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"Mein Kind will nicht allein laufen"

Julia* schrieb mir: "Mein Sohn will nicht selber laufen. Mir geht es aber gesundheitlich nicht gut, sodass ich ihn nicht immer tragen kann. Was kann ich tun?" In diesem Artikel findet ihr meine Antwort auf ihre E-Mail.

Hier auf Steady beantworte ich einige eurer Fragen mit meinem Hintergrund eines Studiums der Neurowissenschaften und kognitiven Psychologie, einer Ausbildung zur Trageberaterin und Babykursleiterin, meinem gesammelten Wissen aus etwa 250 Büchern zum Thema Erziehung und meinen Erfahrungen, die ich in den letzten sieben Jahren als Mutter gesammelt habe. Ich bin keine Psychologin und kein Coach. Wenn euch eine Situation so sehr belastet, dass sie eure Gedanken den ganzen Tag über beeinflusst, möchte ich euch bitten, euch professionelle Hilfe zu suchen. Ich kann euch die innere Arbeit mit eurem Päckchen an Erfahrungen, Verletzungen und Traumata nicht abnehmen. Was ich aber versuchen kann, ist euch ein paar Gedanken und Impulse mitzugeben, die euch vielleicht helfen können, eure eigene Lösung zu finden. Und wenn ihr euch mit dem, was ich schreibe, überhaupt nicht identifizieren können solltet, dann ist auch das ein wichtiges Zeichen. Ich bin keine „Expertin“ und habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Was ich anbieten kann, ist eine (hoffentlich) empathische Antwort aus wissenschaftlichem und persönlichem Hintergrund.

Wer mir auch schreiben möchte, wendet sich bitte an anna.brachetti@posteo.de. Ich bearbeite dienstags und donnerstags für eine bestimmte Zeit eure Briefe. Schreibt bitte auch dazu, ob ich eure Nachricht und meine Antwort darauf anonymisiert (*Namen werden verändert) veröffentlichen kann.

Vielen Dank für das Vertrauen!

Bild: Anne Richard

Hallo liebe Anna,

Ich wollte mal deine Meinung zum Thema Willensstärke bei Kleinkindern hören. Mein Sohn ist jetzt 21 Monate alt und hat gerade eine sehr starke Phase in dem er seinen Willen durchsetzen möchte. Das ist vor allem beim Thema selber laufen der Fall.

Bei mir möchte er immer beim spazieren gehen getragen werden. Da ich aber in letzter Zeit sehr oft erkältet und schlapp bin, geht das nicht. Er weint die ganze Zeit und schreit. Ich stelle ihm immer die Möglichkeit in den Kinderwagen zu gehen oder selbst zu laufen. Selbst nach 15 Minuten weint er immer noch. Es ist kein Weinen bei dem man denkt es stimmt etwas nicht. Denn sobald jemand an ihm vorbeigeht und ihn anspricht hört er auf zu weinen und schaut nur zu. Ich möchte ihn nicht die ganze Zeit schreien lassen. Weiß aber auch nicht, wie ich ihn zum Gehen überredet bekomme. Denn es hilft nichts. Irgendwann ist er so in seiner Wut und Verzweiflung gefangen, dass er gefühlt in einen Tunnelblick kommt und nichts mehr geht. Natürlich nehme ich ihn dann hoch oder gehe auf die Knie und umarme ihn, rede sanft auf ihn ein und tröste ihn. Jeder Versuch danach ihn zum laufen zu bringen, abzusetzen oder Ähnliches endet wieder im Heulkrampf. Und das ist wirklich ein Krampf. Gestern verkrampfte er mit einem Mal. Er bewegte sich nicht mehr und schrie einfach nur noch. Das hat mir Angst gemacht und hemmt mich nun noch mehr ihn so schreien zu lassen.
Jedoch muss sich etwas ändern. Denn ich bin seit August 2019 immer wieder krank mit viralen Infekten, einer schweren Rippenfellentzündung und so langsam ist auch die Psyche betroffen. Sodass ich nicht die Kraft habe 12kg lange zu tragen.

Was würdest du in dieser Situation machen? Ich bin ein bisschen ratlos und den Rat meiner Schwiegermutter möchte ich nicht so umsetzen. Denn der wäre: „ Da muss er jetzt durch und lass ihn weinen. Er versteht irgendwann schon, dass er Laufen muss.“ Aber ich kann ihn nicht immer 30 Minuten schreien und sich total verausgaben lassen nur damit ich meinen eigenen Willen durchsetze. Mir wäre ein Kompromiss am Liebsten. Jedoch bin ich gerade ratlos was dieses Problem angeht.

Ich freue mich auf deine Antwort und Ansicht. Vielleicht gehe ich an die ganze Sache falsch ran.

Ich wünsche dir einen schönen Start in die neue Woche.

Lg Julia*

Argomento Elternschaft

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