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Frühlingsbote Maikäfer: Da fliegt er wieder

Über den Lebensrhythmus eines Käfers, der einmal fast ausgerottet war.

Ein brauner Käfer auf einem grünen Blatt. (Si apre in una nuova finestra)
Ein Feldmaikäfer auf der Suche nach Essbarem. (Foto: Marcus Mitschack, Wikimedia Commons, Public Domain)
🎼

Da liegt er und kommt nicht weiter. Statt auf seinen sechs Beinchen davonzukrabbeln, zappelt er in Rückenlage hilflos in der Luft herum. Mit einem kleinen Stöckchen bugsiere ich den Maikäfer auf die Füße. Er brummt im abendlichen Dämmerlicht davon und hinterlässt eine glückliche Helferin.

Früher waren die Maikäfer eine Plage und wurden zwischen 1950 und 1970 mit Insektiziden wie DDT fast ausgerottet. Heute ist der Bestand des Feldmaikäfers laut der Roten Liste (Si apre in una nuova finestra) ungefährdet. Doch der Feldmaikäfer und sein naher Verwandter der Waldmaikäfer haben sich von der massiven Bekämpfung, auch wenn sie schon Jahrzehnte zurückliegt, nie richtig erholt. Das liegt unter anderem an der intensiven Landwirtschaft und dem andauernden Gebrauch von Insektiziden. Außerdem beeinträchtigt die Lichtverschmutzung (Si apre in una nuova finestra) den Fortpflanzungserfolg der Käfer, die sich eigentlich am Mond (Si apre in una nuova finestra) orientieren.

Maikäfer sind, regional stark unterschiedlich, von Jahr zu Jahr mal mehr, mal weniger zu sehen: „In manchen Teilen Deutschlands wird alle vier Jahre ein starkes Massenauftreten des Maikäfers beobachtet. Dann sieht man an warmen Frühlingsabenden ganze Schwärme dieser großen Insekten, die sich besonders gerne an Eichen und anderen Laubbäumen treffen oder um Lampen herumschwirren“, sagte der Agrarwissenschaftler Bernhard Weißbecker von der Universität Göttingen vor einigen Jahren in einem Interview (Si apre in una nuova finestra).

Lebenszyklus: Larve und Verpuppung

Bei der abendlichen Begegnung vor ein paar Tagen ist mir womöglich ein Käfer entgegengetaumelt, der gerade zum ersten Mal frische Luft geschnuppert hatte. Denn das Insekt lebt die meiste Zeit seines Lebens unter der Erde.

Bevor der große, bis zu drei Zentimeter lange, behaarte Käfer im Mai oder Juni aus der Erde krabbelt, hat er mehrere Jahre als Larve, als Engerling, im Boden verbracht und sich von Pflanzenwurzeln ernährt. Den Winter überlebt die Larve in tieferen, frostfreien Erdschichten.

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Je nach Witterung verpuppt sich der Engerling in seinem zweiten bis vierten Sommer. Die Verpuppung dauert vier bis sechs Wochen. Die Käferpuppe braucht in dieser Phase keine Nahrung. Im Inneren der Puppe geschieht die Metamorphose, der komplette Ab- und Umbau sämtlicher Organe. Ist die Umwandlung geschehen, überwintert der Käfer ein letztes Mal in der Verpuppungshöhle und gräbt sich dann im Frühling aus dem Boden.

Nahrungssuche und Paarung

Den Boden verlässt er oft in der Abenddämmerung und steuert meist die größte Silhouette in der Umgebung an – in der Annahme, es handele sich dabei um einen Baum. Der Käfer konzentriert sich in diesen letzten vier bis sieben Wochen seines Lebens auf zwei Dinge: auf das Fressen und auf die Fortpflanzung.

Die Käfer fressen bevorzugt an Laubbäumen wie etwa Eichen, Buchen, Haselnüssen, Ahorn, Weiden und Obstbäumen, Fachleute sprechen dabei von einem „Reifungsfraß“. Auf den Fraßpflanzen treffen Weibchen und Männchen aufeinander. Letztere sterben sofort nach der Begattung.

