Passa al contenuto principale

Bleiben oder Gehen? (Praxisbeispiel)

5 Warnsignale - Wie du erkennst, wann Loyalität dich krank macht

Eine Geschichte von zwei Kolleginnen und einer Entscheidung

Anna und Julia haben sich nie kennengelernt. Sie leben in verschiedenen Städten, arbeiten in unterschiedlichen Branchen und müssen beide alleine für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Und doch verbindet sie etwas: Beide standen vor derselben Entscheidung. Beide hatten einen Chef mit narzisstischen Verhaltensweisen. Beide spürten, dass etwas nicht stimmte.

Aber der Umgang mit dieser Situation ging in zwei völlig unterschiedliche Richtungen.

Anna blieb. Julia ging.

Zwei Jahre später sitzt Anna in einer Klinik für psychosomatische Rehabilitation. Julia hat gerade ihre Beförderung gefeiert.

Was ist passiert?

Anna: "Ich habe hier so viel investiert"

Anna, 38, Teamleiterin in einem mittelständischen Marketingunternehmen. Sie war stolz auf ihren Job. Stolz darauf, wie weit sie es gebracht hatte. Von der Junior-Position zur Teamleiterin – in acht Jahren.

Als ihr neuer Vorgesetzter kam, spürte sie sofort: Das wird anders.

Er war ungeduldig. Kritisch. Nichts war gut genug. Präsentationen, die Anna sorgfältig vorbereitet hatte, wurden im Meeting zerrissen. Ihre Ideen wurden übergangen. Ihre Erfolge wurden nicht mehr erwähnt.

Anna sagte sich: "Das ist eine Umstellungsphase. Er muss mich erst kennenlernen."

Sie arbeitete mehr. Bereitete Meetings noch akribischer vor. Blieb länger im Büro. Antwortete auch abends auf E-Mails.

Und manchmal schien es zu funktionieren. Dann lobte er sie plötzlich. "Gute Arbeit, Anna." Ein Lächeln. Ein freundlicher Ton. Sie spürte Erleichterung. "Siehst du? Es wird besser."

Aber zwei Tage später war die Kälte zurück. Als wäre nichts gewesen. Als hätte er nie gelobt. Anna verstand es nicht. Was hatte sie falsch gemacht? Was hatte sich verändert?

Sie begann, sein Verhalten zu studieren. Seine Stimmungen. Versuchte vorherzusehen, wann er freundlich sein würde und wann nicht. Es fühlte sich an wie ein Tanz, bei dem sie die Schritte nicht kannte. Innerlich stand sie die ganze Zeit auf Habacht, versuchte proaktiv das Richtige zu machen und passte sich immer mehr an.

Ihr Team spürte die Veränderung. "Anna, du siehst erschöpft aus", sagte eine Kollegin. Anna winkte ab. "Alles gut. Nur viel zu tun gerade."

Aber innerlich? Innerlich wuchs etwas. Eine Unruhe. Ein Druck. Etwas, das sie nicht benennen konnte.

Nachts lag sie wach. Grübelte über Meetings. Über Sätze, die gefallen waren. Über Blicke. Über sein wechselndes Verhalten. Sie fühlte sich klein. Unsicher. Als hätte sie etwas falsch gemacht – nur was? Es musste an ihr liegen. Sie müsste sich nur besser anstrengen. Dann würde er schon erkennen, was er an ihr hat.

Die Migräne kam schleichend. Erst einmal im Monat. Dann wöchentlich. Ihre Ärztin riet zu Entspannung. Anna nickte. Aber Entspannung? Wie sollte das gehen, wenn so viel zu tun war?

Ihre beste Freundin fragte: "Warum kündigst du nicht einfach?"

Anna schaute sie an, als hätte sie etwas Absurdes gesagt.

"Ich habe hier acht Jahre investiert. Ich kann doch nicht einfach gehen."

"Aber du bist unglücklich."

"Das geht vorbei. Ich muss nur besser werden."

Sie blieb.

Ein Jahr später brach sie zusammen. Panikattacke im Büro. Kreislaufzusammenbruch. Notarzt.

Später die Diagnose: Anpassungsstörung mit depressiven Symptomen. Empfehlung: Klinikaufenthalt.

Anna saß danach in ihrem Auto und weinte. Wie konnte das passieren? Sie hatte doch alles richtig gemacht. Hatte sich angestrengt. Hatte durchgehalten.

Warum hatte sie nicht früher gehen können?

👋Neu hier? Abonniere den Newsletter kostenlos (Si apre in una nuova finestra).

Julia: "Ich bin mir selbst mehr wert"

Julia, 35, Projektmanagerin in einem Tech-Unternehmen. Auch sie bekam einen neuen Vorgesetzten.

Auch er war kritisch. Auch er überhörte ihre Ideen. Auch er machte abfällige Bemerkungen.

Aber Julia reagierte anders.

Nach dem dritten Meeting, in dem ihre Arbeit vor dem Team heruntergemacht wurde, spürte Julia etwas in ihrem Körper. Ein Ziehen im Magen. Ein Engegefühl in der Brust.

