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Lesezeit: 4 Minuten
Die Nacht danach
Ich erinnere mich noch gut an eine Übe-Session vor ein paar Jahren, die mich wirklich frustriert hat. Immer wieder dieselbe Stelle. Immer wieder derselbe Hänger. Nach einer Stunde hatte ich keine Energie mehr – und ehrlich gesagt auch keine Lust. Ich hab meine Trompete weggelegt, bin ins Bett gegangen und dachte: Morgen nochmal von vorne.
Was dann passiert ist, kennst du sicher auch: Am nächsten Morgen klang die Stelle plötzlich besser. Nicht perfekt – aber irgendwie runder. Irgendwie gesetzter.
Ich hab das lange Zeit als glücklichen Zufall abgetan. Oder als eine Art Selbstbetrug: Vielleicht hatte ich mich nur an den Fehler gewöhnt. Vielleicht war die Erwartung am nächsten Tag einfach geringer.
Aber dann bin ich auf eine Formulierung gestoßen, die mich nicht mehr losgelassen hat.
Was da wirklich passiert
Der Neurowissenschaftler Matthew Walker schreibt in seinem Buch Why We Sleep (Opens in a new window) sinngemäß:
„Der Schlaf ist keine Pause vom Lernen – er ist sein heimlicher Höhepunkt."
Genauer gesagt: Im Schlaf – besonders im sogenannten REM-Schlaf, der überwiegend in der zweiten Nachthälfte auftritt – reaktiviert das Gehirn die motorischen Sequenzen, die du tagsüber geübt hast. Es sortiert, verdichtet, stabilisiert. In den Neurowissenschaften geht man aktuell davon aus, dass in dieser Phase unnötige temporäre Verbindungen zwischen Neuronen durchtrennt werden, um Bewegungen effizienter zu gestalten.
Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein…
Die Werkstatt, die du nie siehst
Stell dir dein Gehirn als eine Werkstatt vor, die in zwei Schichten arbeitet.