Der gestresste Bürgermeister Tom Loftis versucht verzweifelt, eine verschlafene Inselgemeinde in Neuengland in einen florierenden Touristen-Hotspot zu verwandeln. Dabei ignoriert der skeptische Mann beharrlich die Warnungen der abergläubischen Einheimischen vor einem jahrhundertealten Fluch. Als er jedoch feststellen muss, dass die düsteren Legenden sich als erschreckend real erweisen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als zusammen mit seiner Assistentin Patricia und dem verschrobenen Fischer Wyck dem Ursprung des Unheils auf den Grund zu gehen. Sie stoßen auf einen historischen Teufelspakt des Stadtgründers und finden ein unterirdisches Bunkersystem direkt unter der Insel.
Die Serie von Katie Dippold aus dem Jahr 2026 versucht, Komödie mit Horror zu verbinden. Das gelingt ihr durch die vielen guten Schauspieler in gewisser Weise schon. Zu sehen sind hier: Matthew Rhys als Tom Loftis, Kate O'Flynn als Patricia, Stephen Root als Wyck, Dale Dickey als Rosemary, K Callan als Ruth und Jeff Hiller als Dale. Auch die Filmmusik von David Fleming ist gelungen.
Leider krankt Widow's Bay mal wieder an den typischen Problemen, die zeitgenössische Serien oft mit sich bringen. Neben den obligatorischen Rückblenden, Geschichten in Geschichten, Nebenplots, wirren Szenenwechseln und Zeitsprüngen werden wir hier mit einer dermaßen verquasteten Story belästigt, dass diese in der neunten Folge sogar mithilfe einer Overhead-Folie erklärt werden muss. Dieser Erklärungsmarathon ist sterbenslangweilig; im wöchentlichen Ausstrahlungsrhythmus war es schlicht unmöglich, den Überblick über die unzähligen Namen und Verflechtungen zu behalten.
Die Inszenierung ist sehr durchwachsen. Die Serie baut gekonnt Spannung auf, weiß sie dann aber nicht zu halten. Über mehrere Folgen hinweg wird angeteasert, ohne auf den Punkt zu kommen, bis die Spannung erlahmt und die Handlung sich totläuft. Dramaturgisch gesehen wäre - wie so oft - die Filmform besser gewesen.
Nicht nur der Humor sitzt - ich habe an manchen Stellen laut gelacht -, auch die unheimliche Atmosphäre in Widow's Bay kann als gelungen bezeichnet werden. Leider geht es hier aber nur um langweilige Geisterbahngestalten wie Hexen, Slasher, Geister, Zombies und den Boogeyman. Bei einer Insel in Neuengland denke ich an fischigen Folkhorror oder an kosmischen Horror im Stile von H. P. Lovecraft. Wir bekommen hier allerdings nur ein unoriginelles Warenhaus von klischeehaften Stephen-King-Gestalten geboten.
In der letzten Folge gibt es dann auch noch einen mittlerweile recht konventionellen Twist, als nämlich das unterirdische Bunkersystem entdeckt wird. Jetzt sind wir vollends bei Serien wie Lost (2004) und From (2022) angekommen, und ich bin komplett raus.
https://www.imdb.com/de/title/tt33332385/ (Si apre in una nuova finestra)