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Benutze Auge mit Newsletter #12

Liebe BOMLs,

wasn Jahr! So viele Spiele, so wenig Zeit, aber so viel BOML. Und um das gebührend zu feiern, wird es am Jahresende auch den BOML AWARD geben. Eine Gala, in der Matt und ich willkürlich die in unseren Augen herausragenden Spiele küren. Betonung auf willkürlich.

Damit auch Volkes Stimme gehört wird, gibt es gerade im Discord (Si apre in una nuova finestra) unter boml-forum/BOML Award 2025 eine Abstimmung, bei der ihr eure Favoriten benennen könnt. Spiele, die in euren Augen preiswürdig sind. Wenn eines nicht in der Liste der Umfrage steht, könnt ihr einfach einen Kommentar hinterlassen. Und wenn ihr sagt “Discord ist ein weiterer geschlossener Kanal, der die Massen hörig machen soll und ich verweigere mich dem Diktat von Big Tech UND Small Tech”, dann kommentiert gern hier unten oder schickt eine Mail an Falko  (Si apre in una nuova finestra)und/oder Matt (Si apre in una nuova finestra). Es geht nur um Spiele, die 2025 erschienen sind, es gibt nicht den EINEN Award, sondern wir wollen im Dialog herausfinden, welche Titel bei uns einen bleibenden Eindruck dieses Jahr hinterlassen haben. Die bekommen dann einen Award.

Diese Folge möchten wir zwischen den Jahren aufnehmen und rausstellen.

Neue Folge gefällig? Die ist schon im Anflug.

Sehr bald gibt’s ca 1:45 zu Foolish Mortals (Si apre in una nuova finestra).

Der Aufreger diese Woche hieß Horses.

Was da genau abgelaufen ist, lässt sich beispielsweise hier nachlesen (Si apre in una nuova finestra). Ich hab’s nicht gespielt. Früher wäre ich wahrscheinlich aus Prinzip losgerannt und hätte es gekauft, einerseits aus Neugier, andererseits für den Fall, dass es wieder verschwindet. Aber meine Neugier bei Horror-Games ist nicht mehr so ausgeprägt wie früher, und dann las ich auf Aftermath diesen Artikel (Si apre in una nuova finestra) und jetzt interessiert es mich persönlich noch weniger.

Bei der ganzen Diskussion um das Spiel finde ich zwei Aspekte bemerkenswert:

Zum einen natürlich das Problem, dass Medienerzeugnisse der Sortimentsgestaltung der Firmen unterliegen, die sie verkaufen. Nicht nur das - gerade letztens gab es die Diskussion, dass Zahlungsdienstleister die Arbeit mit bestimmten Firmen verweigern, also ihre eigenen Moralvorstellungen den Medienschaffenden aufdrücken. Das ist keine ganz neue Diskussion. In der prä-digitalen Distribution (die Älteren erinnern sich) hatte die Einkaufsabteilung die Macht, ein Medienerzeugnis groß zu machen oder den Verkauf faktisch zu unterbinden. Das Problem heutzutage ist, dass ein Verkaufsverbot in einem Laden wie Steam sofort global greift. Monopole haben keine positiven Folgen (außer für diejenigen mit dem Monopol), und selbst wenn eine Firma faktisch eins hat, die positiv wahrgenommen wird und werteorientiert handelt, heißt das nicht, dass es so bleibt. Globalisierung und Zentralisierung nehmen in so einem Fall nur einen scheinbaren Widerspruch in Kauf, und bei Horses sieht man, welche Folgen das haben kann.

Das ist bei dem Thema der eine Aspekt - gleichzeitig applaudiere ich natürlich, wenn ein menschenverachtendes Werk effektiv vom Markt genommen werden kann.

Nur … da kommen wir zum zweiten Aspekt … wo ist grenzüberschreitende Kunst noch in Ordnung und wo beginnt etwas, das man als Propaganda, Hassmaterial oder menschenunwürdig bezeichnen kann? Und schwieriger noch: was, wenn die Propaganda und der Hass im Subtext sind und erst entschlüsselt werden müssen?

Horses ist laut Aftermath gar nicht so hart, und Computerspiele allgemein versuchen immer noch, in erster Linie Unterhaltung sein zu wollen. Sehen wir ja auch bei den klassischen Point and Clicks: ein Spiel, das eine halbwegs brauchbare Dramaturgie bietet, wird schon abgefeiert wie ein Meisterwerk. Eine Dramaturgie, die als Film oder Buch bestenfalls Durchschnitt wäre. Ja: Spiele sind interaktiv, da kommen noch viele andere Ebenen dazu, die lineare Medien nicht haben, aber welche Spiele versuchen überhaupt, grenzüberschreitend zu sein? Da liefert Kojima, da gibt’s diverse obskure Horrorgames, aber die wenigsten haben den Ehrgeiz, beispielsweise Sozialkritik anzubringen oder überhaupt als Kunst wahrgenommen werden zu wollen. Will Horses einen Kunstanspruch erfüllen oder sich über Provokation verkaufen und kann nun froh sein, dass das Verkaufsverbot solche Wellen schlägt?

Es ist kompliziert.

Bis bald,
Falko

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