Sie kannte dieses Gefühl.

Abends saß sie am Küchentisch und schrieb in ihr Journal. "Was passiert hier gerade?" Sie stellte sich Fragen. Beobachtete sich selbst. Ihre Reaktionen. Ihre Gedanken.

Sie bemerkte: Sie begann, sich anzupassen. Sich kleiner zu machen. Ihre Meinung zurückzuhalten.

Und sie bemerkte noch etwas: Sie kannte das aus ihrer Kindheit.

Julia hatte in den letzten Jahren viel innere Arbeit gemacht. Viel Selbstreflexion. Sie wusste, wie ihre alten Muster und Überlebensstrategien aussahen. Und sie erkannte sie jetzt wieder.

"Das tue ich nicht nochmal", sagte sie laut zu sich selbst.

Sie vereinbarte ein Gespräch mit ihrem Vorgesetzten. Klar, ruhig, sachlich.

"Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Ist das so? Wenn ja, möchte ich verstehen, warum. Wenn nein, brauche ich ein anderes Feedback-Format."

Er wich aus. Wurde defensiv. "Ich weiß nicht, wovon du redest. Das habe ich nie gesagt." Er schaute sie an, als wäre sie überempfindlich. "Du interpretierst da etwas hinein, was nicht da ist."

Julia spürte, wie ihr Magen sich zusammenzog. Sie hatte sich Notizen gemacht. Sie wusste genau, was in den Meetings gesagt worden war. Aber er stellte ihre Wahrnehmung infrage. Als wäre sie das Problem und einfach nur überempfindlich.

Julia spürte: Hier gibt es keinen Raum für Veränderung.

Drei Wochen später kündigte sie.

Ihre Kolleginnen waren fassungslos. "Aber du bist doch schon so lange hier! Du gibst so schnell auf?"

Julia lächelte. "Ich gebe nicht auf. Ich höre auf, mich zu verbiegen."

Sechs Monate später hatte sie einen neuen Job. Einen Chef, der ihre Arbeit schätzte. Ein Team, das auf Augenhöhe kommunizierte.

Ein Jahr später wurde sie befördert.

Als eine Freundin sie fragte: "Wie hast du das geschafft? Einfach zu gehen?", antwortete Julia:

"Ich habe gelernt, dass ich mir selbst mehr wert bin als ein Job, der mich krank macht."

Der entscheidende Unterschied

Anna und Julia. Beide kompetent. Beide erfahren. Beide in derselben Situation.

Aber Anna blieb, bis sie zusammenbrach. Julia ging, bevor es so weit kam.

Warum?

Es war nicht Mut. Nicht Stärke. Nicht "mehr Selbstbewusstsein" oder bessere finanzielle Voraussetzungen.

Der Unterschied war: Julia erkannte ihre Muster. Anna nicht.

Die 5 Warnsignale: Steckst du in einer toxischen Loyalitätsfalle?

1. Dein Körper rebelliert

  • Migräne, Verspannungen, Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme, Übelkeit

  • Du fühlst dich ständig unter Strom, auf Habacht

  • Sonntagabend wird zur Qual

Was dahintersteckt: Dein Körper weiß vor deinem Kopf, dass etwas nicht stimmt. Er sendet Warnsignale. Die Frage ist: Hörst du hin?

2. Du hoffst auf die nächste "gute Phase"

  • Manchmal ist dein Chef plötzlich freundlich, dann wieder kalt

  • Du analysierst ständig seine Stimmungen

  • Du denkst: "Wenn ich nur noch ein bisschen besser werde..."

Was dahintersteckt: Das nennt sich "intermittierende Verstärkung" – eine klassische Manipulationstaktik. Die unvorhersehbare Belohnung hält dich in der Hoffnung gefangen.

3. Du verleugnest deine eigene Wahrnehmung

  • Du zweifelst, ob du überempfindlich bist

  • Andere sagen: "Das habe ich nie gesagt" oder "Das bildest du dir ein"

  • Du fühlst dich verwirrt, unsicher, als wäre mit dir etwas nicht in Ordnung

Was dahintersteckt: Das ist Gaslighting. Deine Wahrnehmung wird systematisch infrage gestellt, damit du an dir selbst zweifelst.

4. Du argumentierst mit "investierter Zeit"

  • "Ich habe hier schon so viele Jahre verbracht"

  • "Ich kann doch jetzt nicht einfach aufgeben"

  • "Was sollen die anderen denken?"

Was dahintersteckt: Die Angst vor dem Loyalitätsverrat. Die Überzeugung, dass Durchhalten eine Tugend ist. Aber bereits investierte Zeit ist kein Grund, weiter zu leiden.

