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Eddington (2025)

Im Jahr 2020 hat die Corona-Pandemie auch die verschlafene Kleinstadt Eddington in New Mexico erreicht. Dort stehen sich der maskenablehnende Sheriff Joe Cross und der liberale Bürgermeister Ted Garcia in einem Kampf gegenüber, der die Stadt zu zerreißen droht. Joe versucht bei der kommenden Bürgermeisterwahl ebenfalls zu kandidieren, nicht nur um das Corona-Maskentragen abzuschaffen, sondern auch um es dem vormaligen Bürgermeister heimzuzahlen, denn ihre Familien sind auf tragische Weise verbunden. Als ein Mord die fragile Ordnung erschüttert, nimmt die Gewalt ihren Lauf und konservative Waffennarren stehen weißen Black-Lives-Matter-Demonstranten unversöhnlich gegenüber.

Eddington ist eine schwarze Komödie mit Horror- und Western-Elementen von Ari Aster. Der Film aus dem Jahr 2025 ist prominent mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle als Sheriff Joe Cross sowie Pedro Pascal, Emma Stone und Austin Butler in wichtigen Nebenrollen besetzt. Des Weiteren sehen wir u.a. Deirdre O’Connell, Luke Grimes, Clifton Collins Jr., Amélie Hoeferle und Micheal Ward.

Nach Hereditary - Das Vermächtnis (2018), Midsommar (2019) und Beau Is Afraid (2023) ist Eddington Asters vierter Spielfilm, der die Corona-Pandemie als Brennglas der US-amerikanischen Gesellschaftsspaltung verarbeitet. Der Horror-Art-Regisseur beschreibt sein Werk selbst als "schwarze Western-Noir-Komödie" und teilt in alle Richtungen aus. Nicht nur Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und Konservative bekommen ihr Fett weg, Aster nimmt auch dogmatische Linksradikale und selbstgerechte Aktivisten aufs Korn. Das Herausragende an seinem Film ist jedoch die Tatsache, dass er eindrucksvoll veranschaulicht, dass die Spaltungslinie in der Kleinstadtgemeinde, die für die US-amerikanische Gesellschaft im Allgemeinen steht, oft nicht entlang von Hautfarben oder Herkünften verläuft, wie es linke und rechte Identitäre behaupten, sondern vielmehr mit Medienkonsum, persönlichen Erfahrungen und Milieus zu tun hat.

Die große Stärke des Films liegt in seiner Neutralität. Er macht es dem Zuschauer ungemein schwer, sich für eine Seite zu entscheiden, und verdeutlicht so, wie kompliziert die Welt ist. Keine Seite, keine Figur ist hier wirklich sympathisch, alle haben irgendwie ein bisschen recht und wieder nicht, alle übertreiben es in ihren Methoden und in ihrer Wortwahl im politischen Kampf. Und dann gibt es noch die mysteriöse Gruppe der schwarz gekleideten Terroristen. Aster gestaltet diese Figuren absichtlich so, dass die Zuschauer ihre eigenen Vorurteile auf sie projizieren können. Rechte sehen in ihnen die Bestätigung ihrer Ängste vor linksradikalen Antifa-Gruppen, die von Milliardären wie George Soros finanziert werden. Linke Zuschauer deuten die Terrorgruppe als False-Flag-Operation des rechten Establishments, um linke Proteste zu diskreditieren und das übermäßig harte Durchgreifen der Polizei zu rechtfertigen. Es bleibt also offen, wer diese Terroristen sind. Letztendlich ist es auch egal. Wir sehen in Eddington, dass über allem eine anonyme Elite thront, die der Nutznießer der gesellschaftlichen Spaltung ist und am Ende immer gewinnt.

Mir gefiel Eddington aufgrund seiner Uneindeutigkeit und Neutralität sehr gut; leider hat der Film ein paar zähflüssige Strecken und ist mir mit seiner Laufzeit von zweieinhalb Stunden schlicht zu lang. Dramaturgisch hätte ihm eine Kürzung gutgetan. Inhaltlich und schauspielerisch ist der Film, der ein Amerika im Ausnahmezustand zeigt, aber mehr als gelungen. Irgendwann wird man vielleicht dieses Werk als Beweis dafür vorlegen, dass der zweite amerikanische Bürgerkrieg 2020 begann.

https://www.imdb.com/de/title/tt31176520/ (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Film