Hallo und herzlich Willkommen zur achten Ausgabe „Mediapreneur“.
Hier schreiben David Reiter und Sören Mannschitz jede Woche abwechselnd für Medienschaffende, die unabhängig publizieren.
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(Si apre in una nuova finestra)Da sollte mal einer draufschauen
Als jemand, der jeden Tag im Homeoffice arbeitet, weiß ich den Austausch mit Sören am „Mediapreneur“ sehr zu schätzen. Manchmal schmieden wir eine Stunde Pläne, manchmal arbeiten wir parallel an Aufgaben– ab und zu verquatschen wir uns.
Eine Sache hat sich nach zwei Monaten längst etabliert: dass wir unsere Newsletter gegenseitig abnehmen. Ein Vier-Augen-Prinzip habe ich auch immer schon bei Shelfd innerhalb der Redaktion gepflegt.
Aber ein Team, das sich gegenseitig abnimmt, ist noch keine Community, die mitentscheidet.
Shelfd habe ich zehn Jahre lang aus meinem Kopf heraus weiterentwickelt. „Mediapreneur“ gestalten wir von Anfang an als offenen Kommunikationsraum, bitten um Feedback und rufen zum Austausch auf.
Bei Shelfd hatte ich mir nach einer großen Mitglieder-Umfrage Ende letzten Jahres (ich berichtete (Si apre in una nuova finestra)) geschworen, dass das, was auch immer darauf folgt, im engeren Austausch mit unserer Audience stattfinden soll.
Aktuell komme ich genau aus dieser Phase, von der ich dir gerne berichten möchte.
Inhaltlich schwenken wir unseren Fokus von der Frage „Was kann ich schauen?“ hin zu „Wie will ich eigentlich streamen?“ (Si apre in una nuova finestra) Das macht neue Reflexionsräume auf, aber es will auch erstmal mit Leben gefüllt werden, dass man sich darunter etwas vorstellen kann.
Und so habe ich das neue Magazin-Konzept wieder zuerst allein entwickelt, dann mit meiner Redaktion. Zwei Monate lang, in einer Schleife aus Entwürfen und Überarbeitungen. Um dann im Februar 2026 loszulassen und unsere bezahlenden Mitglieder um ehrliche Einschätzungen zu bitten.
Vier Wochen und vier Ausgaben haben wir dieser Findungsphase gewidmet. Von 270 Menschen haben etwa 30 aktiv mitgemacht.
Und je länger ich jetzt darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Ich hätte früher loslassen können. Again. Aber dazu später mehr.
Gleich in der ersten Woche kam eine Nachricht, die ich so nicht erwartet hatte.
Ein Mitglied schrieb mir – ohne Floskel, direkt ins Eingemachte: Zum Layout im Browser, zur Lesbarkeit, zu einem Inhalt aus den 90ern, den er damals schon nicht kapiert hatte. Und dann: „Also erster Eindruck? Mir gefällt es!“
Was daran für mich so resoniert, war nicht das Lob. Es war, wie er schrieb. Als würde er mit jemandem reden, dem sein Urteil tatsächlich etwas bedeutet (das tut es). Als sei er eingeladen worden – nicht als Testperson, sondern als jemand, dessen Meinung in das Ding einfließt, das er selbst bald liest (das tut sie).
Übrigens: Morgen Abend (Donnerstag, 20:15 Uhr) sprechen wir über die Langlebigkeit unserer Media-Formate. Zu Gast ist der Ausdauersportler Marco Sommer, der bereits seit 13 Jahren podcastet. (Korrelation oder Kausalität?)
Es gibt im Podcasting die Statistik, dass nur 10% aller Neustarts überhaupt drei Episoden veröffentlichen. 1% kommt auf 20 Folgen. Wir sprechen darüber, was es braucht, um Jahr für Jahr (!) dranzubleiben.
Bring deine Fragen mit, teile eigene Tipps oder verbring einfach eine gute Stunde mit kreativen Mediapreneuren.
Schalte dich über diesen Link mit dazu (Si apre in una nuova finestra).
Orientierung kommt von innen
Wenn man jeden Tag allein an seinen Projekten arbeitet, wird vieles zur Gewohnheit. Bestimmte Wege, bestimmte Denkschleifen, bestimmte Muster. Und aus diesen Mustern auszubrechen, während man noch mittendrin steckt – das ist schwerer als es klingt.
So war es auch mit dem Magazin-Konzept. Die Idee hatte ich, aber als ich früh auf meine Redaktion zugegangen bin, wussten sie zuerst nicht, was mir genau vorschwebt. Kein Vorwurf – ich konnte es selbst kaum beschreiben.
Was geholfen hat: Ich habe alle unsere zehn Newsletter genommen und sie gedanklich in Segmente eines einzigen Newsletters übertragen. Was dabei herauskam, war ein fokussiertes Konzept – vier Segmente, die immer dabei sind, und eines, das überrascht. Erst als ich das als Demo-Artikel umgesetzt hatte, hatte meine Redaktion plötzlich etwas Konkretes zum Diskutieren. Über Lesefluss, redaktionelle Abläufe, welchen Fokus eine Ausgabe braucht.
Vom Abstrakten ins Konkrete – das hat alles geändert. Und das ist auch der Moment, von dem aus wir die Mitglieder relativ schnell einladen konnten.
