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StreetLetter #31: Von Fischen und Gorillas

Mit der Wahrnehmung ist das ja so eine Sache. Man guckt in die eine Ecke und sieht das Wesentliche plötzlich nicht mehr. Man schaut dorthin, wo es hell, laut und schnell ist und sieht das Leise nicht mehr. Dazu gibt es auch einen Versuch, man kann ihn hier anschauen und sich selbst testen:

https://www.youtube.com/watch?v=IGQmdoK_ZfY&t=1s (Si apre in una nuova finestra)

Und, habt ihr den Gorilla gesehen?

Ein anderer Test wurde mit Teilnehmern aus Japan und den USA unternommen. (Si apre in una nuova finestra) Beiden Versuchsgruppen wurden Videoclips mit Unterwasserszenen aus einem Aquarium gezeigt, anschließend sollten die Teilnehmer beschreiben, was sie gesehen haben. Und sie beschrieben die selbe Aquariumlandschaft tatsächlich ganz unterschiedlich, und zwar je nach kultureller Prägung.

Die amerikanischen Versuchspersonen begannen meist mit einem Fokusobjekt, also dem dicksten Fisch. Die Japaner hingegen haben erstmal die Umgebung beschrieben. Dann ging es in Amerika mit weiteren äußerlichen Beschreibungen der Fauna weiter, also Form, Farbe etc., während es in Japan als wichtig erachtet wurde, zu erwähnen, was die Viecher eigentlich machen, nämlich schwimmen, klettern, kriechen. Wer sich für das originale Paper interessiert, der findet es hier (Si apre in una nuova finestra).

Im Leipziger Zoo, März

Wenn ich mit der Kamera in einer richtig wimmeligen Szenerie stehe, muß ich immer an die Japaner vor dem Aquarium denken. Holistisch gucken!, schärfe ich mir ein, das ganze Aquarium sehen, nicht nur den dicksten Fisch! Denn wozu baut die Realität mir so eine schöne Bühne mit so vielen Personen, wenn ich wieder nur irgendeine knallrote Jacke sehe oder einen lustigen Hut? Reine Verschwendung wäre das.

Ein gutes Bild zeigt mehr als nur einen dicken, bunten Fisch. Es verteilt seine Elemente über die ganze Fläche. Und mein Job mit der Kamera auf der Straße ist es, das wahrzunehmen. Das ganze Aquarium, mit allen Viechern, Pflanzen, Steinen, Korallen, und mit ihrer Bewegung von links nach rechts oder von oben nach unten. Und wenn ein Gorilla durchs Bild läuft, dann sollt man den möglichst auch noch wahrnehmen.

Im Leipziger Zoo, März

Wahrnehmung ist unendlich faszinierend, und wer sich einmal damit befaßt, stürzt schnell in zahlreiche, sehr lohnende Kaninchenlöcher. Und wer einmal angefangen hat, auf Bildern mehr zu sehen als den einen dicken, bunten Fisch, der kann nicht mehr zurück. Deshalb ist ein bißchen Theorie dazu, wie Wahrnehmung funktioniert, für mich ein äußerst nützliches Werkzeug, um auf der Straße zu fotografieren.

(Wie man die Fische dann überzeugend anordnet, ist das nächste Thema. Kompositionslehre, Farbtheorie, so spannend!)

Nun kommt die mehr oder weniger elegante Überleitung zur Werbepause, denn genau solche Inhalte wollen Stefan und ich auch bei unserem Workshop “Double Shift” im schönen Frankfurt vermitteln. Mehr dazu gibt es hier. (Si apre in una nuova finestra)

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Die guten Bilder

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