Die Weibchen legen die befruchteten Eier meist dort ab, wo sie sich selbst zuvor aus der Erde gegraben haben: Sie legen bis zu dreimal je 10 bis 30 Eier, insgesamt maximal 100 Eier. Die Larven schlüpfen nach vier bis sechs Wochen, nur dann, wenn der Boden ausreichend feucht ist. Als ersten Nahrungsvorschuss hat ihnen das Käferweibchen eine Portion Kot hinterlassen.

Die Larven ernähren sich danach zunächst hauptsächlich von Humus. Im Spätsommer häuten sie sich zum ersten Mal und verlagern ihr Interesse auf die Pflanzenwurzeln – bei massenhaftem Auftreten zum Ärger der Land- und Forstwirte: Der Maikäfer könne im Frühling im Extremfall Obstbäume entlauben. Die Engerlinge könnten durch Wurzelfraß den Weinbau, Obstanbau, Baumschulen und den Rasen auf Golfplätzen schädigen, sorgen sich die Fachleute (Si apre in una nuova finestra) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Schäden durch massenhaftes Auftreten

Anfang des letzten Jahrhunderts sollen Maikäferlarven ganze Getreidefelder vernichtet und die Käfer Wälder kahl gefressen haben. Es wundert nicht, dass sie sich keiner großen Beliebtheit erfreuten. Zunächst blieb nur eine einzige Möglichkeit, um der Lage Herr zu werden: Die Käfer wurden abgesammelt. In Deutschland sammelten die Menschen im Jahr 1911 beispielsweise auf 1800 Hektar 22 Millionen Maikäfer.

Eine Zeichnung von Wilhelm Busch: Käfer krabbeln auf einer Bettdecke.
"Doch die Käfer, kritze kratze! 
Kommen schnell aus der Matratze." Wilhelm Busch verewigte die Maikäfer in Max und Moritz fünftem Streich. (Foto: Wikimedia Commons, Public Domain)

1938 gab es in Schleswig-Holstein ein Massenauftreten: Die Behörden zahlten pro abgegebenem Kilo Käfer eine Belohnung von fünf Pfennigen. „Noch im Jahr 1951 wurden in Wien eine Milliarde Tiere gesammelt, die von der städtischen Tierkörperverwertungsanstalt zu Maikäfermehl verarbeitet und als eiweißhaltiges Tierfutter weiterverkauft wurden“, schreibt Anna-Kathrin Jentsch im Magazin National Geographic (Si apre in una nuova finestra). Jentsch hat in ihrem Beitrag allerlei Kuriositäten über den Maikäfer ausgegraben. Zum Beispiel auch, dass er einst in verzuckerter Form eine beliebte Nachspeise war und unsere heutigen Schokoladenmaikäfer womöglich die Nachkommen dieser kandierten Käfer sind.

Es gibt keine Maikäfer mehr

Was dann folgte, war unschön. Wälder und Felder wurden jahrelang teils vom Flugzeug aus mit DDT besprüht (Si apre in una nuova finestra). Der Maikäfer stand kurz vor dem Aus. Reinhard Mey besingt es 1974 in seinem Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“:

https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.youtube.com/watch%3Fv%3DNy8bZxjeAMk&ved=2ahUKEwjGsong1qKUAxX1_rsIHcNCM20QwqsBegQIHBAB&usg=AOvVaw0OhnXUTdsOh3hRHZDQZPVK (Si apre in una nuova finestra)

Der Käfer berappelte sich glücklicherweise dann doch noch wieder und trägt heute seinen Teil zum ökologischen Gleichgewicht bei: als Nahrung für Vögel, Igel und andere Kleintiere und als Bodenauflockerer.

Danke💚
https://steady.page/de/taktvoll/posts/ca95ab75-6526-4eb1-9e87-201d7fb72d29 (Si apre in una nuova finestra)https://steady.page/de/taktvoll/posts/8638116e-ae99-4493-a528-cdc3e4b602e1 (Si apre in una nuova finestra)

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“Taktvoll – über die Rhythmen des Lebens” (Si apre in una nuova finestra) ist ein Projekt der Wissenschaftsjournalistin Dr. Ulrike Gebhardt.

Argomento Natur + Rhythmus

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