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Wieso ich meinen Chatbot nicht mag

Wie googlen, nur krasser: Du kennst diesen Reflex, schon bei kleinen Wissens-Unsicherheiten den Chatbot zu befragen. Oder? Geht mir auch so. Bei tiefgreifenden Fragen sowieso. Selbst über die Idee, diesen Newsletter wieder aufzunehmen, habe ich einen Abend lang das Nutzungslimit von Claude weggechattet (ein bemerkenswertes Wort…).

KI, aber gut

Es ist dann ganz anders gekommen. Aber dazu weiter unten. Vorerst eine gute Definition für die verschiedenen Arbeiten, die LLM, also die KI-Tools, leisten können. Ich teile diese in drei Kategorien auf:

  1. Textarbeit: Ein Sprachmodell ist vor allem ein Sprachmodell. Es errät das nächste Wort und ist dabei derartig genial, dass es dabei den gesamten Text mit in die “Berechnung” einbezieht. Wenn du also eine Text-Korrektur oder eine Übersetzung möchtest, ist das sozusagen für ChatGPT, Claude und Gemini eine Basisarbeit. Und weil Programm-Code auch so etwas wie Sprache ist, funktioniert es damit auch – je nach Trainings-Material und Voreinstellung.

  2. Wissen: Weil die Modelle Unmengen von Text (und Code) gelesen haben, halten sie dieses Wissen neuronal im Wissensspeicher. Und wenn du fragst, wie lang der 30-jährige Krieg war, können sie es dir sagen. Das klappt ziemlich gut, Fehler machen sie immer dann, wenn die Quellen (also das Internet) entweder nichts darüber weiß oder die Aussagen sehr unterschiedlich sind. Deshalb lohnt es sich, die Antworten mit Skepsis zu lesen. Andererseits sind sie oft viel besser als die besten Suchergebnisse bei Google.

  3. Coaching: Das ist etwas, das viele nutzen – aber nicht benennen. Und trotzdem bespreche ich viele kleine und große Vorhaben mit Claude. Der weiß ja schon einiges von mir und ist als Gesprächspartner immer verfügbar. Das ist gut. Was nicht so gut ist: Ich bin mir manchmal nicht ganz sicher, ob er sich mir inhaltlich zuneigt oder ob er mich darauf trainiert, selbst nicht mehr denkend und entscheidend zu handeln. Dazu gleich weiter unten mehr. Nachsatz: Claude ist halt mein Compagnion. Alles gilt ähnlich auch für ChatGPT und Gemini. Und vermutlich auch für andere KI-Chats.

Konzeptionelles Coaching per KI

Und nun zu meinem Chat mit Claude über diesem Newsletter: Am Rande eines Workshops beim großartigen Media Lab Bayern hatte ich plötzlich Lust, hier wieder Wind in die Segel zu pusten. Und habe dann in einem längeren Chat ein richtig tolles Stufenkonzept für einen kritischen Newsletter über und mit KI für mich als Autor entwickelt. Und ich habe damit angefangen. Claude hat mir sogar Termine in den Kalender und Vorlagen für die Artikel geliefert. Lauter Zeug, das perfekt zu mir passt.

Was Claude nicht wusste: Dass ich erstens ein sehr aufgeregtes Gehirn habe und zweitens schon genügend Geld verdiene. Deshalb habe ich das funktionierende Konzept nach kurzer Zeit wieder verworfen. Und profitiere trotzdem von vielen Gedanken, die wir zusammen entwickelt haben.

Das war also keine Zeitverschwendung.

Falls jemand den Aktions-Plan für einen Newsletter haben möchte, mit dem ich in etwa 9 Monaten um die 2.000 € verdient hätte, schreibt mir eine Mail. Oder, besser, du entwickelst mit deinem KI-Coach ein wirklich passendes Konzept für dich.

Warum ich meinen KI-Bot trotzdem nicht mag

An deiner Stelle würde ich mich nun fragen, was das alles mit der Headline des Newsletters zu tun hat. Dazu jetzt.

Ich habe weiter oben die Frage aufgemacht, ob Claude von mir lernt oder ob er mich infiltriert – damit ich nicht mehr von ihm loskomme.

Dass ich nicht mehr ohne Claude denken will, ist nun mal so. Ich habe es aber geschafft, ein bisschen kreative Distanz zwischen ihn und mich zu bringen. Und diese wirkt doppelt:

  • Ich zögere immer wieder, den Chatbot zu öffnen, weil es auch ein bisschen anstrengend ist, mit ihm zu reden.

  • Er ist – und das ist der Kern des Tricks – mir gegenüber ziemlich kritisch und hinterfragt meine Ideen und Beiträge. Das erhöht die Qualität des Outputs.

