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One Battle after another

Der diesjährige Abräumer bei den Oscars stand gestern endlich mal auf meiner Watchlist ganz oben. Paul Thomas Anderson (Boogie Nights, There will be Blood) ist mir als Regisseur natürlich bekannt, auch wenn mich sein letzter Film "Licorice Pizza" nicht vollkommen überzeugen konnte. Allerdings hat er allein mit "There will be Blood" im Jahr 2007 ein gewaltiges Werk abgeliefert, dass auch fast 20 Jahre später immer noch nachwirkt. Sein neuer Film ist nicht einfach zu verdauen, denn so richtig zu definieren ist er nicht. Ist das nun Satire, Drama oder Roadmovie mit Gewaltspitzen? Ist es ein politischer Film oder nicht? Schwierig, aber genau das macht das Sehvergnügen aus: sich mit einem Werk konfrontiert zu sehen, dass sich jeglicher Genre-Zuweisung verwehrt und dennoch überzeugen kann.

Die Geschichte um die junge Willa, Tochter eines halbgaren weißen Revoluzzers und einer schwarzen Vollblut-Anarchistin, wird süffisant und actionreich erzählt. Derweil muss sie als Spielball zwischen ihrem echten Vater und ihrem Ziehvater herhalten, die beide für sich nicht ganz in der Realität verhaftet sind. Das wurde bildgewaltig und rasant umgesetzt, einige Szenen wirken wie ein Rausch, da es kaum Schnitte gibt. Ein Hauch von Dringlichkeit und Hektik liegt über allem, selbst wenn es mitunter eher ruhig zugeht. Die großartige Kameraarbeit von Michael Baumann (Nightcrawler, Amsterdam) reißt einen mit durch Tag und Nacht, urbane Wüstenei und wüsten Ansichten.

Vor allem aber machen Sean Penn als völlig vernebelter und psychisch kollabierender Colonel Lockjaw und Leonardo DiCaprio als seine bekiffte und vollkommen hilflose Pseudo-Terroristen-Nemesis den Film zu etwas übergroßen. Ihre Figuren wirken wie eine leider allzu reale Persiflage auf die momentanen Zustände in den USA.

Man weiß oft nicht, ob man das noch lustig finden darf, aber die zwei spielen ihre überzogenen Rollen derart konsequent, dass es ein Riesenspaß ist. Wobei der ernste Hintergrund zu der ganzen Geschichte niemals aus dem Fokus gerät. Diese eher seltsame Mischung aus Politdrama (kann man das so nennen?) und Sozial-Satire (?) steht immer wieder kurz vor dem Kollaps. Doch irgendwie schafft Anderson diesen schwierigen Balanceakt und zeigt uns mit leichter Hand und lockerer Zunge, dass es eben doch geht und dass jegliches Klischee irgendwo auf ein reales Vorbild trifft. Und das ist entlarvend für alle Seiten.

Aber auch die 25jährige Chase Infiniti bietet in ihrer ersten großen Filmrolle alles auf. Ihre Rolle reduziert sie zumindest nicht, wie so oft, auf das niedliche kleine Opfer, das von den Kerlen gerettet werden muss. Ihre Figur muss so einiges durchmachen und erfährt dadurch eine nachvollziehbare Wandlung vom netten, aber intelligenten High School Girl hin zu einem Abbild ihrer hartgesottenen Mutter. Wobei genau diese Härte schon von Anfang an bei ihr auszumachen ist.

Das ist große Kinokunst, die uns einen Abgrund aufzeigt, in dem wir uns gerade alle befinden. Trotzdem darf man schmunzeln, sich am Kopf kratzen und all das hinterfragen, denn "One Battle after another" ist harte Satire, die einem auch immer mal wieder von hinten in den Arsch tritt.

Man könnte dem Film einiges ankreiden, so zum Beispiel das immer wieder zum Overacting tendierende Spiel der Darsteller oder die teilweise recht ausgewalzten Verfolgungsjagden. Man könnte sich über platte Klischees mokieren oder nach politischer Korrektheit schreien. Man könnte den Film aber auch einfach als großartig hinnehmen, sich am Sack kratzen und noch einen Joint drehen.

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