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Popkultur meets Patriarchat

„Boys’ Girl“ oder „Girls’ Girl“ – zwei Labels, die durch Social Media wandern und auf den ersten Blick wie flüchtige Trends wirken.
Doch hinter ihnen verbirgt sich eine viel tiefere Dynamik: nämlich die Frage, wie Frauen zueinander stehen – und wessen Anerkennung zählt.
Was wie ein Trend klingt, ist in Wahrheit ein Spiegel alter gesellschaftlicher Prägung.


„Boys’ girl“ oder „Girls’ girl“ – schon einmal in einem TikTok, einem Podcast oder unter einem Instagram-Post gelesen?

Die Begriffe gehören längst zum Wortschatz von Gen Z und Millennials. Sie stammen weniger aus der klassischen feministischen Theorie als aus Popkultur, Internetdiskursen und Dating-Debatten der letzten Jahrzehnte.

Und doch benennen sie etwas zutiefst in der Gesellschaft Verankertes: die Frage, für wen Frauen sich inszenieren – und mit wem sie sich verbünden.

Ein „Boys’ Girl“ ist keine feste Identität, sondern ein erlerntes Rollenmodell. Gemeint damit ist eine Frau, die männliche Anerkennung stark gewichtet und sich eher über Anerkennung von Männern definiert, als sich auf die Seite der anderen Frauen zu stellen.

Sie betont vielleicht, „mit Jungs besser klarzukommen“, grenzt sich von vermeintlich „typisch weiblichen“ Interessen ab und betrachtet andere Frauen eher als Konkurrenz denn als Community. Das kann subtil oder offen geschehen. Andere Frauen, die sich zum Beispiel als feministisch bezeichnen, werden dann auch von Frauen als “zu anstrengend” betitelt. Nicht aus der Reihe tanzen und Verhaltensweisen, die sich Frauen, die das Patriarchat mittragen, nicht gestatten (weil sie vielleicht dann auch nicht mehr die Gunst der Männer haben), werden abgelehnt.

Dahinter steckt selten bewusste Geringschätzung, sondern oft eine (unterbewusste oder bewusste) Strategie: In einer Welt, in der männliche Aufmerksamkeit historisch Macht, Schutz oder Status verspricht, kann Distanz zu anderen Frauen als ein Vorteil wirken.

Popkulturelle Figuren – vom „Cool Girl“ bis zur „Not like other girls“-Heldin – haben dieses Narrativ lange attraktiv erscheinen lassen.

*Wenn du wissen möchtest, woher die Prägung bei uns Frauen stammt, dann schau auch in meinen Feature Beitrag “Schwesternwunde”


Demgegenüber steht das „Girls’ Girl“. Sie versteht weibliche Gemeinschaft nicht als Bedrohung, sondern als Ressource.
Sie unterstützt andere Frauen sichtbar, wertet weiblich konnotierte Interessen nicht ab und denkt weniger in Rivalität als in Solidarität.

Das ist keine naive Schwesternromantik, sondern ein bewusster Perspektivwechsel: weg von Konkurrenzlogik, hin zu kollektiver Stärke.

Diese Begriffe sind deshalb so wirkungsvoll, weil sie für Frauen zwei Wege markieren, im patriarchal geprägten System zu navigieren: Anpassung oder Allianz.

Zwischen internalisierter Abwertung und solidarischem Empowerment entsteht ein Spannungsfeld, das Freundschaften, Selbstbilder und Karrieren prägt.

Wer sich als „Girls’ Girl“ versteht, entscheidet sich nicht gegen Männer – sondern gegen die Idee, dass Frauen gegeneinander ausgespielt werden müssen.

Und genau darin liegt die gesellschaftliche Relevanz dieser auf den ersten Blick scheinbar leichten Popkultur-Worte.


Hinweis der Autorin: Wenn dir meine Texte gefallen und dir vielleicht auch etwas geben – Klarheit, Wut, Einordnung oder auch das Gefühl, nicht allein zu sein – dann freue ich mich über deine leise (oder laute) Unterstützung. Ich bin zwar schon lange Journalistin aber ich starte gerade erst mit meiner freien Arbeit. Daher wäre es toll, wenn du meinen Newsletter abonnierst oder Mitglied wirst. Ich teile jede Woche per Newsletter exklusive Beiträge, gebe Hintergrundinfos oder erzähle weitere spannende Geschichten, die man dann als Member erhält: Immer mit feministischem Bezug, gespickt mit Erfahrungen aus meinem Arbeitsleben und darüber, wie wir Frauen uns unterstützen und gemeinsam gegen das Patriarchat behaupten können. Einzig, um ein erfüllteres Leben unter faireren Bedingungen für uns zu erschaffen.

Ende Mai erscheint ein Journal für Frauen.

*Foto von Emilipothèse (Si apre in una nuova finestra)

Argomento Gender-Aha-Moment

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