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Das ist eine Festtags- Ansprache, mit sanfter aber bestimmter Stimme vorgetragen.

Aber erst mal Eigenwerbung, ich bin ja auch nur ein Mensch. Kind of..

da (Si apre in una nuova finestra)

... (Si apre in una nuova finestra)

und jetzt, die Ansprache

Gute Feiertage, liebe Menschen,

schön, dass sie überlebt haben,

und sich von ihren Endgeräten losreissen konnten.

In den vergangenen fast drei Jahren haben sich viele Menschen neue Gewohnheiten angeeignet. Ablenkung zu Beispiel-

Der Überforderung geschuldet.

Der Vereinsamung,

dem Verschwinden von vielem, woran man glaubte,

der Kälte, der Seuche, der Ratlosigkeit.

 Wir hier haben vielleicht irgendwann daran geglaubt, dass Kultur unverzichtbar sei. Dass sie den Menschen über -den normalen Ausbeutungs- und Selbstausbeutungsprozess hinausgehend, ein Halt sein könnte.

Eine Ersatzreligion in marktliberalen Zeiten, in denen

PolitikerInnen lügen, und nachdem es auffliegt, nicht mal zurücktreten,

in denen Atomkraft wieder nachhaltig ist,

wir alle für die Wirtschaft frieren,

und Aufrüstung richtig gut finden

Viele haben früher gedacht, dass sie nicht ohne Theater und Lesungen sein könnten, und ohne Kino und Vorträge und Museen und nun haben wir verstanden:

Das läuft hervorragend.

Der dauernd überforderte Verstand scheint bei den meisten, mich eingeschlossen, neben der Arbeit und den Sorgen nur noch Brei bei sich behalten zu können. Statt enttäuscht im Kino zu sitzen- Streame ich.

Statt mich in 4 Stunden Theater zu langweilen- streame ich. Statt ein Buch zu lesen. Streame ich,

es ist so angenehm einfach, im Liegen auszuführen, im halben Koma, es strengt nicht an, oder anders, es werden Bilder, die nicht meine sind, einer Flut von Bildern hinzugefügt, die mir auch nicht gehören.

 Ich habe mir, wie viele, abgewöhnt mal eben ins Theater zu gehen, und lesen bedeutet mir inzwischen nur Sachbücher zu konsumieren, in die man Zettel kleben kann mit dem Gefühl endlich hätte man die schwarzen Löcher verstanden und Per-to per Netzwerke, was natürlich Quatsch ist

Sachbücher sind Instand Erkenntnis Pusher, von denen man parallel fünf liest, sie mit Harvard- Vorträgen mischt um eine Erregung ob der eigenen Klugheit zu spüren-also

über alles Bescheid wissen und zugleich über nichts.

Ich war in einen Dauersturm meiner Synapsen gefangen- das Netz, die Nachrichten, die Arte Berichte über das Elend des Untergangs, zum Runterkommen ein wenig Hirnfragmentierende Serien, unruhiger Schlaf, Tobsucht.

 

Ich musste auf Entzug oder- meine Aufmerksamkeit zurückerobern und ging durch eine harte Rehab Phase also: offline,

da erlebte ich die unendliche Langeweile des Seins.

Was sind wir, wenn nichts ist und so weiter.

Und irgendwann nahm ich, wie früher,

ein Buch. --Das eben nicht Sachbuch war oder Minikurzgeschichten oder Beipackzettel oder Wahlprogramme oder englische Untertitel bei maledivischen Serien war.

Ein ungewohntes Gefühl, auf den ersten Seiten, Text ohne Werbung, ohne Pixel, Seiten umblättern wie so eine Professorin in ihrer Bibliothek der treue Hund schon lange tot.

 Aber-Nach einem Tag hatte ich mich ans Lesen gewöhnt. Am dritten geriet ich in einen Rausch und am Ende der Woche hatte sich mein Gefühl zur Welt verändert. Sie war langsamer geworden, weniger beängstigend und bunter. Ich sah wieder Farben, nette Leute, kleine Hunde, und war keine jener Menschen mehr, die Ihrer Empörung durch Retweeten von dämlichen Mittteilungen Raum verschafften.

Das Lesen von Büchern, das ich vorher wegen mangelnder Zeit (muss mich informieren und Streamen, mich aufregen und natürlich auch mal schlafen)

unterlassen hatte,

zeigte eine paradoxe Wirkung: es schenkte mir Zeit. In dem ich ein vermeintlich etwas Langweiliges nicht auf pure Information oder Unterhaltung angelegtes Produkt konsumierte, wurden meine Gedanken schneller, und bekamen wieder eine Kontur. Statt tausender überfordernder Meinungsfragmente endlich wieder eine Idee, sie sich neben dem klaren Fluss einer Erzählung formen konnte.

Und nun lese ich wieder. Nicht kleine Tranchen im Netz, ich klicke mich nicht mehr durch tausend Seiten, um am Ende nichts zu wissen, sondern ich lese Bücher. Ich lege sie sehr schnell weg, wenn sie mich in den ersten Fünf Seiten nicht erreichen, das ist vom Serienverhalten geblieben. Ich will keine Familiengeschichten erfahren, keine Eitelkeiten lesen, keine Gedanken die dümmer sind als meine, vielleicht ist das im guten Fall die Wiedergeburt der Kultur, dass sie weniger für Expertinnen gemacht scheint, sondern sich um ihre KundInnen bemühen muss, um nicht in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten.

 

Also weniger Kunst um der Kunst willen.

Was animierte 3D Chagall Events bedeuten kann, oder aber auch, dass man wieder mehr an die Menschen, die lesen, schauen, betrachten, und lernen sollen, denken muss,und weniger an KritikerInnen. Die es auch kaum noch gibt.

Wir haben ein neues Zeitalter betreten, das noch keinen Namen hat. Vielleicht wird es den historisch auch nicht mehr geben, weil es keine Geschichte mehr geben wird, weil das menschliche Leben ausstirbt. Auf jeden Fall lohnt es sich, die verbleibende Zeit langsam zu genießen. Zu lesen, zu denken, und vielleicht absurde Momente der Hoffnung zu erleben, dass wir irgendwann auch wieder beginnen miteinander zu reden, selbst wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.  

Amen und tschüssi

 

 

 

Argomento Sehr unterhaltsame Texte

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