Nkm-Gründerin Mareike Peters verrät uns, was wie wirkt

Mareike Peters litt lange unter ihrem schlechten Hautbild und fing an, in ihrer Münchner Studentenbude selbst Hautpflege anzurühren. Erst nur für sich selbst, dann für ihre Community, die sie sich bei Instagram aufbaute. Aus dem Bedürfnis, sich selbst zu helfen, entwickelte sie eigene Rezepturen, die sie dann auf Bitten ihrer Follower auch verschicken musste. So wuchs das Unternehmen und schließlich gründete sie 2019 ihre Firma Naturkosmetik München, kurz nkm. Inzwischen ist Mareike eine von Forbes 30 under 30, es gibt mehre Filialen, sie sieht Hautpflege aber immer noch als ihr Lieblingshobby und Handwerk an und entwickelt fleißig weiter. Das erklärt auch, warum sie ein wandelndes Haut-Lexikon geworden ist, das man immer wunderbar anzapfen kann. Heute erklärt sie uns, was mit der Haut ab 40 so los ist, was wir gegen Pickelmale tun können und was eigentlich an den ganzen Anti-Aging-Trends dran ist.
Mareike, viele Frauen über 40 kämpfen wieder mit Pickeln. Warum ist das so?
Was sich auf der Haut zeigt, ist ja häufig ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, denn unsere Haut ist ja ein Organ. Lifestyle- Entscheidungen spielen da ebenso mit hinein wie Hormonschwankungen. Und im Leben einer Frau gibt es ja verschiedene Phasen, in denen große hormonelle Umbrüche passieren: In der Teenagerzeit, während der Schwangerschaft und Stillzeit, dann wieder in und unmittelbar vor der Menopause. Das sind alles hormonelle Umstellungen, die sich im Hautbild zeigen können. Es ist aber auch genetisch bedingt, ob Dinge, die im Körper passieren, auf der Haut sichtbar werden. Ein anderer entscheidender Faktor ist natürlich der Darm. Wenn man da eine Prädisposition hat, muss man dort aufräumen, schauen, wie man das Mikrobiom wieder in Balance bringen kann. Ganz oft ist es auch eine Entzündung im Körper, die für eine Dysbalance sorgt und das wird nur über die Haut sichtbar, während es sich bei anderen über schmerzende Gelenke, Zahnprobleme oder entzündete Drüsen zeigt. Da gibt in den jeweiligen Einzelfällen spannende Forschungsrichtungen und Therapieansätze.
Pickelmale bleiben oft länger als der Pickel selbst. Woran liegt das und was hilft?
Unreinheiten werden von dem Papel, einer kleinen erhabenen und festen Hautveränderung, dominiert. Die Ausbildung des Papels, also Größe und Sitz haben mit der Ursache zu tun. Wenn wir älter werden und hormonelle Irritationen dazu kommen, wird die Haut trockener, die Hauterneuerung verlangsamt oder die Hornabschuppung erfolgt verzögert. Bedeutet: Die Zellkommunikation, die Regeneration und die Zellteilung nehmen ab und das kann zu den Malen führen, die schwer verblassen. Auch wie der Pickel in Erscheinung tritt, wird genau davon beeinflusst. Wird die Haut trockener, wird der Pickel eher härter und sieht anders aus. Er kann dann nicht an die Oberfläche treten. Die ältere und dehydrierte Haut bildet also ganz andere Pickel als eine fettige Haut und tut sich auch schwerer mit dem Abbau. Dann gibt es noch die ausgetrocknete Fetthaut, die auch dehydriert ist, was auch ungünstig ist. Kurzum: Das wollen wir also alles nicht.
