Ruiniert social media subtil mein Leben? +++ Was Sucht von normal-ungesundem Verhalten unterscheidet +++ Content vs. Kunst +++ How to Do Nothing
Vor einiger Zeit habe ich mich bei Tom darüber beschwert, dass er in seinem Podcast nie über mich redet (völlig normales Gespräch, wenn du eine narzisstische Autorinnenfreundin hast), woraufhin er in der nächsten Folge sofort über mich redete. Er erzählte die Geschichte, wie er mich kennengelernt hatte. Er habe nachts wach gelegen, erzählte er, und durch sein Telefon gescrollt, und dann habe er einen Text von mir im Tagesspiegel gefunden, und fand den Text super und dann habe er mich auf instagram gestalked und sich gedacht: So eine wäre was für mich. (Als wir dann auf den Apps matchten, entfolgte er mir sofort auf instagram, damit ich nicht denke, er sei ein durchgeknallter Stalker.)
Ich war natĂĽrlich total begeistert. Das ist ein mega Titel fĂĽr irgendwas, dachte ich.
Mein Freund kannte meine Personal Brand, bevor er mich kannte.
Ich fragte ihn darĂĽber aus, welche Texte er gelesen, welche Bilder er angeschaut hatte. Ich scrollte way back, folgte meinen eigenen digitalen FuĂźabdrĂĽcken bis ins Lichtjahre entfernte 2019, ich wollte sehen, was er gesehen hatte. Bahnbrechende Banalitäten der frĂĽhen NĂĽchternheit. Lippenstiftselfies. Liebeskummer Essays.Â
Dieser kleine Ausflug in meinen eigenen Feed machte mir klar: Es gab tatsächlich mal eine Gute Alte Zeit auf instagram. Ich hatte da mal SpaĂź. Ich habe mal zum SpaĂź experimentelle Mini-Essays geschrieben und mir die experimentellen Mini-Essays von Leuten angeguckt, die ich mochte. Ich habe interessante StraĂźenecken fotografiert. Hab mir Kunst angeguckt. Wollte nichts damit. Instagram war der Ort, wo alle nett zueinander waren. Hate gabs nur auf Facebook.Â
Daran zu denken, wie es früher war, erinnert mich daran, wie stressig es jetzt ist. Es ist schon klar, und alle wissen, dass social media uns alle süchtig und depressiv macht. Duh. Aber erst in letzter Zeit ist mir gedämmert, welche subtilen Langzeitfolgen die Scrollerei noch hat. Was es zum Beispiel mit den Sachbüchern macht.