Skip to main content

Naturimpuls: Dem Vogelgesang folgen

Heute möchte ich dich zu einer kleinen Übung einladen, die kaum Zeit braucht und dennoch etwas verändert.

Wenn du das nächste Mal draußen unterwegs bist und einen Vogel singen hörst, versuche einmal, ihn nicht zu bestimmen.

Suche nicht nach seinem Namen. Überlege nicht, ob es eine Amsel, ein Rotkehlchen oder eine Mönchsgrasmücke sein könnte. Lass all das für einen Moment beiseite und höre einfach zu.

Das klingt zunächst fast zu einfach. Viele von uns haben sich angewöhnt, die Welt einzuordnen. Wir möchten wissen, was wir vor uns haben, welchem Namen etwas entspricht und welches Wissen wir darüber besitzen. Daran ist nichts falsch. Auch ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Pflanzen, Tieren und ihren Lebensräumen.

Doch manchmal steht genau dieses Bedürfnis nach Einordnung zwischen uns und dem eigentlichen Erleben.

Wenn du den Gesang eines Vogels einfach nur hörst, ohne ihn analysieren zu wollen, entsteht plötzlich Raum für etwas anderes. Du bemerkst vielleicht, wie sich die Töne verändern. Manche wirken ruhig und weich, andere fast aufgeregt oder verspielt. Einige Vogelstimmen scheinen den Wald zu füllen, während andere nur wie ein leiser Faden durch die Landschaft ziehen.

Vielleicht fällt dir auf, dass der Gesang nicht isoliert im Raum steht. Zwischen den einzelnen Lauten liegt das Rascheln der Blätter, das entfernte Rauschen einer Straße oder das sanfte Bewegen des Windes in den Baumkronen. Auf einmal entsteht eine Klanglandschaft, die schon die ganze Zeit da war, die du aber im Alltag oft überhörst.

Ich finde es bemerkenswert, wie schnell sich die eigene Wahrnehmung verändert, wenn man aufhört, etwas erreichen zu wollen. Aus einer scheinbar gewöhnlichen Situation wird ein Moment echter Aufmerksamkeit. Für einige Minuten spielt es keine Rolle, ob du den Vogel kennst oder nicht. Es reicht völlig aus, wahrzunehmen, dass er da ist.

Vielleicht möchtest du dir heute ein paar Minuten dafür nehmen.

Bleibe kurz stehen, wenn du einen Vogel hörst. Schließe, wenn es sich richtig anfühlt, für einen Augenblick die Augen und lausche. Folge dem Gesang, so als würdest du einer Geschichte zuhören, deren Sprache du nicht verstehst und die dich trotzdem berührt.

Und dann frage dich ganz einfach: Wie klingt dieser Gesang für mich? Genau in diesem Moment. 🌿

Topic Naturimpulse

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Wildspuren and start the conversation.
Become a member