Idealerweise ist alles schön durchfeuchtet, je älter man wird. Das Problem: Bei uns allen lassen die Fibroblasten nach. Aus den kleinen Kollegen entstehen Kollagen und Elastin. Kollagen kennt man ja inzwischen ganz gut. Elastine Fasern brauchen wir im Zusammenspiel, weil sie dem Ganzen so ein bisschen bounce geben. Man guckt bei der Haut ja auch auf Festigkeit, die Kavität interessiert uns. Denn je älter wir sind, desto weniger kommuniziert unsere Haut. Sie hat zwei Möglichkeit sich vor dem Zelltod zu schützen: Sie kommuniziert weniger und wird träger. Was wollen wir also? Eine Haut mit viel Kommunikation, denn da geht noch was! Schönes Gegenbeispiel ist die Lederhaut aus dem Solarium, etwas überspitzt gesagt, denn die ist abgestorben, lethargisch und kaputt ist. Insofern muss man sich fast freuen, wenn unsere Erwachsenenhaut ein Gastspiel mit Akne gibt. Dann macht sie noch was!
So habe ich das noch nie gesehen! Interessanter Trost! Was tun wir denn trotzdem, damit es nicht so ausufert?
Am Ende dasselbe wie bei jüngerer Haut: Es ist ja immer noch eine Entzündungsreaktion mit Schwellung, Rötung, Wärme. Es ist immer derselbe Ablauf. Man würde in der Intensität intensiver rangehen. Hinzu kommt: Der Blick auf Anti-Aging hat sich sehr gewandelt. Früher gab es Pflege für Teenager- Haut und dann für reife Haut. Fertig. Jetzt guckt man: Wie ist der Zustand? Welche Dosierung der Wirkstoffe ist sinnvoll oder ändert sich die Auftragsmenge? Generell gibt es große Unterschiede: Wenn jemand sein ganzes Leben Hautpflege betrieben hat, ist sie viel gesünder als bei jemanden, der das nie gemacht. Wenn man 60 ist, sieht man, wer war in der Sonne und wer hat Retinol genommen.
Aber zurück zu den Unreinheiten: Man würde auch bei reiferer Haut wie bei jüngerer, unreiner Haut vorgehen: Die 3 Hauptauslöser bekämpfen, die Entzündung in den Griff bekommen und Bakterien ausbalancieren. Das Mikrobiom muss ins Gleichgewicht gebracht und die übermäßige Talgproduktion reduziert werden. Schön peelen, denn verhornte Haut neigt zu Unreinheiten, und gut reinigen.
Falten- noch nicht dein Thema. Aber für alle Frauen über 40 schon. Was sind deine Tipps? Glaubst du Face Yoga, Taping und LED-Masken haben ihre Berechtigung?
Da gibt es spannende Ansätze! Bei LED weiß man ja, dass die Strahlung einen Einfluss auf die Haut hat. Das Spektrum des elektromagnetischen Lichts geht ja von Röntgen-Strahlen bis Mikrowellen, dazwischen finden sich die LED-Wellen deren Wellenlänge sich positiv auf die Haut auswirken. Wir wissen, Licht und Wellen, die wir nicht sehen, haben eine Auswirkung auf die Zellen. Die schlechten machen Krebs. Es kommt extrem auf den Wellenbereich an, in welchen Nanometer wir unterwegs sind. UVA, UVB und Infrarotstrahlen, einige können ganz tief und einige ganz oberflächlich eindringen. Infrarot A ist das Licht, was wir wollen. IRA, also Infrarot A- Wellen wirken so tief, dass sie die Fibroblasten aktivieren. Die Epidermis ist ja eigentlich tot, wie unsere Nägel, die ist ganz oben. Wir wollen also an die Dermis, eine Etage tiefer. Die kann man mit Rotlicht erreichen und die Zellkommunikation aktiveren. Aber es gibt natürlich schlechte und gute Lampen. Mito lights haben die richtige Wellenlänge. Die Krucks ist die Anwendungsdauer und man muss es täglich und lange machen. Sonst hat man keinen Effekt. Ich rate von allem ab, was mit Batterien betrieben wird. Die richtigen Geräte machen Geräusche und entwickeln Wärme. Die machen richtig Lärm. Hautpflege ist auf jeden Fall effektiver.
