
Meine Zeit in den Startups der 2010er +++ Das Ende der Illusionen über den Kapitalismus +++ Meine sozialistische Radikalisierung +++ Empfehlungen: meine 5 besten Bücher über Arbeit
Ich habe mal für ein Startup gearbeitet, das »smarte« Leuchten herstellte. Die Gründer waren, wie nahezu alle Gründer, zwei weiße Männer der oberen Mittelschicht, mit technischen Hintergründen in Informatik und Maschinenbau. Die Leuchte war 3D-gedruckt in China und sah genauso aus, wie Produkte eben aussehen, wenn sie von Leuten entworfen werden, die sich keinen Deut für Gestaltung interessieren. (Mir kommt gelegentlich ein Ex-Lover in den Sinn, der mal sagte, Interior Design sei was für Frauen und schwule Männer.) Aber die Leuchte konnte in allen Farben leuchten und man konnte sie mit einer App bedienen. Sachen mit einer App bedienen, die man früher problemlos ohne App bedienen konnte, war 2015 der heißeste Scheiß überhaupt.
Als freie Designerin war ich eine Weile die einzige Frau im Team. Ich gestaltete Kataloge, Merch, Shopdesign, Interfaces. Jutebeutel mit dem Logo des Unternehmens und dem Slogan: The future is bright. Irgendwann sprach sich herum, dass man mit »Diversität« punkten konnte, und es kam noch eine andere Frau dazu, die stetig lächelte und die beim Vorstellungsgespräch, als sie nach ihrem Wunschgehalt gefragt wurde, eine Zahl sagte, und dann hinzufügte: »Ich würde es aber auch für weniger machen«, was mir einer der Gründer lachend erzählte.