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PUNK ROCK BOWLING

Shawn Stern über sein Festival, YOUTH BRIGADE und BYO Records

Ox-Interview von Joachim Hiller

2025 fand in Las Vegas, USA zum 25. Mal das Punk Rock Bowling-Festival statt. Es wurde einst gegründet von den Stern-Brüdern Shawn und Mark, Ikonen der kalifornischen Punkrock-Szene, die parallel zu ihrer Band YOUTH BRIGADE auch das bis weit in die 2000er hinein einflussreiche Label BYO Records betrieben. Wie das Rebellion Festival in Blackpool erfüllt das PRB die Funktion eines „Weltpunktreffens“, aus zig Ländern und allen Erdteilen reisen Punks (mit dem nötigen Kleingeld) an, beide sind wichtig als Gelegenheit für internationalen Austausch und Vernetzung. Doch im Herbst 2025 schockte Shawn mit einer Mitteilung die Punk-Community: 2026 wird es kein PRB geben. Und lieferte eine Begründung, die zusätzlich erschreckte: Die Politik unter Trump wurde als ein Faktor genannt, die unsichere Situation betreffend der Einreisebedingungen in die USA für Menschen aus aller Welt. Das wollten wir genauer wissen.

Shawn, wie läuft’s?

Das Leben ist interessant. Ich lebe in einer faschistischen Diktatur. Ich weiß nicht, ob du gehört hast, dass im März 2025 ein Gesetz verabschiedet wurde, das besagt, dass man eine Gebühr von 40 Dollar entrichten muss, wenn man jetzt als Tourist nach Amerika kommen möchte, selbst wenn man aus einem Land stammt, das am Visa Waiver Program teilnimmt. Du musst den US-Behörden obendrein Zugang zu deinen Social-Media-Accounts einräumen, ich glaube, bis zu fünf Jahre zurück, sowie alle genutzten Telefonnummern, Kontakte und E-Mail-Konten der letzten zehn Jahre angeben.

Genau das ist der Grund, weshalb ich als Journalist und jemand, der mit Beiträgen in sozialen Medien eindeutig die Antifa unterstützt hat, nicht in die Vereinigten Staaten reisen werde.

Ja. Und wer will das jetzt tun? Du kannst jetzt nicht nur bei der Einreise aufgehalten und befragt werden, sondern auch ohne ersichtlichen Grund und ohne ordentliches Verfahren für wer weiß wie lange inhaftiert werden. Das ist einigen Leuten schon vor Monaten passiert, und jetzt ist es gesetzlich verankert.

Damit sind wir schon bei einem der Gründe, weshalb dein Festival 2026 nicht stattfindet. Du hast, so lese ich das Statement vom Herbst 2025, einfach Angst, dass Leute aus Europa und anderen Teilen der Welt nicht sicher in die Vereinigten Staaten reisen können.

Ja, zu 100%. Das war schon 2025 ein Problem und wir haben gesehen, dass es sich bereits auf das Festival ausgewirkt hat. Es hat uns schon Schwierigkeiten gemacht, mehrere Bands haben abgesagt, weil sie Bedenken hatten, dass sie als ausländische Musiker keine Arbeitserlaubnis bekommen könnten. Sie zu beantragen ist teuer und es gibt keine Garantie, dass man sie am Ende auch bekommt. Und selbst dann gibt es keine Garantie, dass sie an der Grenze nicht anfangen, deine Daten zu überprüfen und dich zu kontrollieren. Und kleine bis mittelgroße Bands wollen dieses Verfahren auch nicht bezahlen. Die Gebühr stieg, glaube ich, von etwa 800 auf 1.000 Dollar pro Band, bevor Trump im Amt war, und dann hat er sie weiter erhöht. Inzwischen ist sie auf mehrere Tausend Dollar gestiegen. Außerdem ist es ein echt kompliziertes Verfahren. Also engagiert man am Ende jemanden, der das für einen erledigt, was an Extrakosten noch obendrauf kommt. Und man muss tatsächlich zur US-Botschaft gehen, alle Unterlagen vorlegen und sich überprüfen lassen. Das ist einfach total nervig. Wir hatten auch immer kleinere Bands zu Gast, die einfach als Touristen eingereist sind. Das macht jetzt keiner mehr, denn es war immer schon ein bisschen riskant. Und jetzt schauen die Grenzbeamten noch genauer hin, wenn man versucht, mit einer Gitarre voller bunter Aufkleber im Gepäck ins Land zu kommen. Das ist 2025 den UK SUBS passiert, als sie in die USA einreisen wollten, Charlie war der Einzige, der reingelassen wurde. Also musste er sich eine Band aus lokalen Musikern zusammenstellen und ihnen in ein oder zwei Tagen beibringen, wie man die Songs spielt. Alle anderen aus der Band wurden an der Grenze zurückgewiesen.

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