von Johnny Hallyday (Opens in a new window) - vorgeschlagen von Jochen Adler. Er ist Gründer von kompreno (Opens in a new window), einem europäischen Netzwerk für hochwertigen Journalismus. Das Team schließt Partnerschaften mit Medienhäusern aus 15 Ländern und macht herausragende Analysen, Reportagen und Kommentare über Sprach- und Ländergrenzen hinweg zugänglich – kuratiert, übersetzt und gebündelt in einem einzigen digitalen Zugang. kompreno steht für Orientierung, Vielfalt und Vertrauen in Zeiten von KI, Dauerkrisen und Informationsüberfluss – und für eine nachhaltige Finanzierung des besten Journalismus Europas.

"Where you goin’ with that gun in your hand?"

Es gibt Songs, die sich zeitlich nicht binden lassen. “Hey Joe” gehört für mich dazu. Irgendwann war er da - und ist geblieben.

Ich war Teenager. Anfang der 1990er, auf der Tour zu seinem Debütalbum, mit Songs wie “Killer” und “Crazy”, hatte Seal auch ein Cover dieses Klassikers im Gepäck (Opens in a new window). Seine Stimme verlieh der Blues-Rock-Performance seiner Band eine einzigartige Dramaturgie, schon in der ersten Zeile der ersten Strophe.

"I’m goin’ down south, way down to Mexico"

„Hey Joe“ ist von Anfang an kein Original im romantischen Sinn. Die Autorenschaft ist diffus, der Song hat seinen Ursprung als Folk-/Blues-Stück. Das erklärt vielleicht auch seinen Zauber, durch den er so archaisch-ursprünglich daherkommt.

Erst The Leaves (1965) und dann natürlich Jimi Hendrix (1966) machten aus der Erzähung einen Mythos. Jimi Hendrix hat den Song nicht erfunden. Aber er hat ihn elektrifiziert, dramatisiert, ikonisiert.

Ein Remix — lange bevor es dieses Wort gab.

"Ain’t no hangman gonna put a rope around me"

Lange habe ich geglaubt, damit sei die Geschichte erzählt. Folk wird Rock, Rock wird Mythos.

Bis mir – viel später – eine Version begegnete, die den Song nicht weiter verstärkt, sondern verschiebt. Nicht nach Süden, sondern in eine andere Sprache, eine andere Kultur.

Johnny Hallyday, Frankreich, 1967.

Stolz und eigenständig: Hallyday kopiert nicht „den Amerikaner“, sondern integriert ihn in eine selbstbewusste französische Rock-Tradition.

"Cours pas comme ça, dis, y a pas le feu chez toi."

Er vertont nicht nur neu, er übersetzt die Lyrics, passt sie an. Durch den französischen Liedtext verändern sich Rhythmus und Betonung, vor allem aber die Emotionalität. Das Stück wird weniger Road Movie, mehr Chanson noir. 

Hallyday hat den Song “demokratisiert”, für ein französisches Publikum teils ohne Englischkenntnisse.

"Dis-moi, où tu vas avec ton cœur aujourd’hui ?"

Dieser Gedanke lässt mich nicht los. Denn Übersetzungen werden oft als minderwertige Kopien betrachtet, als Abklatsch. Klar: Eine Netflix-Serie oder einen James-Bond-Film schauen viele von uns lieber im (meist englischen) Original. Aber ist das nicht eine unheimlich privilegierte, sogar überhebliche Position?

Wenn es um Wissen geht, um Verständnis und Verständigung, um Neuartiges aus Nischen, um überraschende Erkenntnisse... dann ist Übersetzung doch der Schlüssel:

Dann ist eine Übersetzung sogar noch wertvoller als das Original.

Normal-Kopie

(E1) Die Transformation, die wir Digitalisierung nennen, bewegt sich von den Punkten “historische Ungeheuerlichkeit” zu “Normalzustand”. Jedenfalls möchte ich mit diesem Projekt hier genau diesen Weg beschreiben: die digitale Kopie ist für mich eine historische Ungeheuerlichkeit. Erstmals in der Menschheitsgeschichte können Inhalte vom Datenträger gelöst und identisch dupliziert werden. Wir sind noch dabei, das zu verarbeiten, da sollen wir schon damit umgehen, dass die Kopie zur Normalität geworden ist.

In der Liste der Kopier-Kompetenz-Fähigkeiten steht für mich jedenfalls genau das ganz oben: zu erkennen, dass alles Kopie ist. Im Umgang mit Medien hilft diese Kompetenz (Opens in a new window) im Umgang mit Inhalten: ich halte erstmal alle für kopiert und betrachte sie skeptisch.

Besonders deutlich wird die Normalität der Kopie an unserem Umgang mit fremden Sprachen: Natürlich ist eine Übersetzung keine direkte eins-zu-eins-Kopie und dennoch ist ein gewisser imitierender Charakter nicht zu unterschlagen. Der Übertrag in eine andere Sprache hat sich - auch durch den technischen Fortschritt - immer mehr zur Normalität entwickelt. Und so selbstverständlich wie Streaming-Dienste ihre Serien in allen möglichen Sprachen anbieten, so selbstverständlich ist die Kopie im digitalen Ökosystem geworden.

Vielleicht ist das ein guter Startpunkt zur Entwicklung von Kopierkompetenz: die Kopie als Normalzustand anzusehen.

…es gibt mal wieder Kopien von der BBC. In der BBC1-Livelounge waren jetzt wiederholt Künstler:innen zu Besuch, die ihre neue Musik bekannt gemacht haben, in dem sie alte Musik gecovert haben: Diese Woche spielt Noah Kahan ein Sam Fender-Cover und anschließend einen neuen Song. Hier “Rein Me In (Opens in a new window)” anhören.

Außerdem möchte ich euch mit Blick auf das anstehende Oster-Wochenende an die schöne biblische Geschichte erinnern, in der Jesus Fische und Brot vermehrt kopiert. Wer Begeisterung fürs Koapieren verspürt, kann die Geschichte der Wundersamen Brotvermehrung (Opens in a new window) ja mal wieder nachlesen.

Frohe Ostern (Opens in a new window)