
Howdy, y’all!
So ernst, wie es Texas mit BBQ meint, so ernst meint es das Wetter mit Texas. Ich habe hier schon eine Menge erlebt, zum Beispiel ein Gewitter ohne Regen, aber mit einer absurden Blitzmenge.
Die vergangenen 12 Stunden waren für mich aber ein Rekord. Tagsüber zogen Wolken rein, 32 Grad, leicht schwüle Luft, unangenehm. Ab dem Mittag wehte ein starker Wind die frisch erworbenen SXSW-Merch-Kappen von den Konferenzgängerköpfen. Wer schon mehrfach hier war ahnt, was folgt. Gegen 16 Uhr kommen von der SX-App Push-Meldungen, die von der Absage der Konzerte auf großen Open-Air-Bühnen künden – wegen starker Windböen.
Sobald die Sonne sinkt, kann man den Temperaturen beim Fallen zuspüren, Gastronomen stellen Tafeln vor ihre Türen, die zum Jackenmitnehmen raten (oder zum Drinnentrinken). Ich strich durch die Stadt auf der Suche nach interessanter Musik und wollte eigentlich zu den 502s im Stubb’s, aber es war zu kalt. So wurde es dann überdachter Jazz in Form der Knats (Si apre in una nuova finestra) aus Newcastle, irgendwo zwischen Acid, Free Jazz und Arctic Monkeys – hör mal rein, wenn Du Jazz magst.
Am Ende fiel das Thermometer bis auf 1 Grand. Ne, da fehlt keine Zahl – ein Temperatursturz von 31 Grad in weniger als 12 Stunden.
“Don’t mess with Texas”, sagt Texas immer auf T-Shirts. Ich möchte festhalten: ICH habe nicht mit Texas gemessen, aber Texas messed mit MIR. Kackbratze.
Warum Du heute bis zum Ende lesen solltest:
Weil Du erfährst, warum es in Austin ein German Haus gibt.
Weil Du den Auto-CEO kennenlernst, der wichtig für VW ist.
Weil Du etwas aus dem Jahr 1929 lernen wirst.
Peinliches Housekeeping
Gestern hatte ich geschrieben, dass die Paywall von Holy Smokes in Mails nicht richtig funktioniere, weshalb ich zwei Ausgaben täglich versenden würde. Stellte sich raus: Dieses Problem trat nur bei mir auf, vermutlich weil ich gerade in öffentlichen Wlan in den USA abhänge.
Also: Wir rollen das zurück. Es gibt eine Ausgabe täglich, die eine Bezahlschranke beinhalten wird.
Der große Mismatch
Solltest Du noch nicht Andrew Ross Sorkin (Si apre in una nuova finestra) lesen – mach es. Er ist Ökonomie-Kolumnist bei der New York Times und hat sich via Newsletter und Podcast zur Marke aufgebaut.
Auf dem Podium der SXSW sprach er über sein Buch “1929”, das den Börsencrash dieses Jahres nachzeichnet – und wieviele Parallelen es zur heutigen Zeit gibt: “Wenn wir heute Elon Musk auf dem Cover von Magazinen sehen, dann begannt das damals. In den 20ern erschienen Wirtschaftsmagnate zum ersten Mal in den Medien.”
Oder die unkritische Begeisterung für neue Technologien wie das Radio (KI, anyone?). Und natürlich billige Kredite, die in Bösenmanipulations-Machenschaften gesteckt wurde, obwohl klar war, dass es Manipulation war (Hat jemand Meme-Stocks gesagt?). Selbst die Zollpolitik war deckungsgleich: “Hoover hat Zölle installiert, obwohl alle Ökonomen ihn gewarnt haben. Aber er wollte die Stimmen der Farmer und hat ihnen versprochen, ihre Produkte vor Importen zu schützen". Folge: Der Außenhandel der USA brach um 70% ein.
Sorkin thematisierte auch etwas, das mir in Austin bisher zu kurz kommt – die Beziehung von Fortschritt und Refinanzierung:
“Ich glaube, es gibt einen Mismatch zwischen den hunderten von Millionen, die in KI investiert werden, und den möglichen Einnahmeaussichten. Ich glaube, wir denken zu wenig darüber nach, ob die Technik sich schnell genug entwickelt, um jemals ihre Investition zurückzugewinnen.”
An dem Tag, an dem er dies sagte, wurde VW wieder Nr. 1 im chinesischen Automarkt – weil der chinesische Statt eine E-Hersteller wie BYD nicht mehr im gleichen Maß subventioniert. Tja, irgendwann muss irgendwer für das ganze Zeug halt zahlen.
