Liebe Leserinnen und Leser,
heute ist schon Tag Nummer 4 beim Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten. Meine kleine 24-Tage-Challenge soll ein wenig dabei unterstützen, die eigene Resilienz nicht aus dem Blick zu verlieren.
Du hast Dich nun bereits der Gegenwart gestellt, überlegt, was Dir trotzdem Hoffnung gibt und kleine Fortschritte gezählt. Heute geht es darum, gute Orte zu erleben!
Erlebe gute Orte
In unserem Umfeld existieren oft mehr gute Orte als uns bewusst ist. Orte, an denen wir tolle Menschen treffen oder die uns Hoffnung geben. Wo wir uns entspannen können oder gemeinsam die Welt ein bisschen besser machen.
In meinen Resilienz-Workshops bitte ich die Teilnehmenden öfter, solche Orte zu identifizieren. Oft entstehen dadurch wirklich schöne Gespräche über gemeinsame Erfahrungen und wie das Zusammenleben aussehen kann. Es geht also nicht nur um physische Orte, sondern um gelebte und geteilte Erfahrung.
Make eye contact and small talk. This is not just polite. It is part of being a citizen and a responsible member of society. It is also a way to stay in touch with your surroundings, break down social barriers, and understand whom you should and should not trust.
- Timothy Snyder - Über Tyrannei: Zwanzig Lektionen für den Widerstand
Unser nahes Umfeld können wir direkter gestalten als abstrakte Probleme. Demokratie ist auch dort, wo wir leben. Sie hat damit zu tun, wie wir Menschen in unserem Umfeld begegnen. Wie wir Räume gestalten, die auch direkt vor unserer Tür liegen. Veränderung beginnt im Kleinen.
Gute Orte sind leider nicht für alle Menschen gleich zugänglich. Laut dem Sozialverband VdK (Si apre in una nuova finestra) gelten beispielsweise nur ein Prozent aller Weihnachtsmärkte als barrierefrei. Damit werden Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen von Teilhabe ausgeschlossen. Gleichzeitig gibt es positive Entwicklungen: Auch auf Weihnachtsmärkten gibt es mittlerweile öfter sogenannte “Stille Stunde (Si apre in una nuova finestra)n”, die Menschen mit Reizsensibilität wie beispielsweise Autist*innen die Möglichkeit der Partizipation bieten.
🦖 Deine Übung für Heute
Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und schreibe auf:
🖊️ Schreibe drei Orte auf, die dir guttun.
Überlege Dir, wo in deiner direkten Umgebung gute Orte existieren. Orte, die dir ein Gefühl von Sicherheit oder Wärme geben, an denen Du Du selbst sein kannst. Sprich vielleicht auch mit anderen, was ihnen so einfällt.
Berichte mir gerne, welche Orte in deinem Umfeld für dich gute Orte sind.
Weiterführende Informationen
Wusstest Du übrigens, dass wir oft zu negativ über unser Umfeld denken? In einer Studie (Si apre in una nuova finestra) wurden Geldbörsen scheinbar zufällig an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt verloren und dann geschaut, wie viele der verlorenen Gegenstände wieder zurückgeschickt wurden. Die tatsächliche Rückgabequote von Geldbörsen war etwa doppelt so hoch wie Menschen, die dazu befragt wurden, gedacht hatten. Wenn wir aber positiver auf andere Menschen schauen, sind wir generell auch glücklicher.
Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,
Deine
Pia Lamberty
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?
Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.
Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.
Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?
Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.
Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch.
Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.
Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.
Was ist Resilienz?
In der Psychologie beschreibt Resilienz die Fähigkeit von Menschen, sich von mentalen oder physischen Belastungen, Stress und Schwierigkeiten zu erholen, die psychische Gesundheit zu erhalten und aus den Herausforderungen gestärkt hervorzugehen.
Falls Du mich noch nicht kennst:
Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Si apre in una nuova finestra) vorbei schauen.
Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Si apre in una nuova finestra)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.
Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Si apre in una nuova finestra)weiterbilden lassen.