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Baader (2002)

Der Film erzählt die Geschichte von Andreas Baader und den Umständen der Gründung der Roten Armee Fraktion. Zwischen 1967 und 1972 entwickelt sich der Kleinganove zum Staatsfeind Nummer eins und führt als brutaler Anführer die RAF in den Kampf gegen Kapitalismus, Imperialismus und den deutschen NSDAP-Nachfolgestaat. Autodiebstähle, Brandstiftungen, Banküberfälle, Mordanschläge, Totschlag und Entführung - der Terrorismus der RAF unter seiner Führung schreckt vor nichts zurück. Dabei zeigt sich Andreas Baader als arroganter, frauenfeindlicher und faschistoider, aber auch charismatischer Zeitgenosse.

Christopher Roth, der zwanzig Jahre später den großartigen Film Servus Papa, See You in Hell (2022) drehen sollte, inszenierte mit Baader ein ähnlich beschaffenes Werk. Auch hier mischt er historische Geschehnisse mit fiktiven Elementen. Das Drehbuch, welches er zusammen mit dem Journalisten und Schriftsteller Moritz von Uslar verfasste, verquickt gekonnt Fakten, Anekdoten und Fiktion miteinander und - das ist das Besondere - spart eine moralische Dimension aus. Die Hauptrollen als Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe übernehmen Frank Giering, Laura Tonke, Birge Schade und Bastian Trost. In weiteren Rollen sehen wir Daniel Krauss, Michael Sideris, Jana Pallaske, Bettina Hoppe und Michael Günther. Die Rolle des fiktiven Kurt Krone, gespielt von Vadim Glowna, basiert auf dem ehemaligen BKA-Chef Horst Herold, der als Symbolfigur der Terrorismusbekämpfung galt und tatsächlich eine Art Hauptgegenspieler von Andreas Baader war.

Der Film aus dem Jahr 2002 hält sich zu Beginn relativ nahe an die geschichtlichen Begebenheiten und verwebt Aufnahmen von Ereignissen, wie der Demonstration gegen den Schah von Persien, dem Tod von Benno Ohnesorg und den Auftritten von Rudi Dutschke, mit Spielszenen. Im Laufe der Erzählung geht der Film mehr und mehr in fiktionale Handlungsstränge über. Dabei werden auch die Aktionen des Staates gegen die Terrorgruppe und Kurt Krone als Chefermittler gezeigt, der einen seltsam komplizenhaft wirkenden Umgang mit Baader an den Tag legt. Das erinnert an Rainer Werner Fassbinders Die dritte Generation (1979), wo ähnliches passiert.

Christopher Roth legt in Baader den Fokus auf das Lebensgefühl, das eine Gruppe von intelligenten Menschen in den Terrorismus hat gleiten lassen. Er beschreibt diese Menschen als junge, leicht verwirrte, aber nicht unsympathische Personen, die trotz ihrer Kapitalismuskritik auf schnelle Autos und coole Sonnenbrillen stehen. Auch wenn der einige Jahre später erschienene Der Baader Meinhof Komplex (2008) einen prominenteren Cast und einen mitreißenderen Plot zu bieten hat, muss Roths künstlerisch origineller RAF-Film den Vergleich nicht scheuen.

https://www.imdb.com/de/title/tt0309320/ (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Film