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Mann über Bord

Eykner Belford Richter lugt durch die Linsen seiner Ingenieursbrille auf die Bruchstellen der sonderbaren Flöte.

Er lässt ein spöttisches Schmunzeln von sich, als er mit seinen Fingern über die Sockel wandert, die offensichtlich von einem Goblin angebracht worden sein mussten.

Geduld war noch nie die Stärke dieser geistig umnachteten Kreaturen. Bei ihnen steht Quantität vor allem anderen, denn wer viel “Gedöns” zusammenbastelt, der nähert sich irgendwann einem sehr guten Produkt. Dafür müsste man allerdings aus begangenen Fehlern lernen und Methoden ausreifen lassen, anstatt ständig Techniken, Materialien und handwerkliche Ansätze zu ändern.

Wer weiß, vielleicht liegt es in der Natur der Goblins, rastlos zu sein… Zwerge leben weitaus länger und üben sich in Langmut. Diese Löcher, die als Sockel dienen sollten, haben die Stabilität des Instruments in Mitleidenschaft gezogen. Mit einem Stirnrunzeln wendet er sich den Glockenstücken zu, als Astrid den Raum betritt.

“Und? Schon einen Ansatz gefunden, Boss?”
Sie lässt sich in den nächstgelegenen Stuhl fallen, worauf das Holz ächzend knarzt. Richter schweigt sie missbilligend an und sie hebt schützend die Hände vor sich. Sie weiß, dass ihr Boss es nicht ausstehen kann, wenn jemand ihn aus einem wichtigen Gedanken rausreißt. Sie weiß es, vergisst es allerdings regelmäßig.

“Mehrere Ansätze.” betont Richter. Astrid hebt interessiert die Augenbrauen. “Ich könnte das Metall dieser Glocken als Bindemittel für die Querflöte nutzen, doch wenn ich nicht alles davon verwende, dann wird jeder Ton, der gespielt wird, auf den Rest reagieren.”

“Und das bedeutet…?” Sie legt die Stirn in Falten. Richter seufzt. “Sollte die kleine Elfe eine Melodie spielen, dann wird das restliche Metall mit ihr resonieren und Schwingungen erzeugen. Dann hallt alles, was sie spielt, in den Glocken nach. Allerdings verzerrt. Es würde schrecklich klingen.”

“Aber wir behalten den Rest doch für uns und irgendwann trennen sich unsere Wege. Dann sind wir weit genug entfernt und es spielt keine Rolle.”

Richter schnaubt genervt. “So einfach ist das nicht. Ich habe Gram eine der Glocken gegeben und die Entfernung getestet. So wie es aussieht, ändert sich nichts an der Verbindung, egal wie groß der Abstand zwischen den Instrumenten ist. Wahrscheinlich befindet sich im Inneren der Glocken jeweils ein Kristall, der die Verknüpfung verursacht.”

Aufgeregt lehnt Astrid sich vor. “Das heißt, wir könnten die Kristalle bergen und für andere Sachen nutzen?”

Der Zwerg nickt und Astrid steht schwungvoll auf. “Worauf warten wir dann?” Erwartungsvoll sieht Astrid ihren Boss an, als sich in seinem Gesicht ein zwielichtiges Lächeln ausbreitet. “Ich meinte doch, es gibt mehrere Ansätze…”

Richter erhebt sich, eine der Glocken in der Hand und schlägt mit einem Stück der Flöte vorsichtig dagegen. Der Ton, der dabei entsteht, wandert schlagartig durch den Körper von Astrid. Angst packt sie und sie stolpert einige Schritte von Richter weg.

Dieser geht auf sie zu und fragt sie bedeutungsschwanger:

“Hast du schon mal einen Schnitter gejagt, Astrid?”

Argomento Die Welt von Vytra

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