Es ist 1988, als die drei Ingenieure Craig Tovey, John Bartholdi III und John Hagood Vande Vate zufällig ein Radio-Feature über Honigbienen hören (Opens in a new window).
In der Sendung geht es um den Biologen Thomas Seeley, der in seiner Forschung der Frage nachgeht, wie Bienen effizient Nektar für die Honigproduktion sammeln.
Die drei Ingenieure kontaktieren Seeley und erforschen gemeinsam das Betriebssystem eines Bienenstocks. Ihre These: Honigbienen haben ein hocheffizientes System entwickelt, das maximale Erträge ermöglicht bei gleichzeitiger Anpassung an stetig wechselnde Bedingungen.
Das Vierer-Team hat einen Bienen-Algorithmus gefunden.
Von diesem Algorithmus weiß der Student Sunil Nakrani aber nichts, als er mehr als 10 Jahre später das Büro von Craig Tovey betritt. Er sucht Unterstützung bei seiner Dissertation.
Denn er möchte das Internet reparieren.
Nakrani will die Effizienz von Web-Servern verbessern, so dass diese besser auf User-Traffic reagieren können. Tovey sieht sofort die Parallele: Der Bienen-Algorithmus könnte den Servern dabei helfen, sich besser zu organisieren.
Die Geschichte ist so gut, die entsprechende Radiolab-Podcast-Folge über Nakrani (Opens in a new window), von der ich auch die Überschrift ausgeliehen habe, solltet ihr unbedingt selbst hören.
Aber was hat das alles mit einem Startup-Newsletter zu tun?
Als Gründer*innen müssen wir uns ständig daran erinnern, über den Tellerrand zu schauen. Das gilt nicht nur im Marketing (wobei es dort besonders wichtig sind), sondern für alle Aspekte eines Startups.
Wir können Prinzipien aus anderen Industrien übertragen: Letztlich war die Grundidee von mymuesli ja auch, das Prinzip der Mass Customization auf eine neue Produktkategorie, Frühstücksmüsli, anzuwenden.
Oder wir lassen uns einfach inspirieren vom Blick auf das, was außerhalb unserer Startup-Welt liegt. Das ist eines der Geheimnisse guten Marketings: Das sprichwörtliche Gebäude immer wieder zu verlassen.
Es geht beim Gründen und besonders im Marketing nicht darum, es genauso wie alle anderen zu machen. Sondern: Success comes from standing out, not fitting in, wie Donald Draper das treffend in Mad Men formuliert. Das heißt nicht, dass man bewährte Strategien nicht kopieren kann. Aber Startups müssen denknotwendig mindestens eine Sache besser als der Rest machen.
Ein letzter Gedanke dazu: Neues auszuprobieren, Gewohnheiten und Prinzipien zu hinterfragen oder zu adaptieren … das bedeutet für uns Gründer*innen eigentlich immer Gegenwind.
Die wenigsten Menschen mögen Veränderung und so beurteilen sie auch Ideen: Das ist ungewöhnlich, das passt nicht zusammen, das kann nichts werden.
Sam Altman hat es in Stanford weit vor seiner OpenAI-Zeit mal treffend auf den Punkt gebracht: The truly good ideas don't sound like they're worth stealing. (Opens in a new window)
Lasst euch also nicht zu schnell verunsichern oder vom Kurs abbringen. Denn wenn Honigbienen sogar Webserver besser machen können: Was ist dann noch alles möglich, wenn man an verrückte Ideen glaubt?
Bis nächste Woche!
Max