BILDBAND (Si apre in una nuova finestra)-&-LITERATUR-KRITIK (Si apre in una nuova finestra)
„Ich frage mich, ob du mir auch manchmal schreiben willst, ob du auch ein Buch wie dieses füllen könntest und was drinstünde. Oder ob du gar nicht so viel an mich denkst und es nichts mehr gibt, was du mir noch sagen willst.“

Von Semi-Stalking und Anxiety, Selbst-Zweifeln und Zukunft-Sorgen, Einsam-Geworden-Sein und Verlassen-Werden genau wie Zusammen-Sein und Mensch-Sein, vom Weg und Rennen, Tauchen und Warten oder Schwimmen und Ausharren, Kommen und Gehen, Gratwanderungen und Versionsveränderungen, Wahrheit und Fantasie, App und Alltag, Liebe und Tropfen, Wasser mit und ohne Salz, Brennen und Schmelzen, Schweben und Weinen „erzählt“ der 1996 geborene (Comic-)Künstler Eric Schwarz. Dies nicht schwarz-weiß, sondern in leuchtend monochromen Illustrationen. Meist füllen die Kurzgeschichten und -gedanken nur eine Seite – dies jedoch mit viel Gefühl und größtenteils ansprechender Lyrik.

„Fass mich so an, als würdest du mich nicht verlieren wollen.“
Irgendwo zwischen verzweifeltem und wissendem Lachen, bestätigendem und befreiendem Weinen waren meine Reaktionen auf die circa einhundert Comic-Panels in Fühl zu viel, das im Febraur bei der Edition Moderne erschienen ist. In bestechender Grafik, morphenden Moment und Figuren, manche menschlicher andere entrückter, voller Gay- und Queerness ohne Emotionsfetisch und doch viel Selbst(wert)gefühl, gibt Schwarz uns Gefühle zum Denken, Schmunzeln, An- und teils Verzweifeln.

„Ich bin nicht immer ehrlich, wenn ich sage, dass ich dich nicht liebe, und ich glaube, du weißt das und lügst auch manchmal.“
Gewollt hatte ich das Buch, da Monsieur @comicblues (Si apre in una nuova finestra) zwischen Kleinbittersdorf und Paris schlicht schöne Sachen mit Substanz macht. Genommen habe ich es nun, da das Plätschern eines Teichs nebenan, mich kürzlich irgendwo zwischen Verzweiflung und Wut, Akzeptanz und Abstand in den Schlaf begleitete und ich zunächst nicht so recht wusste, wie viele Gefühle da mitkommen. Also: Zu viel gefühlt? So wie es mir von manch Person öfter gesagt wurde: „You are a lot“ aka „Du bist ganz schön anstrengend (Si apre in una nuova finestra)“

„Ich dachte, du wärst feige, weggelaufen vor dem, was du liebst. Aber vielleicht war ich es, dem der Mut fehlte, gehen zu lassen, was mir nicht gut tat.“
Außerdem ist Freundschaft etwas, das zu verstehen, anzunehmen und lieben ich neu gelernt habe. Dies auch dann, wenn sie irritiert, weil mensch Menschen, die gut zu kennen wir uns anmaßen, doch nicht immer so lesen können, wie vermutet. Und dann sind wir verdutzt, wenn wir verstehen, wie viel (auch) sie fühlen und wie wir vielleicht doch nicht gegenwärtig waren, obwohl wir doch da waren.

All dies geben auch die großartigen Illustrationen Eric Schwarz’ wieder, stecken selbst bei traurigen Dingen noch voller lebensnaher Hoffnung, bei allem Zauber voller Bodennähe und bei jedem Zweifel voller Zugang. Ein Buch für die schönen und schädigenden Momente, das ich voller Dankbarkeit empfehle. Und nope: Not all our tears have been used off.

„Das Plätschern klang schöner als das der Wellen.“
So, und wer diesen Satz nun verstehen und einordnen mag, muss die 15 Euro investieren. Eine Investition in kluge Kunst mit Kern, die nicht zu bereuen sein wird.
AS
PS: Eigentlich sollte es heute zu den Boys nach Budapest gehen. Aber aus in der Feel-Queer-Review genannten Gründen eben doch mehr ins Innere. Freut euch aber kommende Woche auf ganz viele Außenansichten. 🤭🔥
IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (Si apre in una nuova finestra) oder auf Facebook (Si apre in una nuova finestra). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (Si apre in una nuova finestra), durch unseren Merch stöbert (Si apre in una nuova finestra) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

Eric Schwarz: Fühl zu viel (Si apre in una nuova finestra); Februar 2026; 208 Seiten, monochrom; Softcover; Format: 10.5 × 14.8 cm; ISBN 978-3-03731-293-3; Edition Moderne; 15,00 €
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/7ae2e775-ffc1-46e1-929d-f0040095336e (Si apre in una nuova finestra)