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BUTTERWEGGE

Das Beste kommt noch

Bandmitglieder von BUTTERWEGGE
Foto: Alex Schroer

Ox-Interview von Joachim Hiller

Seit drei, vier Jahren hat sich im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Duisburg, eine Band vom Geheimtipp zum Hallenfüller entwickelt, die viele noch nicht auf dem Schirm haben. Die Rede ist von BUTTERWEGGE, die so heißen, weil ihr Frontmann eben Carsten Butterwegge heißt. Sie schlüpfen in die Lücke zwischen BROILERS, SONDASCHULE und FEINE SAHNE FISCHFILET, machen keinen Hehl daraus, auf welcher Seite ihr Herz schlägt, und legen es darauf an, dass ihr neues Album „Liebe & Revolte“ sie bald auf weitaus größere Bühnen katapultiert als bislang. Wo aber kommt diese Band „plötzlich“ her? Wieso habe ich sie erst in den letzten beiden Jahren so richtig wahrgenommen? Was hat das Ganze mit einem Duisburger Punk-Kneipenwirt zu tun und einem lebensverändernden medizinischen Notfall? „Der Butterwegge“ – unter diesem Namen tritt Carsten solo auf – kam zum Jahreswechsel ins Ox-HQ, um all diese Fragen zu beantworten.

Carsten, es wurde im Vorfeld dieses Interviews von Leuten spekuliert, dass „Butterwegge“ ein Künstlername sei und eine Bezugnahme auf den Soziologen Christoph Butterwegge.

Wir haben uns nicht nach dem Soziologen benannt. Ich habe den auch noch nie getroffen, obwohl ich sehr oft auf ihn angesprochen werde. Ich hoffe, der wird mittlerweile auch mal auf mich angesprochen. Wir haben uns so genannt, weil uns damals einfach nichts Besseres eingefallen ist, als meinen Nachnamen zu nehmen. Witzig ist, dass mich die Leute immer fragen, wie kommt man auf so einen bescheuerten Bandnamen. Das ist aber mein Name. Für mich ist das gut, da brauche ich mich nicht umzustellen und es gibt niemals Stress über Namensrechte.

Es ist einer der eher ungewöhnlichen deutschen Nachnamen, weißt du, wo der herkommt?

Das ist wohl was Flämisches. Das heißt nichts anderes als Brötchen. Deswegen habe ich auch damals gedacht, lass uns einfach einfach BRÖTCHEN nennen, aber da fand ich BUTTERWEGE dann doch witziger.

Du lebst vegan und hast dieses tierische Streichfett im Namen ...

Veganerwitze höre ich mir immer sehr gerne an. Vor allem diesen: „Wie erfährst du, dass jemand Veganer ist? Er wird es dir gleich erzählen.“ Und ich sage immer: „Wie erfährst du, dass jemand Fleischesser ist? Er wird dir diesen scheiß Witz erzählen.“ Ich bin vegan, aber ich versuche, Leuten damit nicht auf den Sack zu gehen.

Du zeigst es nur deutlich, mit einer prägnanten Tätowierung.

Ich zeige es deutlich, ja, und ich habe auch einen Song gemacht, „Wat ist mit vegan?“ Als ich angefangen habe, vegan zu leben, war ich genauso missionarisch unterwegs, vegetarisch lebe ich schon seit Ende der 1990er, vegan seit zehn Jahren oder so. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich ab und an einen vegetarischen Ausflug mache, seit mein Sohn auf der Welt ist, der ist jetzt sieben und vegetarisch. Da esse ich schon mal was mit, bevor wir was wegschmeißen. Zu Beginn war ich also auch so ein Missionar wie alle, die eine neue Wahrheit gefunden haben, ob das eine Religion ist oder was auch immer. Ich habe da sehr hart missioniert und bin Leuten damit massiv auf den Sack gegangen, weil ich davon überzeugt bin, dass das das Richtige ist. Ich habe dann aber diesem Missionieren abgeschworen, weil ich gemerkt habe, dass das nur das Gegenteil auslöst. Und versuche das jetzt ab und zu subtil in Songtexte einzubauen, so wie in „Wat ist mit vegan?“, das dazu anregen will, mal darüber nachzudenken und nicht mit dem erhobenen Finger ankommt. Weil ich das von mir selber kenne, wenn mir jemand mit erhobenem Zeigefinger kommt, höre ich dem gar nicht erst zu. Vegan ist immer noch ein sehr wichtiges Thema in meinem Leben, aber auch so Normalität geworden, dass ich das gar nicht immer erzählen muss. Und wenn ich mit Leuten im Restaurant bin und ich frage nach, ob die das vielleicht auch in vegan haben, dann mache ich das ja nicht, um darauf hinzuweisen, dass ich Veganer bin, sondern nur, weil ich was Veganes essen möchte. Wenn dann jemand kommt und sagt „Du isst gar kein Fleisch?“, dann sage ich einfach nur „Nee.“ Und wenn ich gefragt werde wieso, dann sage ich schon, dass ich Massentierhaltung und das Schlachten von Tieren einfach falsch finde. Und dann wird mir hinterher vorgeworfen, ich hätte denen das Essen versaut. Dabei habe ich einfach nur reagiert auf die Fragen, die da gestellt wurden. Aber das wird mit der Zeit entspannter, weil vegan sein nicht mehr so die Ausnahme ist. Ich nehme mich selber ab und zu auf die Schippe, wenn ich solo spiele, dann sage ich was wie: „Ich bin einer von den nervigen Veganern. Deswegen mache ich jetzt ein Lied zu Veganismus.“

Ihr habt als Band mit dir als Texter Lieder zu vielen Themen, für die man vom anderen politischen Spektrum her als „woke“ beschimpft wird, von Gender bis zu sozialen Themen.

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