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Phoebe lässt grüßen
Vielleicht gibt es keine TV-Serie wie “The Comeback”. Denn welche andere Show produziert drei Staffeln mit jeweils einem Abstand von 10 Jahren?
“The Comeback” ist ein Comedy-Format, das von einer abgehalfterten Sitcom-Darstellerin mit Allüren handelt. Die erste Staffel ist eine jener Pseudo-Reality-Serien wie “The Office”, die zweite dreht sich um Stars in Social Media und nun kommt die dritte (und finale), bei der es um KI geht. Wie diese Serie mit medialen Entwicklungen über so lange Zeit spielt, macht sie zum Solitär. Zu sehen gibt es das Ganze auf HBO.
In Austin gab es eine Vorschau der ersten beiden Folgen im wunderschönen, historischen Paramount-Kino. Denn zur SX gehört ja auch ein Film- und TV-Festival. Mit einem Platin-Pass kommt man auch zu diesen Vorführungen, die eingerahmt werden von Interviews mit Schauspielern und Machern.
Bei “The Comeback” war ich dabei, denn: Die Hauptrolle spielt Lisa Kudrow. Ja, Phoebe aus “Friends”. Da mutierte ich dann doch zum Fanboy.
Frage des Tages
Zahlende Mitglieder dürfen mir gern Fragen zur SX stellen (einfach als Reply auf den Newsletter). Christoph schrieb mir:
“Mich interessiert, ob dir auch Panel, Vorträge oder andere Events zum Thema „AI in Public Administration“ aufgefallen sind. Oder ist das ein Thema von 2022 oder früher? In diesem Zusammenhang würde mich auch interessieren, ob denn überhaupt Mitarbeiter:innen aus Politik und Verwaltung in Austin am Start sind. Das war ja auch schon während Trump I ein Thema, aber unter den Bedingungen von DOGE etc könnte sich die Situation ja noch verschlechtert haben. Oder ist die SXSW zu einem Ort für Whistleblower geworden?”
Gute Frage. Tatsächlich ist die öffentliche Verwaltung ein Thema, das deutlich seltener stattfindet als früher. Das begann schon im vergangenen Jahr und der Grund ist tatsächlich DOGE. Denn die Mitarbeiter nationaler Behörden dürfen nicht mehr reisen (erst recht nicht jetzt, da der Haushaltsstreik ja noch immer nicht gelöst ist).
Wer hier ist, sind die Kommunen. Zum Beispiel gab es ein Panel, das ich leider verpassen musste, in dem Atlanta sich als Testfeld für Startups im Bereich von Stadtdigitalisierung vorstellte, heute gibt es das wütend klingende “We, the people: confronting a rapidly accelerating autocracy”.
Und ohnehin, darüber werde ich noch an einem anderen Tag schreiben, ist dies die politischste SXSW, die ich je erlebt habe. Solltest Du in der “FAZ” etwas anderes gelesen habe – es wächst ein Rant in mir…
VW-Partner Rivian fährt groß auf
Hauptsponsor der SXSW ist der Elektroautohersteller Rivian. Dessen Modelle gibt in Europa nicht, und doch ist er eine wichtige Nummer für Deutschland.
Denn Rivian hilft VW bei dessen Softwareproblemen. Ja, richtig gelesen: Rivian hilft VW, nicht umgekehrt.
In Austin macht die Marke einen großen Aufschlag. Ein eigenes Haus wird mit Leuten wie Podcast-Superstar Kara Swisher bespielt, mitten in der Stadt gibt es einen Parcour, denn Rivian produziert ausschließlich Geländewagen.
Rivian-Gründer und -CEO RJ Scaringe sieht aus, wie die Besetzung von Clark Kennt im nächsten Superman-Film. Im Studium hat er seinen Prof gefragt ob der es für eine gute Idee halte, wenn Scaringe eine Autofabrik eröffne. Antwort des Profs: “No”.
Scaringe hat trotzdem angefangen.
Solche Geschichten erzählt er herrlich entspannt, diesmal auf der gr0ßen SX-Bühne und in der Präsenz des Magazins “Fast Company” – wo er sich in Sachen Au<tonomes Fahren sehr weit aus dem Fenster lehnte.
Was er sagte, genauso wie ein Interview mit der Macherin des German Haus, lesen allerdings nur jene, die mir einen Saft via Steady kaufen. Seit gestern neu dabei sind Sachar, Kristian, Kai, und Marc – danke!