Hallo,
vergangenen Freitag fragte mein Sohn: "Und, was ist so los? Putin, Trump und Chamenei verbrennen die Welt?" Für seine elf Jahre hat er einen soliden Überblick, finde ich. Also antwortete mein Mann: "So kann man es kurz zusammenfassen."
Ich hatte da gerade die Spiegel-Titelgeschichte über die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (Si apre in una nuova finestra) gelesen und warf unüberlegt von der Seite ein: "Ich kann’s noch kürzer: Männer." Woraufhin mein Sohn ganz bestürzt war: "Aber doch nicht alle."
Nein, du nicht, mein Schatz.
Hoffentlich. Bisher. Wie lange noch?
💌 Neu dabei? Hier kannst du "Innen & Außen" abonnieren.💌 (Si apre in una nuova finestra)
Solche und ähnliche Zusammenstöße hatten diese Woche alle Frauen, die ich kenne. Manche mussten ihrem Partner mühsam erklären, warum "diese Sache" zwischen einer ehemaligen Viva-Moderatorin und einem ehemaligen MTV-Moderator sie derart aufwühlt. Andere hatten einen Verwandten oder Arbeitskollegen, der sagte: Aber es gilt die Unschuldsvermutung (Si apre in una nuova finestra), aber "Er sagt, sie sagt", aber ich fand den Ulmen immer total witzig, aber Beweise, aber #notallmen.
Währenddessen googelten so viele Männer nach "Collien nackt" und "Collien Porno", dass die Begriffe trendeten (Si apre in una nuova finestra). Andere schickten der Schauspielerin Morddrohnungen (Si apre in una nuova finestra).
#Notallmen? Vielleicht. Aber trotzdem viel zu viele. So viele, dass manche Frau diese Woche auf den Typen neben sich blickte und sich fragte: Und du? Was machst du, wenn keine hinschaut?
Viktoria Morasch formulierte es in der Zeit (Si apre in una nuova finestra) schon vor einigen Wochen so:
Was bist du für einer? Bist du so einer? Hasst du Frauen? Willst du Sex mit einer 14-Jährigen? Mit einer Achtjährigen? Was würdest du Frauen antun, wenn du wüsstest, du kommst damit davon? Was hast du ihnen schon angetan?
Wie sollen wir euch noch lieben? Fragt Barbara Blaha bei Moment.at (Si apre in una nuova finestra), und dieses Gefühl treibt gerade viele Frauen um. Denn natürlich lieben wir Männer, leben mit ihnen, haben Partner, Väter, Brüder, Söhne, Freunde. Und gleichzeitig haben wir über den Fall Pelicot gelesen, über die Lehrer in Erfurt, über Konstantin Wecker, die Epstein-Files und die unzählichen "kleineren" Fälle von Vergewaltigung, Missbrauch, Femizid, die hinten im Lokalteil oder im Panorama zu finden sind, und zwar jeden Tag.
So viele unterschiedliche Männer stellen sich als Täter heraus (prominent und unbekannt, reich und arm, Migrant und von hier, alt und jung, analog und digital …), dass die Erzählung zerbröselt, mit der sich einige von uns immer wieder beruhigt haben. Die Erzählung, dass es zwar sexualisierte Gewalt gibt - dass unsere eigenen Partner, Väter, Brüder, Söhne, Freunde damit nichts zu tun haben. Es ist statistisch kaum möglich, dass wir alle Dutzende Betroffene kennen, aber keinen einzigen Täter.