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#4 Schreiben, um dich besser zu verstehen

Inner Writing Newsletter – Header mit dem Slogan "Schreiben. Reflektieren. Verstehen. Und verändern."

Alle paar Wochen erhältst du an dieser Stelle anstelle des psychologischen Impulses von Britta einen Impuls von Miriam, in dem es um das Schreiben, Kunst und Kreativität geht. Heute ist so ein Tag.

Dein Schreiben kann mehr

Was passiert, wenn wir aufhören, schöne Texte zu produzieren

Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke.

– Joan Didion

Ich habe das Schreiben lange als etwas Elitäres angesehen. In meiner Jugend und während des Studiums las ich fast ausschließlich Hochliteratur. Das war ein Genuss, keine Frage. Doch diese Haltung hatte eine Kehrseite: Sie korrumpierte mein eigenes Schreiben.

Wenn ich mich an meinen Schreibtisch vor ein leeres Blatt Papier, ein offenes Word-Dokument oder mein Tagebuch setzte, hatte ich den Anspruch, dass meine Worte auf Anhieb so klingen müssten: geschliffen, elegant, voller Weisheit. Ich fokussierte mich darauf, meine Worte so klingen zu lassen, wie ich dachte, dass sie klingen sollten: klug, elegant, poetisch. Ich produzierte vorzeigbare Texte. Von denen ich persönlich aber wenig hatte.

Es brauchte Jahre, bis ich mitten in einer persönlichen Krise das Schreiben neu entdeckte. Ich fing an, meine Gedanken und Gefühle ungefiltert zu Papier zu bringen, sie mir buchstäblich von der Seele zu schreiben – egal wie der Text am Ende klingen würde. In dieser ersten Phase war das Schreiben vor allem ein Ventil. Wut, Trauer, Angst, Verzweiflung – alles, was sonst keinen Platz hatte, schlug sich auf dem Papier nieder. Eine erdrückende Menge an schwer auszuhaltenden Emotionen.

Schreiben als Dialog – mit mir selbst

Dann aber begann ich, das Schreiben mehr und mehr als Dialog wahrzunehmen – als Dialog mit mir selbst. Ich begann, mir beim Schreiben selbst Fragen zu stellen und auf die Antworten zu lauschen, die in mir dazu aufstiegen. Ich begann, meine Texte mit anderen Augen zu sehen: Welche Themen kehrten immer wieder? Was machte mir offensichtlich schwer zu schaffen? Und was konnte ich daraus für meinen Alltag ableiten?

Während in der ersten Phase das Schreiben mich immer tiefer in meine Emotionen hinein geführt hatte, führte mich diese zweite Phase wieder aus ihnen heraus. Das Schreiben wurde zum Mittel, Abstand zu meinen Emotionen zu gewinnen. Nicht weil ich sie wegdrückte – ich nahm sie weiterhin deutlich wahr –, sondern weil ich anfing, mich mit ihnen zu unterhalten. Sie waren Boten. Sie wollten mir etwas sagen. Und durch das Schreiben fand ich heraus, was genau das war.

Genau diese Art des Schreibens möchte ich dir mit Inner Writing näherbringen.

Ich möchte dir dabei helfen, das Schreiben weder als rein intellektuelle Kopfsache noch als von heftigen Emotionen überflutete Angelegenheit kennenzulernen. Ich möchte dir stattdessen einen dritten Weg zeigen: Wie du das Schreiben für dich einsetzen kannst, um dich selbst besser kennenzulernen und genauer zu verstehen.

Die Texte, die auf diese Weise entstehen, werden vermutlich keine Hochliteratur sein. Dafür führt dieser Prozess dich zu innerer Klarheit – auch wenn das gelegentlich bedeutet, sich mit dem inneren Chaos befassen zu müssen.

Es ist, in jedem Fall, eine Reise, die sich lohnt und auf der ich dich gerne ein Stück begleite.

Eine gute Woche wünscht dir

Miriam

SCHREIBIMPULS

Jetzt bist du dran: Schreibimpuls der Woche

An dieser Stelle erhältst du jede Woche einen Schreibimpuls, der dich ins Spüren, Wahrnehmen, Reflektieren bringt. Du brauchst dafür gar nicht lang Zeit, etwa 15 Minuten genügen.

Für heute möchte ich dich einladen, das Schreiben als Dialog kennenzulernen.

Suche dir einen bequemen Ort zum Sitzen, nimm Stift und Papier zur Hand. Stelle den Timer auf 15 Minuten.

Setze den Stift aufs Papier und beginne zu schreiben. Stelle dir dabei Fragen: Was willst du von dir selbst wissen? Welchen Teil von dir möchtest du besser verstehen lernen?

Wenn dir gar keine Frage einfällt, beginne mit der Frage: Was beschäftigt dich gerade?

Horche kurz in dich hinein und notiere dann alles, was dir als Antwort auf die Frage hochkommt. Egal wie es klingt, ob es auf den ersten Blick Sinn ergibt oder nicht. Schreibe alles auf, möglichst ohne Pausen.

Wenn sich aus dem Geschriebenen weitere Fragen ergeben, dann schreib diese Fragen auf. Und beantworte diese.

Beende das Gespräch, wenn der Wecker klingelt.

Lies dir danach deinen Text noch einmal durch. Hast du etwas über dich gelernt? Möchtest du diese Übung vielleicht im Laufe der Woche noch einmal wiederholen?

Gutes Schreiben! ✍️❤️

Miriam

HINWEIS

Unsere Schreibübungen kommen in unterschiedlicher Intensität daher. Manche sind locker-leicht, andere gehen tiefer.

Wie auch immer es gerade für dich ist:

Wenn du merkst, dass beim Schreiben mehr hochkommt als du im Moment bewältigen kannst, dann sorge bitte gut für dich.

Brich Übungen ab, die dir zu intensiv sind, tu dir etwas Gutes und suche das Gespräch mit Freunden, deiner Familie, deinem Partner – oder hole dir professionelle Hilfe, wenn du sie brauchst. Du musst da nicht alleine durchgehen.

VORSCHAU

Das erwartet dich in der nächsten Ausgabe

In der nächsten Ausgabe von Inner Writing geht es um Verluste. Nicht nur die großen, sondern die vielen kleinen, die wir kaum bemerken und die uns trotzdem prägen. Was geht uns im Laufe eines Lebens alles verloren – und wie gehen wir angemessen damit um?

WER HIER SCHREIBT
Porträtfotos von Britta Bettendorf und Miriam Schaan

Hi, wir sind

Britta Bettendorf – Psychologin mit eigener Praxis – und Miriam Schaan – Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Schreibpädagogin.

Du möchtest uns näher kennenlernen?

Hier erfährst du mehr über Brittas Arbeit. (Si apre in una nuova finestra)

Hier erfährst du mehr über Miriams Arbeit. (Si apre in una nuova finestra)

Feedback

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Dann freuen wir uns über dein Feedback:

Schreibe uns eine Mail an: hello@innerwriting.de (Si apre in una nuova finestra)

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