Ein Abend reicht für das Leben von Jörg “Bombi” Bombach, deutscher Hörfunk- und Fernsehmoderator sowie ehemaliger Leiter der Popwelle hr3 des Hessischen Rundfunks, nicht aus. Kurzweilig, amüsant und sehr informativ war der Abend mit ihm beim Hessencampus Limburg-Weilburg. Viel Spaß beim Lesen.
Ich oute mich jetzt einmal und gestehe: Jörg Bombach war mir vor diesem Abend kein wirklicher Begriff. Vielleicht habe ich ihn irgendwann einmal im Radio gehört oder im Fernsehen gesehen, doch ich wusste ehrlich gesagt nicht, worauf ich mich einlasse. Gerade deshalb muss ich sagen, dass ich vollkommen abgeholt worden bin und einen äußerst kurzweiligen Abend mit viel Lachen erlebt habe. Ich hätte ihm noch stundenlang zuhören können.
Wie verlief sein Weg in die Medien? Was ist ihm wichtig? Und was rät er den Zuhörern angesichts der heutigen Medienflut? Der Abend war als Interview aufgebaut, durch das Klaus Krückemeyer souverän und unterhaltsam führte.

Buntes Potpourri als Lebenslauf
Geradlinig verlief das Leben von Jörg Bombach nicht. Zwar absolvierte er nach dem Abitur zunächst ein Jurastudium, doch bereits mit 17 Jahren zog es ihn zum Hörfunk. Dort begann er t im Bereich der Staumeldungen als Laufbursche, später flog er sogar mit der legendären HR3-Biene mit, um Verkehrsmeldungen direkt aus der Luft durchzugeben. Vom Referenten des Chefs arbeitete er sich schließlich bis zum stellvertretenden HR-Chef hoch und leitete von 1992 bis 2014 den Sender HR3. „Heute wäre mein Weg undenkbar“, sagt Bombach selbst. Trotz seiner Vollzeittätigkeit schloss er zudem sein Jurastudium ab und wurde der jüngste Anwalt Frankfurts. Für viele Menschen in Hessen war Jörg Bombach über Jahrzehnte eine feste Stimme im Alltag, egal, ob im Radio oder später auch im Fernsehen.
Rückblickend sagt er über sich, dass er sich nie zu schade für irgendeine Arbeit gewesen sei. Etwas, das er bei manchen Praktikanten vermisst habe. Am Alter könne man nichts ändern, deshalb habe er früh versucht, gute Werte zu entwickeln. Bereits in seiner Jugend lernte er bei den Pfadfindern, Verantwortung zu übernehmen. Auch später als Chef sei er sich nie zu schade gewesen, die Spülmaschine auszuräumen, Mitarbeitern einen guten Morgen zu wünschen oder zu wissen, was die Menschen in seinem Team bewegt. Junge Leute durften bei ihm Fehler machen, denn nur dadurch lerne man. „Die Menschen sollten mich ernst nehmen. Ich wollte immer gerecht entscheiden und Mitarbeiter motivieren“, fasst er seine Haltung zusammen. Immer wieder wurde an diesem Abend deutlich, dass für Bombach erfolgreiche Kommunikation vor allem mit echtem Interesse an Menschen zu tun hat.
Mit großer Leidenschaft spricht Bombach über die Öffentlich-Rechtlichen. Gerade durch die weltweiten Korrespondenten gebe es dort weiterhin unabhängige Nachrichten und Einblicke in das Weltgeschehen.
Ernste Töne
Neben all dem Geplänkel mit dem hervorragenden Klaus Krückemeyer und den humorvollen Anekdoten schlägt Jörg Bombach an diesem Abend auch ernste Töne an. In seinen Augen werde das Radio zunehmend austauschbar. Teilweise gebe es nachts bereits keine Moderatoren mehr, sondern KI-Stimmen, die durch die Sendung führen. Dadurch gehe die Verbindung zu den Menschen verloren.
Zudem neigten Nachrichten immer stärker zur Dramatisierung — angefangen beim Wetterbericht. „Nur wer dramatisiert, macht Quote“, sagt Bombach. Sein persönliches Mittel dagegen: abends keine Nachrichten mehr konsumieren, um nicht mit schlechten Gedanken ins Bett zu gehen. Man müsse heute stärker selektieren, weil vieles nur noch negativ erscheine.
Doch schnell geht es wieder zurück zu den angenehmeren Themen. Besonders beeindruckt hätten ihn stets bodenständige Menschen z.B. Weltstars wie Eric Clapton. Gleichzeitig erzählt er auch von weniger angenehmen Begegnungen, etwa als eine bekannte Girlband ein Interview abbrach, weil im Haus die falsche Champagnermarke serviert wurde.
Jörg Bombach wirkte an diesem Abend äußerst nahbar und authentisch. Nach diesem Abend kann ich sehr gut nachvollziehen, warum er so viele Fans hat. Zwischen humorvollen Spitzen, persönlichen Erinnerungen und nachdenklichen Momenten entwickelte sich eine sehr angenehme und offene Gesprächsatmosphäre.
Hessencampus bereichert die Region
Der Hessencampus Limburg-Weilburg bezeichnet sich als Anlaufstelle für alle Bildungsfragen und organisiert seit vielen Jahren Bildungsmessen an den Berufsschulen im Landkreis. In den letzten Jahren hat der Hessencampus abendliche Formate in sein Programm aufgenommen und die gut unterhalten und dabei dennoch auch einen Bildungsauftrag mit dabei haben. Autoren und Moderatoren sind zu Gast und geben Einblicke in ihr Leben, nehmen Stellung zu gesellschaftlichen Themen und auch wenn es sich immer um vergnügliche Veranstaltungen handelt, geben sie etwas mit und klingen in einem nach. Ich freue mich schon heute auf weitere Veranstaltungen, organisiert von Michael Schneider und Christopher Schenk vom Hessencampus.
Einen lebendigen Eindruck vom Abend erhaltet ihr ebenfalls bei Weilburg TV (Si apre in una nuova finestra).
Zum Schluss
Fotografie-Ausstellung in den Kultursammlungen der Stadt Limburg
Mit wunderbaren, prämierten Fotografien “Europäischer Naturfotografie des Jahres 2024” locken die Kultursammlungen noch bis Ende Mai in die Limburger Altstadt und ich kann die Ausstellung sehr empfehlen.

Darf ich sagen, dass ich langsam nervös werde? In zweieinhalb Wochen ist Premiere von “Lysistrata oder Ohne Frieden kein Sex” (Si apre in una nuova finestra) und ich stehe wieder auf der Bühne. Ich freue mich sehr darauf, bin aber auch sehr auf die Reaktionen des Publikums gespannt. Vielleicht sieht man sich ja.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal,
Liebe Grüße
Eure Heike

Dir gefallen meine kulturellen Ausflüge?
Wenn dir meine Gedanken und Texte gefallen, wenn du vielleicht etwas für dich mitnehmen konntest oder einfach Danke sagen möchtest, freue ich mich über einen kleinen Kaffee. Für mich ist das jedes Mal ein schönes Zeichen der Wertschätzung.
Zur virtuellen Kaffeetasse :-) (Si apre in una nuova finestra)