
Du kannst bis zum 30.6.26 am Schreibaufruf “Über mein Schreiben” teilnehmen. Alle Infos dazu findest du weiter unten.
Mein Schreibtisch, aber keine Aussicht
Ich weiß nicht mehr, wer mir “Schreibtisch mit Aussicht” empfohlen hat. Das schmale Bändchen, das Beiträge von 24 Autorinnen versammelt, die über ihr Schreiben schreiben. Darüber, wie sie das mit dem Schreiben im Alltag machen. Wie sie auf Ideen kommen. Was es ihnen bedeutet. Und welche Probleme es ihnen einhandelt.
Ich weiß aber noch genau, was ich beim ersten Lesen fühlte – weil es das ist, was ich immer noch fühle, auch heute noch, wenn ich zum x-ten Mal durch die Einträge blättere.
Neid.
Handfester, bodenloser Neid.

Von 24 Frauen zu lesen, die alltäglich schreiben und zu deren Alltag es gehört, veröffentlicht und gehört werden, das trifft etwas in mir. Einen schmerzhaften, wunden Punkt.
Ja, auch ich schreibe täglich. Und ich kenne so viele der alltäglichen Fallstricke, von denen die Schriftstellerinnen erzählen.
Wenn Anne Tyler aufzählt, wie sich die Osterferien der Kinder, ein Besuch beim Tierarzt, die Notwendigkeit das Bad zu putzen und der Besuch des Reparaturdienstes der Spülmaschine sich zwischen sie und die Arbeit an ihrem Roman schieben.
Wenn Katharina Hagena schildert, wie sie mit den Füßen im Planschbecken vor ihrem Haus stand, das Baby auf dem Arm, und heulte, weil drinnen ihr Mann Besuch von einer Lektorin hatte. Er – und nicht sie.
Wenn Leïla Slimani darüber schreibt, dass ihr erster Roman, der nie veröffentlicht wurde, so schlecht war, dass sie sich heute dafür schämt. Und sie sich dann an die Arbeit machte und einen besseren schrieb.
Dann ist das einerseits tröstlich. Sehr tröstlich.
Diese Frauen sind Menschen. Sie sind Partnerinnen, Freundinnen, Mütter vielleicht. Niemand von ihnen kann zaubern. Sie alle setzen sich Tag für Tag hin und machen ihre Arbeit.
Aber.
(Und das ist ein Aber, das mein Neid ausspricht.)
Aber: Diese Frauen wurden gefragt, ob sie einen Text für einen Sammelband über das Schreiben beitragen wollen. Diese Frauen werden veröffentlicht. Die Welt interessiert sich für sie.
Ja, sie schreiben wie ich. Aber niemand interessiert sich dafür, wie mein Schreibtisch aussieht.

Den Neid umdrehen: in Tatkraft
Es ist Neid, kein schönes Gefühl. Die Zeiten allerdings, in denen ich mich für meinen Neid schämte, sind vorbei. Ich habe angefangen, ihn als Kompass zu betrachten. Mein Neid ist keine Aussage darüber, ob ich jemandem seinen Erfolg gönne.
Mein Neid ist allerdings eine Aussage darüber, was ich mir für mich wünsche und nicht habe.
Ich wünsche mir, mit meinem Schreiben wahrgenommen zu werden.
Ich wünsche mir, dass das, was ich mit meinem Schreiben erlebe, bei anderen Menschen auf Interesse stößt.
Nicht jeden Wunsch können wir uns einfach erfüllen. Ich kann mir keine Veröffentlichung herbeiwünschen und den deutschen Feuilleton zwingen, mich zu beachten.
(Und auch dieser Satz hat ein Aber. Ein Aber mit echten Muskeln.)
ABER: Ich kann mich heute bereits auf den Weg machen und mir Teile dieser Wünsche selbst erfüllen.
Will heißen: Ich muss nicht darauf warten, dass mir der Wind, ein gnädiges Schicksal oder eine gute Fee das in den Schoß legt, was ich mir wünsche. Ich kann heute selbst auf meine Wünsche zugehen, mit nicht zu bescheidenen und umso entschlosseneren Schritten.
