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“Mein Sohn wird bald eingeschult - und geht noch nicht selbstständig auf die Toilette”

Bild: Anne Richard

Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, empathischen und recherchierten Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

Hallo Anna,
Diese Nachricht kommt von einer zweifelnden und verzweifelten Mutter. Mein Sohn wird in drei Wochen fünf Jahre alt. Er hat Defizite im Spracherwerb und motorische Auffälligkeiten und Wahrnehmungsstörungen aufgrund eines KiSS-Sydroms, dass zwar damals behandelt wurde aber mitgewachsen ist. Laut Gesetz in NRW muss er nächstes Jahr mit noch fünf Jahren eingeschult werden. Ich habe große Sorgen, dass das zu viel Druck für ihn sein könnte. Es kommt von allen Seiten so viel Druck auf uns, den ich versuche möglichst von ihm fern zu halten aber ich gehe an diesem Druck langsam zugrunde. Ich habe keine Kraft mehr. Sein momentan angeblich größtes Problem ist das Trockenwerden. Er möchte einfach nicht auf die Windel verzichten. Die Kita macht Druck, die Großeltern machen Druck, der Kinderarzt macht Druck und ich weiß nicht mehr was ich tun soll.

Ich habe gefühlt schon alles Mögliche versucht, um ihn zu überzeugen, dass er auf die Toilette gehen kann. Laut seiner Aussage hat er Angst. Ich habe das Gefühl, dass er ein Problem mit Veränderungen und mit dem Loslassen hat. Er hat kaum Bestrebungen selbstständig zu sein, was den Alltag angeht (anziehen, aufräumen usw.) und ich frage mich ob das evtl. damit etwas zu tun haben könnte, dass er sich diese Selbstständigkeit des Toilettengangs nicht zutraut. Hast du einen Tipp für mich? Fällt dir vielleicht etwas ein, was mir bisher niemand geraten hat? Die Ratschläge waren bisher nur geprägt von Zwang und Konsequenz (kommt für mich nicht in Frage, weil er ohne Windel wirklich verzweifelt ist und dass nicht nur ein bockiges Ich-finde-das-jetzt-blöd-Verhalten ist, sondern richtige Not) oder Bestechung mit Spielzeug oder irgendwelchen Stickerbüchern und Belohnungen. Mein Kind lässt sich in keinem Bereich seines Lebens bestechen. Er ist sehr charakterstark. Fluch und Segen :)

Vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst!
LG Helene*

Argomento Neurodivergenz

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