Aber bis ich dort war, musste ich erstmal eine Handvoll ehrlicher Fragen für mich beantworten:
Wie kann ich an diesem Projekt weiterhin Spaß haben?
Was reizt mich daran?
Wie würde ich Shelfd 2026 neu erfinden, wenn es uns noch nicht gäbe?
Das klingt erstmal egoistisch. Ich glaube, es ist notwendig, bei seiner eigenen Motivation anzufangen. Ein Projekt, das du nur noch für andere machst, hört irgendwann auf, gut zu sein.
„Fertig“? Ist eher eine Horizont-Geschichte
Ich erlebe das bei Creator:innen immer wieder: Der Moment des Zeigens wird hinausgezögert. Noch eine Runde überarbeiten. Der Recherche nur noch eine Perspektive hinzufügen! Noch einmal die Pointe schärfen. Wenn es dann endlich fertig ist, wird es so richtig gut sein.
Aber fertig kommt nicht. Fertig ist eher eine Horizont-Geschichte – du läufst drauf zu, er rückt weg.
Ich habe vor zwei Wochen über meine To-Do-Liste geschrieben, die auch nie leerer wird. (Si apre in una nuova finestra) Mit dem Warten verhält es sich ganz ähnlich.
Wenn du lange genug wartest, bis du dich ganz sicher fühlst mit deiner Sache, hast du die Möglichkeit verspielt, wirklich etwas zu lernen. Dann sind die Entscheidungen so verfestigt, dass Feedback nur noch Bestätigung sein kann oder Frustration – aber kein echtes Gespräch mehr.
Unser Beta-Reading dagegen ist ein echtes Gespräch. Weil wir es früh genug geführt haben.
Was das Beta-Reading von einer normalen Umfrage unterschieden hat, war eine Kleinigkeit: Ich habe einfach gefragt „Was denkst du?" – und den Rest offengelassen.
¶ Hier ist etwas, das noch entsteht. Ich möchte wissen, wie es auf dich wirkt.
In der Community haben wir noch ergänzt: Bitte seid nicht diplomatisch, sondern konkret.
Wenn du das nächste Mal jemandem etwas Unfertiges zeigst, probier das. Lass die Frage offen. Du wirst merken, dass die besten Antworten ungleich viel mehr weiterhelfen – weil Menschen aufhören, nach „der richtigen Antwort“ zu suchen, und anfangen, ehrlich zu reagieren.
Die Einladung darf früher kommen
Die meisten von uns bauen ständig an irgendwas rum – für und mit unserer Audience – ohne immer zu wissen, in welchem Modus wir gerade sind.
Manchmal brauchst du den Alleingang, um eine Richtung zu finden, die wirklich aus dir kommt. Die den Dingen ihre Bedeutung gibt.
Manchmal ist der richtige Moment für die Einladung genau dann, wenn du bereit bist zu hören, was du selbst nicht mehr siehst.
Was ich dabei gelernt habe: Ich habe meine Audience zum ersten Mal in zehn Jahren nicht vor ein fertiges Ergebnis gestellt – sondern in einen laufenden Prozess eingeladen. Das war neu für mich. Und es hat sich richtig angefühlt.
Aber früh? Ehrlich gesagt: nächstes Mal darf es noch früher sein. Zwei Monate allein und mit der Redaktion, bevor die ersten Mitglieder draufgeschaut haben – das waren immer noch viele Schleifen, bevor jemand von außen seinen Senf dazu abgeben konnte.
Ich erzähle dir das, weil ich glaube, dass viele von uns genau da stecken: Wir laden ein, ja. Aber eben dann, wenn wir uns schon ziemlich sicher fühlen. Und genau dieser Moment – kurz bevor du dich sicher fühlst – wäre eigentlich der richtige.
In der Startup-Welt heißt es so schön: Wenn dir deine erste Version nicht unangenehm ist, hast du zu spät gelauncht. Ich bin dafür, dass wir das in der Media-Welt ähnlich handhaben.
Okay, ich weiß, dass viele unter euch Perfektionist:innen sind. Aber Perfektion und frühe Einladung schließen sich nicht aus. Du kannst hohe Ansprüche an deine Arbeit haben und trotzdem jemanden reinlassen, bevor alles sitzt.
Das eine schützt deine Standards. Das andere schützt dich davor, am Ende allein im Raum zu stehen mit etwas, das du monatelang für andere optimiert hast – ohne je gefragt zu haben, ob du auf dem richtigen Weg bist.
Ab Freitag ist das neue Shelfd Magazin für alle live (Si apre in una nuova finestra) – falls dich interessiert, was aus diesen Monaten geworden ist.
Drei Fragen zur Selbstreflexion
Bevor du diese Mail schließt:
„Noch nicht fertig“ ist fast immer Selbstschutz. Was steckt dahinter, dass du das Ding, an dem du gerade sitzt, noch niemandem gezeigt hast?
Wessen Meinung ist dir wirklich wichtig und warum?
Baust du gerade MIT deiner Community – oder nur für sie?
Schreib mir zurück – ich freue mich zu lesen, welches Beta-Etikett du gerade mit dir trägst und welche Rolle deine Audience im Veröffentlichungsprozess einnimmt.
Aus den Antworten auf unsere Ausgaben entstehen die besten Gedanken, die direkt in neue Themen fließen.
Frische Grüße
sendet dir
David
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