🚨 Dein Beitrag zu unserem eigenen Sammelband
Und so ist die folgende Idee entstanden:
Wenn mich niemand fragt, ob ich einen Beitrag “Über mein Schreiben” zu einem Sammelband beitragen möchte, dann mache ich das eben selbst.
Und ich lade dich ein, das ebenfalls zu tun.
Die Aufgabe für unseren Schreib-Sammelband
Die Aufgabe lautet: Schreibe einen Beitrag zum Thema “Über mein Schreiben”.
An folgenden Fragen kannst du dich dabei orientieren (musst du aber nicht):
Warum schreibst du?
Wie schreibst du?
Wie sieht das Schreiben in deinem Alltag aus?
Was ist dir beim Schreiben wichtig?
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Wer oder was inspiriert dein Schreiben?
Auf welche Schwierigkeiten stößt du beim Schreiben?
Was bringt dich zum Schreiben?
…
Vielleicht pickst du dir, damit der Beitrag nicht zu lang wird, drei Fragen heraus. Oder du schreibst, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Ganz wie du willst.
So kannst du teilnehmen
Prinzipiell kann jede und jeder mitmachen: Du schreibst und hast Lust, etwas darüber zu schreiben? Dann ist dein Beitrag herzlich willkommen! Egal, wo du mit deinem Schreiben aktuell stehst: Ob du bereits veröffentlicht hast oder nicht. Ob du bereits berühmt oder noch blutiger Anfänger bist. Alle Erfahrungen sind willkommen.
Du kannst mit deinem Beitrag bis zum 30.6.2026 teilnehmen.
Und so läuft das ab:
Schreibe deinen Beitrag zum Thema “Über mein Schreiben” und veröffentliche ihn auf deinem Blog / Newsletter / auf deiner Substack-Seite.
Gib deinem Beitrag eine interessante Überschrift und schreibe einen kurzen(!) Teasertext dazu, etwa 1-2 Sätze. Verwende in diesem Teasertext auch deinen Namen/Künstlernamen und schreibe in der 3.Person. Etwa so: XY schreibt darüber, ob… (gerne etwas kreativer natürlich!).
Schicke mir den Link zu deinem Beitrag und den Teasertext bis zum 30.6.2026 per Mail an mich: mail@miriamschaan.de (Opens in a new window) (Ich werde nur Beiträge bzw. Links beachten, die mich per Mail erreichen – alles andere ist mir zu unübersichtlich.)
Jetzt heißt es: abwarten. In den ersten Julitagen bastle ich aus den eingereichten Links und Teasertexten einen neuen Artikel, der alle Beiträge übersichtlich versammelt – unseren selbstgebauten Schreib-Sammelband. Diesen Artikel verschicke ich über meinen Newsletter.
Noch nicht dabei? Dann melde dich hier an! (Opens in a new window)
Lesen, kommentieren, liken! Sobald der Artikel mit den Links zu allen Beiträgen erschienen ist, kannst du dich genüsslich Schritt für Schritt durch alle Beiträge lesen. Vielleicht gönnst du dir jeden Tag einen zum Frühstück? Hinterlasse dabei gerne eine Spur aus Likes und Kommentaren – damit wir alle spüren: So unsichtbar, wie wir denken, sind wir gar nicht.
Teile den veröffentlichten Beitrag, leite ihn weiter – lass uns alle gemeinsam mit unserem Schreiben neue Leser erreichen.
Wenn dir Menschen einfallen, die ebenfalls Spaß daran haben könnten, ihre Schreiberfahrungen zu teilen, dann leite diesen Beitrag hier gerne weiter! Je mehr mitmachen, desto bunter und vielfältiger wird das Ergebnis!
Ich setze mich nun gleich an meinen eigenen Beitrag… und du solltest das auch tun 😜
Wir lesen uns!
Miriam
❤️
✍️ Wer hier schreibt
👩🏻🦱 Hi, ich bin Miriam. Autorin, studierte Literaturwissenschaftlerin und zertifizierte Schreibpädagogin. Im women & arts Newsletter teile ich persönliche Essays und Einblicke in meine Arbeit als Autorin.
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