Face Yoga ist interessant, es hat ja was mit Spannung und Muskelstärke zu tun. Der Nachteil: Nur solange man es macht, hat es einen guten Effekt. Ist der Muskel gestrafft, wird die Haut auch straffer, klar. Es macht langfristig nicht so viel Unterschied, aber der Muskel ist fester und das zieht die Haut darüber glatter. Man kann deswegen auch durchaus besser aussehen, weil ja der Lymphfluss temporär angeregt wird. Aber eben nur solange man seine Übungen auch wirklich macht. Was schön ist, ist die Straffung.
Taping ist eine Okklusion, also eine Abdichtung der Haut. Man muss wissen: Unsere Haut hat einen transepidermalen Wasserverlust. Wenn man diesen Vorgang abdichtet, kann die Feuchtigkeit nicht entweichen und speichert sich interzellulär. Was passiert? Eine Quellung des Gewebes. Das hat zwei Effekte: Bis mittags ist die Haut hübsch aufgequollen. Da sieht sie eine Weile straffer aus. Was man zusätzlich erreichen kann: Eine stärkere Penetration von Hautpflege. Unsere Haut kann durch die Schwellung die Wirkstoffe tiefer aufnehmen. Um acht morgens haben wir dann vielleicht glattere und schönere Haut, nur nachmittags ist das dann vorbei…
Was ich gerne mache, um den Effekt für mich zu nutzen sind Augenringe- und Schläfenpads. Da mache ich unseren Linien- und Faltenfüller drauf, um kleine Mimikfältchen loszuwerden. So wird die Hautdicke fester und die Eindringtiefe erhöht. Nur auch bei wiederwendbaren Silikonpads muss man aufpassen: Der medizinische Grad an Silikon muss passen, bitte biokompatibel, ohne Weichmacher und für längeren Hautkontakt ohne reizende Zusätze, also hypoallergen, zugelassen.
Deine Top3 -Hautgewohnheiten für 40Jährige?
Der Zustand unserer Haut ist ein Zusammenspiel des Lebensstils. Wenn jemand unglücklich ist, schläft man schlecht und dann sieht man das auch auf der Haut. Nicht rauchen, nicht trinken, die Sonne meiden, an die Luft gehen, sich gesund ernähren, regelmäßig essen. Ich sehe es im Laden- die Leute sehen besser aus. Aber man sollte sich nicht so beuteln. Wenn jemand auf einer Party hin und wieder eine Zigarette raucht und Alkohol trinkt und dann ein schlechtes Gewissen hat, ist der Effekt größer. Wer ein gesundes, zufriedenes Leben führt, hat bessere Haut.
Ich esse ganz viel Fermentiertes, trinke viel Wasser. Bei mir hilft es total, Blattsalate zu essen, schön bitter und dunkelgrün, fermentierten rohen Kombucha dazu. Meinen Joghurt mache ich selber fürs Darmmikrobiom. Ich merke es auch sofort an meinem Energielevel, dann noch Supplements, dann fühle ich mich fit.
Ganz interessant finde ich auch Hydroxysäuren oder chemische Peelings, die haben einen ganz großen Einfluss auf die Lebendigkeit der Zelle. Exosomen aus Pflanzen und Stammzellen zeigen hohes Potential in Studien. Denn unsere Lysosomen, das sind Zellorganellen, die quasi unsere Müllabfuhr erledigen, sind manchmal überfordert mit unserem Zellmüll. Da helfen chemische Peelings mit Alpha-Hydroxysäuren, kurz AHAs, die sind super und besonders Richtung Anti-Aging wirksam. Die Haut wird entlastet und wieder lebendiger. Fruchtsäuren können das total gut erreichen. Sie sind nur etwas aus der Mode gekommen, aber es lohnt sich sie wieder zu entdecken.
Mareike und ihr tolles Team findet ihr natürlich hier:
www.nkm-atelier.de (Si apre in una nuova finestra)
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