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“Mein Kind hat Einschlafschwierigkeiten”

Bild: Chiara Doveri

Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, empathischen und recherchierten Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

Liebe Anna,

Unsere Einschlafsituation ist so schwierig und kräftezehrend, dass ich einfach nicht mehr weiter weiß.

Meine Tochter hatte schon immer große Schwierigkeiten insbesondere abends zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen und hat auch seit der Geburt abends sehr viel geschrien. Sie ist ein sehr aufgewecktes Kind, das einfach viel in sich aufsaugt. Sie ist schon früh nicht mehr beim Stillen eingeschlafen und wir haben sie lange, lange in den Schlaf getragen. Seit sie circa ein Jahr alt ist, haben wir es vermehrt mit Einschlafbegleiten versucht, ich habe in meiner Verzweiflung aber bis zuletzt in besonders schwierigen Phasen (Zähne, Krankheit etc.) und auch darüberhinaus immer wieder zum Tuch gegriffen.

Sie ist nun 19 Monate alt und ist mir mittlerweile tatsächlich einfach etwas schwer, als dass ich sie jeden Abend in den Schlaf tragen könnte. Insbesondere, weil selbst das oft über 30 Minuten dauert und sie dann meist ohnehin nach einer Stunde wieder wach wird - wahrscheinlich, weil sie das fehlende Schunkeln dann eben bemerkt. Ich bin also zurück bei der Einschlafbegleitung und habe - gefühlt - alles versucht:

Früher ins Bett, später ins Bett, Singen, Geschichte erzählen, Streicheln, gar nichts machen oder sagen, Gefühle spiegeln, den Tag Revue passieren lassen - und doch schreit sie. Jeden Abend. Mindestens 20 Minuten, gefolgt von mindestens 30 Minuten wälzen, oft aber auch abwechselnd Schreien und Wälzen bist hin zu fast zweistündigem Einschlafbegleiten. Wenn es gut läuft, schläft sie nach einer Stunde.

Ich merke, dass sie sehr müde ist, aber nicht wirklich loslassen kann. Sie legt sich einfach nicht hin, setzt sich immer wieder auf. Fragt(e) nach Milch (seit wir nachts abgestillt haben, aber kaum mehr), will nochmal aufs Klo (wir halten seit der Geburt ab und sie ist tagsüber windelfrei, wir gehen dann auch, aber es kommt nichts mehr. Sie will dann trotzdem immer wieder aufs Töpfchen). Dann will sie dass ich singe, dann doch nicht, dann soll ich sie streicheln, dann doch nicht. Letztlich endet es aber immer gleich: Sie weint, beruhigt sich irgendwann mit viel Zuspruch und Singen und schläft dann irgendwann nach langem „Kämpfen“ ein. Oft schaffe ich es, das so zu begleiten, manchmal aber auch nicht und habe sehr mit meiner eigenen Wut zu kämpfen (da versuche ich schon viele Trigger vorher auszuschalten, zb. esse ich vorher immer mit ihr mit, weil ich sonst Hunger bekomme und es gar nicht schaffe).

Ich habe nun schon unsere Abendroutine so umgestaltet, dass sie ganz viel Ruhe und Kontakt beinhaltet, wir essen gemeinsam, spielen dann noch einmal intensiv, gehen ins Bad und stillen dann ganz ausgiebig auf der Couch, oft eine halbe Stunde. Sie darf sich zuletzt ein Buch aussuchen, das wir im Bett lesen, dann legt sie es weg und darf das Licht ausmachen. Bis dahin ist alles gut und dann geht es eben los. Sie weint, steht auf, möchte aufs Klo, weint - wie oben beschrieben.

Sie geht tagsüber in die Kinderkrippe (8-15 Uhr), was ganz toll klappt und meist hat sie dort viel Spaß. Könnte es dennoch sein, dass der Bindungstank abends nicht voll genug ist und sie deshalb so schwer loslassen kann? Ich habe aber wirklich gar keine Idee, wie ich den noch besser füllen kann - außer ich bringe sie weniger lang in die Kita, was mit meinem Studium aber leider schwer vereinbar ist.

Ich bin auch so unsicher: Ist es nun Reizüberflutung, ist es der Bindungstank, ist es einfach das Rauslasse-Müssen des Tages? Mich und uns belastet die Situation sehr. Zum einen natürlich, weil ich oft das Gefühl habe, der Abend ist am Ende so „kaputt“, wenn ich zwei Stunden mit ihr im Bett lag und kaum noch Zeit für mich habe, zum anderen aber vor allem, weil ich es so blöd finde, dass das Einschlafen immer so ein „Thema“ ist, sie solchem Stress aussetzt und für sie offenbar mit so starken Gefühlen verbunden ist.

Bisher habe ich immer darauf gesetzt, dass die Dinge von alleine besser werden, aber hier bin ich mittlerweile doch ratlos und fühle mich so hilflos.

vielen Dank und ganz liebe Grüße,
Juna*

Argomento Elternschaft

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