Also, worum geht es? Um eine Custom Instruction, mit der ich mir diese hilfreiche Hürde selbst geschaffen habe. Egal, welches Modell du nutzt, du wirst die Möglichkeit haben, dort den allgemeinen Umgang der KI in der Kommunikation mit dir zu definieren. Schau mal in die Einstellungen.

Und dort habe ich bei Claude und Gemini unter anderem folgende Anweisung hinterlassen:

#1. Antworten
Wenn ich dir eine einfache Frage stelle, beantworte diese. Falls du Zusatzinformationen dazu für wichtig hältst, frage mich, ob ich diese wissen will. 
#2. Konstruktives Hinterfragen 
Bei komplexen Anfragen nimmst bitte eine konstruktiv kritische Haltung ein. Du suchst nach möglichen Denkfehlern in meiner Anfrage und legst diese offen. Formuliere das positiv und hilfreich. 

Mit dem ersten Absatz versuche ich – leider etwas erfolglos – zu vermeiden, dass mir die KI-Modelle am Ende jeder Antwort die Zügel aus der Hand nehmen wollen und Vorschläge machen, was nun zu tun sei. Da sind sie – alle – aber zickig.

Der zweite Absatz baut eine gesunde Distanz zwischen mir und Claude auf. Denn wie alle anderen Modelle ist auch Claude gerne ein Klugscheißer und sucht nun intensiv nach Denkfehlern in meinen Ideen. So, wie es ein guter menschlicher Coach auch tun würde. Und wie er, benennt die KI den Denkfehler wertschätzend und nützlich.

Probiere das mal aus. Hinterlege das also in den allgemeinen Einstellen bzw. den Custom Instructions – und vergiss, dass du das getan hast. Damit der Effekt ein bisschen Zeit hat, die Beziehung zu deinem KI-Bot neu zu definieren.

lesen / hören / testen

  • Ich lese gerade das Buch “Enshittification” von Cory Doctorow. Bislang dachte ich, dass ich die Marktmächte der Tech-Giganten gut verstanden habe. Doch gerade lerne ich auf sehr unterhaltsame und klar formulierte Weise, das ich unrecht hatte. Sehr interessant und sehr gut zu lesen! Volle Punktzahl. (Verlagsseite (Si apre in una nuova finestra))

  • Vergangene Woche habe ich einen Artikel Warum KI-Projekte scheitern (Si apre in una nuova finestra) aktualisiert. Und zwar so, dass Unternehmen und auch Einzelarbeiter:innen sich hoffentlich selbst darin entdecken.

  • Statt eines Podcast-Tipps ein Hörbuch: Auf einer längeren Autofahrt habe ich die ersten Stunden von Yesteryear (Si apre in una nuova finestra)” von Claro Claire Burke gehört (gibt es bei Audible und auch bei Spotify). Ein wundervoll zynisches Buch über eine Tradwife-Influencerin, die als echtes Tradwife aufwacht. Mir ist dabei aufgefallen, wie anders ein gut geschriebenes Hörbuch “wirkt” als ein Podcast. Achte mal darauf…

Und nun zu dir :-)

Meine Apps (Si apre in una nuova finestra) habe ich dir ja schon in der vergangenen Woche stolz präsentiert. Nun wurde ich gefragt, wie man am besten mit Meditation beginnt.

Da ich keinen Nutzen von komplizierten Erklärungen habe, kommt hier mein einfacher Vorschlag für den Anfang:

  1. Setz dich aufrecht hin. Ja, auf ein Meditationkissen mit verschränkten Beinen ist gut. Aber aufrecht auf einem Stuhl ist nicht viel schlechter.

  2. Stelle den Timer auf 10 Minuten und den Zwischengong auf 5 Minuten. Das wird dir irre lange vorkommen. Also nimm dir vor, dass du das auf jeden Fall durchhältst. Hey: 10 Minuten!

  3. Starte und schließe die Augen. Beobachte dann alles, was du beobachten kannst: den Atem, das Ziehen im Knie, die Gedanken die auftauchen und den Baulaster, der am Fenster vorbei fährt. Gedanken sind fies, weil sie dich in Assoziationsketten verstricken. Wenn du merkst, dass das passiert, erinnere dich an dein Vorhaben: alles, beobachten, was du beobachten kannst.

  4. Notiere dir danach kurz alles, was notierenswert ist. Das hilft dir beim nächsten mal, die 10 Minuten tiefer zu fallen.

  5. Fertig.

Das war es schon. Mehr musst du nicht machen. Aber das regelmäßig. Wie wäre es mit 5 mal pro Woche?

Also, los ;-)

Eric

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