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Ekstatische Begleitung

Gordon Slater, arr. Paul Halley: Jesu, the very thought of Thee (1929/1994)

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Abstraktes, geometrisches Gemälde: Ein großer goldener Kreis (wie eine Sonne) dominiert den oberen Bildteil, umgeben von einem Ring aus strahlenförmigen Mustern in Grün und anderen Farben. Von unten führt eine pyramidenartige Form auf den Kreis zu, unterteilt in farbige Felder von Rot über Gelb bis Blau. In der Mitte der Pyramide verläuft eine Reihe runder, goldener Formen. Dunkler Hintergrund verstärkt den leuchtenden, symbolischen Eindruck. (Si apre in una nuova finestra)
Hilma af Klint: Altarbild Nr. 1, Gruppe X (1915), via Wikimedia Commons

Der englische Organist Gordon Slater schrieb 1929 das Kirchenlied “St. Botolph” auf den Text eines Gedichts des 12. Jahrhunderts. Die Melodie ist einfach und für die Gemeinde leicht mitzusingen:

https://www.youtube.com/watch?v=w-VEkdLihdk (Si apre in una nuova finestra)

Der Text, der dem Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wird, ist allerdings deutlich besser als dieser keusche Hymnus. Ursprünglich lateinisch, lautet die erste Strophe in der englischen Übersetzung von Edward Caswall (1849):

Jesus, the very thought of Thee
With sweetness fills the breast
But sweeter far Thy face to see
And in Thy presence rest

Es geht hier um eine persönliche, fast intime spirituelle Erfahrung des Gläubigen. Und womöglich hatte auch der Organist und Chorleiter Paul Halley diesen Eindruck, als er 1994 sein Arrangement des Slater-Hymnus schrieb – für mehrstimmigen Chor und Orgel.

Halley wurde 1952 in England geboren, ging aber früh in die USA und dann nach Kanada. Was er aus diesem Kirchenlied gemacht hat, hat eine ganz andere Qualität. Nicht nur arbeitet er mit Dissonanzen und sehr aparten (wenn auch völlig tonalen) Harmonien. Auch die Orgel begleitet mit einem ungewöhnlichen, fast hypnotisierenden Ostinato (einer sich dauernd wiederholenden Figur) den Chor und führt ihn geradezu in spirituelle Ekstase. Die Melodie ist geblieben, aber so ein Kirchenlied habt ihr noch nicht gehört:

https://www.youtube.com/watch?v=4CElOAmaNwQ&list=RD4CElOAmaNwQ&start_radio=1 (Si apre in una nuova finestra)

Der Live-Mitschnitt aus der First-Plymouth Church in Lincoln (Nebraska) ist für meinen Geschmack etwas zu langsam. Eine etwas flottere Aufnahme findet ihr bei Spotify (Si apre in una nuova finestra), Qobuz (Si apre in una nuova finestra), Apple Music und anderen Diensten (Si apre in una nuova finestra).

Schöne Grüße!
Gabriel

P.S.: Wenn ihr jetzt Lust auf mehr geistliche Musik des 20. Jahrhunderts bekommen habt, hört doch mal in das Ende von Francis Poulencs „Stabat Mater“ von 1951 rein, einem Lieblingsstück von mir, das natürlich einen eigenen Schleichweg wert wäre:

https://www.youtube.com/watch?v=m7WZCicBr1Q&list=RDm7WZCicBr1Q&index=1&t=1648s (Si apre in una nuova finestra)

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Argomento Neoklassik & Crossover

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