Spielen ist die Arbeit der Kinder (Maria Montessori)
🎨 Das heutige Thema dreht sich um die Kindheit und ihre Spiele sowie deren Darstellung in der europäischen Malerei. Auch wenn keiner der Künstler über pädagogische Theorien nachgedacht hat, zeigen ihre Werke die Praktiken, Risiken und Regeln im Leben von Kindern.
🔥Werde Mitglied, um die gesamte Analyse zu lesen. Du kannst dann den Ansatz des Themas bis zu seinem Abschluss verfolgen. Bedenke, dass du mit deiner Mitgliedschaft dieses unabhängige Projekt unterstützt. Du hast einen Monat Zeit, um dich zu entscheiden. Danke fürs Lesen! 🙏🏽
Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,
in der europäischen Malerei tauchten Kinderspiele erst ziemlich spät auf, und als sie auftauchten, waren sie eher eine Art Sprache, in der Erwachsene ihre Ideen ausdrückten.
Kinder waren in diesen ersten Bildern nicht als eigenständige Personen zu sehen und spielten, indem sie die Welt der Erwachsenen nachahmten: ihre Gesten, Hierarchien und Gewalttätigkeiten. Das Spiel war eine Probe für das Leben.
Ab dem 18. Jahrhundert änderte sich die Art des Spielens, da nicht nur das Nachahmen, sondern auch Risiko und Gefahr eine Rolle spielten. Es war nicht mehr nur ein Spiegelbild der Erwachsenen, sondern wurde zu einem Mittel der kulturellen Weitergabe.
Ende des 19. Jahrhunderts begann die Kindheit, eine Phase mit eigenen Dynamiken zu werden. Das Spiel verlagerte sich auf den Körper: Bewegungen, Rhythmen und Formen der Beziehung ohne Strafen. Vor allem Mädchen verinnerlichten unter einem spontanen Anschein Geschlechts-, Sozial- und Klassenregeln.
Ich zeige dir, wie in jeder Epoche entschieden wird, was gespielt wird, wie gespielt wird und was man durch das Spielen lernt. Die Malerei dokumentiert außerdem nicht, wie es war, sondern wie Erwachsene sich die Kindheit vorstellten oder wünschten.
Maria Montessori hat den Titel dieses Artikels Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt, als die moderne Pädagogik das Spiel als einen Raum der Persönlichkeitsentwicklung erkannte.
Wenn man sich die Kinderspiele in diesen Bildern aus verschiedenen Epochen ansieht, kann man beobachten, wie jede Gesellschaft sich ihre Zukunft vorgestellt hat. Los geht's.
Das Spiel als Spiegel der Erwachsenenwelt
(Si apre in una nuova finestra)Pieter Brueghel der Ältere (?–1569) war einer der Ersten, der Kinderspiele malte. Auf seinem Bild stellt er die Welt als eine Summe von Handlungen dar, die alle gleich wichtig sind. Jede Figur ist eigenständig, sodass du das Bild aktiv „lesen” musst, indem du jede Szene einzeln beobachtest. Ein passives Betrachten ist nicht möglich.
Brueghel malt nicht die Kindheit, sondern den menschlichen Zustand. In seinem Werk fungieren Kinder nämlich als Metaphern für Verhaltensweisen ohne Hierarchien. Ihre Handlungen sind repetitiv oder absurd und die Gesamtheit der Gesten hat keinen transzendenten Zweck.
Die große Anzahl der Figuren und Szenen zeigt, wie der Maler die Welt versteht: chaotisch, fragmentiert und widersprüchlich. Eine ähnliche Art der Darstellung findest du bei Hieronymus Bosch. Der Unterschied ist, dass Bosch das Chaos in einer Fantasiewelt ansiedelt, Brueghel hingegen im Alltag.
Der Künstler steht den humanistischen Ideen von Erasmus nahe, indem er Ironie einsetzt, die Menschen beobachtet und ihre Narrheit hervorhebt. Er malt nicht für das Volk, sondern für den gebildeten Betrachter, der die moralischen Anspielungen oder Satiren erkennen kann.
Das Gemälde moralisiert nicht direkt, sondern regt durch die vielfältigen Handlungen zum Nachdenken an.