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Sex and the City vs. And just like that

Mein Hass auf das Spinoff lässt mich Sex and the City umso mehr lieben

Ich gucke das Sex and the City Spinoff And Just Like That. Nicht, weil ich es irgendwie gut fände, sondern weil ich keine andere Wahl habe. Als Person mit ängstlichem Bindungsstil bin ich loyal bis in den Untergang, und weil das Nuller Jahre SATC sowas wie der Soundtrack meiner Adoleszenz war (und immer noch einer meiner liebsten Comfort Binges), muss ich also auch das unglückselige AJLT angucken und kann nicht weggucken, wie bei einem schlimmen Autounfall. 

AJLT ist grässlich. Ich könnte eine zehn-Punkte Liste schreiben mit Gründen, aus denen AJLT grässlich ist. Beispielsweise wimmelt AJLT vor neuen Nebenfiguren, mit denen wir keine emotionale Bindung whatsoever haben, und bei denen es uns entweder egal ist, wenn sie sang- und klanglos wieder verschwinden (Nya) oder bei denen wir froh sind, wenn sie mit viel Tamtam aus dem Skript rausgebuht werden (Che). Wir akzeptieren diese Leute, weil wir verstehen, dass es neue Protagonistinnen braucht, die nicht ausnahmslos Weiß und cis gendered sind. Was ich aber nicht verstehe: Warum jedes einzelne der gottverdammten Kinder einen eigenen Handlungsstrang braucht.  

Oder Carries schockierende Stümperhaftigkeit als Autorin. Die noch desorientierender ist als die Tatsache, dass sie sich auf eine Beziehung mit ihrem Ex einlässt, die er fünf Jahre pausiert, weil er emotional nicht in der Lage ist, ein Kind und eine Freundin gleichzeitig zu haben, dafür aber nachts anruft, damit sie zuhört, wie er sich in seinem Pickup Truck einen runterholt. 

Termine

Lesungen Rausch und Klarheit

11/08 — Bad Aibling | Buchladen momo & frieda | 19:00
21/08 — Zwickau | Alois Fußballkneipe | 19:00
25/09 — Alsdorf | Stadtbücherei | 19:30
13/11 — Lübeck | Aktionstag Suchtberatung | Hansemuseum

Dass Carrie keine Jonathan Franzen ist, wussten wir schon lange. Wie ihre Outfits oszillieren die Buchtitel der vergangenen Jahre zwischen geschmacklos und genial—MEN-HATTEN!!!—aber nichts hat uns auf das Ausmaß der Grauenhaftigkeit ihrer Prosa vorbereitet. In der neuen Staffel bekommen wir einen Vorgeschmack auf den historischen Roman, an dem sie arbeitet, weil sie offenbar endgültig ins Universum der gelangweilten Finanzhai-Witwen abgedriftet ist:

»Die Frau riss die Fenster auf, um die Stadt hereinzulassen. Sie konnte die Pferde mit ihren Kutschen kommen und gehen hören, jede einzelne brachte eine neue, aufregende Möglichkeit mit sich. Die unerwartet kühle Brise an diesem heißen Nachmittag erinnerte sie daran, dass kein Tag dem vorherigen gleichen muss. Es gibt unendlich viele Abenteuer zu erleben, wenn sie nur den Mut aufbrächte, sich ihnen zu öffnen. Sie setzte einen Fuß vor den anderen, verließ den eingetretenen Weg und schwor sich, zu gehen, wohin auch immer der Tag sie führen würde.«

Für eine Weile, vielleicht bis zu Version 6 von ChatGPT, werden rund 80 Prozent aller Genreromane so klingen, weil sie von einer schwafeligen KI geschrieben werden, die noch nicht verstanden hat, was eine Phrase ist. Carrie investiert aber tatsächlich menschliche Lebenszeit in dieses Gelaber. Das tut weh. Aber das ist nicht das Hauptproblem.

Das Hauptproblem: Alle in dieser Serie sind einfach nur reich und das ist unsagbar öde.

Während SATC noch intelligente Kommentare zur Klassenfrage machte (zum Beispiel in der Beziehung zwischen Working Class Steve und Anwältin Miranda), haben die Figuren in AJLT nur noch die enervierenden Pseudoprobleme wohlstandsverwöhnter Oberschichtlerinnen. Charlottes Hund wird gemobbt. Miranda entjungfert eine Nonne. Seema trägt bei Dates Pastellfarben.  

Der Tipping Point für mich persönlich war in der vorletzten Folge erreicht, als Carrie konsequent von Morgens bis Abends auf Killer Heels in ihrem von Big geerbten acht-Millionen-Dollar-Apartment rumpoltert, und als der Nachbar unter ihr, der deswegen seit Tagen nicht mehr geschlafen hat, mal hochkommt, und sie bittet, einfach die gottverdammten Schuhe auszuziehen, hat sie ernsthaft die Nerven, beim Brunch mit ihren Freundinnen endlos darüber zu bitchen, wie ein totales Arschloch. Da habe ich wirklich das erste Mal angefangen, sie richtig zu hassen. 

Damit das Cringe nicht ganz so weh tut, gucke ich mit Tom nochmal das Original.

So kann ich ihm Einblicke in meine popkulturelle Herkunft geben und er kann auf der Arbeit SATC Referenzen fallen lassen, was ihn in den Augen seiner weiblichen Kolleginnen zu einem nobelpreiswürdigen Feministen macht, so unendlich niedrig hängt die Latte für hetero Männer nämlich. 

Argomento Lifestyle

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