Gofigramm

In der aktuellen Ausgabe von POP KUNST SEELE sprechen wir mit der Pastorin Mira Ungewitter (Si apre in una nuova finestra). Sie lebt und arbeitet in Wien, ist aber gebürtige Kölnerin. Deshalb ist der heutige Rosenmontag ein besonderer Tag für sie. Denn Mira ist erklärte Jeckin. Sie feiert seit ihrer Kindheit Karneval mit großer Begeisterung.
Ich bin in Norddeutschland aufgewachsen und habe mit den tollen Tagen nie etwas anfangen können. In der zweiten Klasse habe ich mich mal als Pirat verkleidet. An die anderen Rosenmontage kann ich mich nicht mehr erinnern. Doch nach dem Gespräch mit Mira habe ich etwas besser verstanden, warum Menschen diesen mehrtägigen Ausnahmezustand genießen und sich das ganze Jahr darauf freuen können.
Es ist eine Zeit, in der die alten Regeln nicht mehr gelten, in denen alte Ordnungen und Hierarchien außer Kraft gesetzt werden. Ja, das schließt auch Frivolität und Rausch mit ein, worüber wir Protestanten die Nase rümpfen (auch wenn Martin Luther oder auch J.S. Bach als unsere Musterprotestanten gerne und viel tranken). Es ist eben eine Art Auszeit von den Ordnungen, die wir als gegeben akzeptieren, auch wenn wir sie nicht selten als bedrückend empfinden: seriös, produktiv, gefügig, enthaltsam, höflich, gewissenhaft sein zu müssen. Das sind alles gute Werte, aber sie kosten Kraft und Disziplin.
Du wirst mir wahrscheinlich zustimmen, dass wir alle manchmal Urlaub von den bestehenden Ordnungen brauchen. Wir nehmen ihn uns beim Sport, beim Tanzen, beim Musikhören, in der Kurve des Fußballstadions, vor dem Fernseher, vielleicht sogar im Gottesdienst. Wie sehr dieser Urlaub dann kontrolliert eskaliert, hängt vielleicht von unserem Temperament ab. Vielleicht aber auch von der Größe des Drucks, unter dem wir stehen.
Wenn mein Bedürfnis nach kontrollierter Eskalation zu groß wird, ist das in der Regel ein Zeichen dafür, dass der Druck zu groß geworden ist. Da ist es manchmal klüger, eben nicht zu eskalieren, sondern sich die Beschaffenheit der Ordnung anzuschauen, die ich für mich als verbindlich betrachte, und zu überlegen, ob die Dinge wirklich so sein müssen, wie sie gerade sind. Muss ich wirklich so hart arbeiten? Ist dieser Termin wirklich unumgänglich? Kann wirklich niemand anderes diese Aufgabe übernehmen? Ist Zähne zusammenbeißen und Durchhalten wirklich die einzige Option? Muss ich gewissen Erwartungen wirklich entsprechen? Häufig ist das nicht der Fall.
Was mich zurück zum Karneval bringt. Schon in der Antike hat es ähnliche Feste gegeben, in denen auch die bestehenden gesellschaftlichen Ordnungen auf den Kopf gestellt wurden. Die Herrschaften wurden zu Dienern und umgekehrt. Vermutlich ist das damit gemeint, wenn an Weiberfastnacht Frauen den Männern die Krawatten abschneiden: ein zeitweiliger Aufstand gegen das Patriarchat. Ich finde das sympathisch. Allerdings bestätigt die Ausnahme am Ende doch wieder die Regel. Besser wäre es doch, wenn bedrückende Ordnungen ganz abgeschafft würden. Oder etwa nicht?
Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!
Dein Gofi
Danke für Dein Interesse! Ich bin Gofi, Künstler, lebe in Marburg und engagiere mich für den Erhalt von Kunst, Kreativität, Gemeinschaft und einer menschenfreundlichen Spiritualität. Das GOFIZINE veröffentliche ich bewusst kostenlos für alle, weil ich möchte, dass jede/r Zugang zu guten Inhalten hat, unabhängig von Einkommen und finanziellen Möglichkeiten. Wenn Du mir bei meiner Arbeit helfen möchtest, bin ich Dir sehr dankbar.
Podcast
Mein Zahnarzt war mal Jungfrau: Die Wahrheit über Karneval (mit Mira Ungewitter)

Karneval, Fastnacht, Fasching – je nach Region haben die tollen Tage in Deutschland einen anderen Namen. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Für einen kurzen Zeitraum im Jahr herrscht der Ausnahmezustand. Plötzlich sind Dinge erlaubt, die im Rest des Jahres No-Gos sind. Während die einen diese Zeit lieben, hassen andere sie aus tiefstem Herzen. Wir haben uns eine Fachfrau eingeladen, die besonders den rheinischen Karneval aus eigener Erfahrung kennt: Mira Ungewitter ist Theologin, Pastorin, Autorin und gebürtige Kölnerin mit einer ganz großen Liebe zu ihrem Kölschen Karneval. Sie erklärt uns, was sie daran so fasziniert, erläutert Bräuche und Rituale und gibt praktische Tipps, wie man ihn unbeschadet überstehen kann. Wir sprechen auch über die Bedeutung des kollektiven Rausches, die Wichtigkeit von Volksfesten für die Psyche und Identität einer Gesellschaft und darüber, warum Miras Zahnarzt zur Jungfrau wurde.
https://youtu.be/rUACY8hW9x8?si=xg-Eia27dJlIT49t (Si apre in una nuova finestra)
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News
Sei bei der HossaCon dabei!
Die Hossa-Community kommt zusammen. Dieses Mal aber nicht regional begrenzt, sondern es sind ALLE herzlich eingeladen. Sei mit dabei, wenn wir uns zum ersten Mal in unserer Geschichte zu einem großen Hossa Get Together versammeln.
Wir wollen Euch sehen, Euch in den Arm nehmen, mit Euch reden und diskutieren, gemeinsam nachdenken, am Lagerfeuer sitzen, Gottesdienst feiern, Kunst genießen und voneinander lernen.
Die HOSSA CON findet statt vom 27.-29. März 2026 in der EC Tagungsstätte Altenau. Was genau Dich an diesem Wochenende erwarten wird, erfährst Du von uns in den nächsten Wochen.
Save the date. Wir freuen uns auf Dich!
Du kannst Dich direkt auf der Seite der EC Tagungsstätte anmelden.
https://www.ec-altenau.de/veranstaltungen/veranstaltungen-details/veranstaltungen_3 (Si apre in una nuova finestra)Ab 25 Jahre: 199 €
14-25 Jahre: 169 €
6-13 Jahre: 99 €
1-5 Jahre: 69 €
Unter 1 Jahr: frei
Übernachtung im Mehrbettzimmer
Vollverpflegung in Buffetform
Teilnahme an allen Veranstaltungen
Kurtaxe
Bettwäsche bitte selbst mitbringen, kann vor Ort gegen Gebühr geliehen werden
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