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Drei zur Monatsmitte

Am 15. eines jeden Monats gibt es hier immer drei besondere Buchempfehlungen von mir.

Jetzt im Dezember denke ich, wie viel wir uns für die Zeit des Jahreswechsels vornehmen. Selbst wenn wir ja oft weniger Erwerbsarbeit machen müssen, ist der Druck auf allem, womit wir uns ansonsten beschäftigen sollen oder wollen gerade in dieser Phase oft recht hoch. Auch ich habe oft die Tendenz, mir dann wie für die Sommerferien Wälzer oder Klassiker vorzunehmen.

Vielleicht tut es aber gerade gut, sich zwischen den Feiertagen den kleinen Formen zu widmen, Kürzeres zu lesen und vielleicht ganz neue Stimmen zu entdecken? Manchmal öffnet genau diese Art von Lektüre alles in mir am besten.

Hier kommen Drei zur Monatsmitte, in denen ganz viel drinsteckt, die aber gut zugänglich, interessant und jahresendklug sind. Sie sind spannend, um sie auf Familienfesten zu lesen und zu diskutieren, sie sind perfekt, wenn man sich eine Weile zurückziehen will, sie sind für alle, sie sind für euch, deshalb lasse ich diesen Artikel mal vor der Paywall.

Bevor im Februar die 6. Ausgabe von DELFI erscheint, habt ihr jetzt noch alle Zeit, um ausgiebig das aktuelle Heft dieses grandiosen Magazins für neue Literatur zu lesen. Neben der sehr viel älteren Neuen Rundschau, liebe ich diese von Fatma Aydemir, Enrico Ippolito, Miryam Schellbach und Hengameh Yaghoobifarah herausgegebe noch junge Literaturzeitschrift wohl am meisten. Für Heft 5 haben unter anderem Durs Grünbein, Olga Gjrasnowa, Jackie Thomae, Ann Cotten, Asal Dardan, Jovana Reisinger und Adam Shatz geschrieben.

Matthias Jügler hat eine Anthologie herausgegeben, die ihr euch vermutlich einfach selbst schenken wollt. Wir dachten, wir könnten fliegen erzählen, so der Untertitel, 19 Geschichten über den Verlust der Arten und die Kraft der Literatur. Die Liste der versammelten Autor:innen ist beeindruckend: T.C. Boyle, John Burnside, Alex Capus, Daniela Dröscher, Elena Fischer, Charlotte Gneuß, Kim de l’Horizon, John Ironmonger, Helen Macdonald, Katerina Poladjan und Henning Fritsch, Melanie Raabe, Julia Schoch, Katrin Schumacher, Clemens J. Setz, Antje Rávik Strubel, Jackie Thomae, Iida Turpeinen, Caroline Wahl, Iris Wolff. Vor allem aber, liebe ich das überraschend großformatige Buch wegen der Illustrationen von Barbara Dziadosz, aber es ist auch eine hervorragende Einladung sich in literarische Stimmen (und das Leben) zu verlieben.

Über Helga Schubert und darüber, was sie in den letzten Jahren für mein Lesen bedeutet, werde ich an anderer Stelle noch einmal ausführlich sprechen. Es sind auch nicht die ersten Erzählungen, die da gerade von ihr erschienen sind, aber Luft zum Leben ist in meinen Augen ein hervorragendes Buch, wenn ihr in ihr Werk eintauchen wollt. Wenn ihr, so wie ich bereits so begeistert von ihrem Schreiben seid, habt ihr es ohnehin längst ausgelesen, was für ein Geschenk, dieses Buch an uns alle! Es versammelt Texte aus 65 Jahren, als der hier älteste entstand, war sie zwanzig. Im Vorwort beginnt Helga Schubert mit: »Bin schon so alt: 85, kann froh sein, mogens überhaupt wieder aufzuwachen. Bin wirklich ein altes Schreibtier, hab so viel liegen lassen, vernachlässigt, so viele Kompromisse mit Menschen geschlossen, nur um den Raum und die Zeit und den Rückzug nach innen erlaubt zu bekommen.« Und sie endet es mit: »Diese 65 Jahre dazwischen sind nur ein Tag gewesen.« Diese Geschichten vom Übergang sind gerade meine Nahrung.

Argomento Anker

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