5. Du machst dich kleiner, als du bist

  • Du hältst deine Meinung zurück

  • Du passt dich an, funktionierst, willst gefallen

  • Du bist ständig verfügbar, arbeitest mehr, schluckst Kritik

  • Du wirst noch “perfekter” und

  • Du leistest noch mehr, um zu zeigen, dass du es Wert bist, gesehen zu werden

Was dahintersteckt: Eine Überlebensstrategie aus deiner Kindheit. "Wenn ich brav bin, werde ich geliebt. Dann bin ich sicher." (Wenn ich leiste / wenn ich perfekt bin / wenn ich funktioniere / wenn ich die Verantwortung übernehme / etc.) Aber im Job macht dich das zur perfekten Zielscheibe für toxisches Verhalten.

Die drei ersten Schritte aus der Loyalitätsfalle

Schritt 1: Höre auf deinen Körper

Dein Körper lügt nicht. Wenn er sich zusammenzieht, wenn du Bauchschmerzen bekommst, wenn dein Nacken verspannt, wenn dir ständig übel ist, du nachts nicht mehr schlafen kannst – das ist kein Zufall.

Praktische Übung: Nimm dir jeden Abend 5 Minuten Zeit. Schließe die Augen und scanne deinen Körper von oben nach unten. Wo spürst du Anspannung? Wo Druck? Wo Enge?

Frage dich: "Was will mir mein Körper sagen?"

Schritt 2: Erkenne deine Glaubenssätze und Überlebensstrategien

Was hält dich wirklich in dieser Situation?

Journaling: Vervollständige diese Sätze:

  • "Ich kann nicht gehen, weil..."

  • "Wenn ich gehe, dann..."

  • "Loyalität bedeutet für mich..."

  • "Durchhalten ist wichtig, weil..."

Lies deine Antworten. Sind das wirklich DEINE Überzeugungen? Oder Sätze, die du irgendwann einmal gelernt hast?

Schritt 3: Unterscheide zwischen Loyalität/Selbstverrat und deiner eigenen Integrität

Stelle dir diese Frage:

"Wenn ich ohne Angst vor Konsequenzen entscheiden könnte – würde ich bleiben?"

Wenn die Antwort "Nein" ist: Das, was dich hält, ist keine Loyalität. Es ist Angst.

Loyalität, die dich krank macht, ist keine Loyalität mehr. Es ist Selbstaufgabe und Selbstverrat.

Ich habe es ähnlich wie Anna erlebt und musste mich freiwillig in die Psychiatrie einweisen. Nur 3 Jahre später hatte ich es immer noch nicht verstanden. Ich war wieder gegenüber einem Vorgesetzten loyal. Wieder brach ich mit Panikattacken und Anpassungsstörung zusammen. Diesmal kam ich in die psychiatrische Reha.

Wie weit möchtest du gehen?

Ein letzter Gedanke

Anna ist heute auf einem guten Weg. Nach der Klinik begann sie eine Therapie. Sie lernte ihre Muster kennen. Sie verstand, warum sie nicht gehen konnte.

Und sie kündigte. Zwei Jahre später als Julia. Aber sie tat es.

Heute sagt sie: "Ich wünschte, ich hätte früher hingeschaut. Aber ich bin dankbar, dass ich es überhaupt getan habe."

Es ist nie zu spät, hinzusehen. Es ist nie zu spät, dir selbst treu zu werden. (Diesen Freitag erscheint der vollständige Artikel dieses Praxisbeispiels mit vielen Hintergrundinformationen zu den Glaubenssätzen und Überlebensstrategien der beiden Frauen.)

Mir konnte in den diversen Therapien und meinen selbstbezahlten Coachings damals nicht geholfen werden, da niemand Fawn Response zu diesem Zeitpunkt kannte, ich nach außen völlig unauffällig war (weil so angepasst und “normal”) und meine Diagnose nicht auf ein kindheitsbedingtes Trauma hinwies. Ich bin diesen langen und ziemlich harten Weg der Erkenntnis in den letzten 15 Jahren durch Reflexion selbst gegangen.

Mein Motto, dass mich bis heute getragen hat:

Nur wer den Mut hat über seinen Schatten zu springen, nährt sich dem Licht
(Hanna Salman)

Lange Zeit habe ich dieses Zitat nicht einmal verstanden - aber es hat mich magisch angezogen - heute weiß ich, was es mir viele Jahre lang hat sagen wollen.

Deine nächsten Schritte

Wenn du tiefer einsteigen möchtest in die Arbeit mit deinen Glaubenssätzen, Überlebensstrategien und dem Weg zu authentischer Verbundenheit und bereit bist, bestehende Konzepte zu hinterfragen, dann lade ich dich ein:

👉 Folge mir auf Steady für wöchentliche Newsletter mit Tiefgang:

👉 Werde Mitglied und erhalte jeden Monat u.a. einen umfangreichen Selbstreflexions-Artikel:

Ich teile regelmäßig Impulse, Geschichten und Reflexionen zum Thema "Unverbogen im Job" – wie du aufhörst, dich selbst zu verraten, und anfängst, dir selbst treu zu sein.

Weiterlesen
https://steady.page/de/696d25a7-a0e8-49cc-9ff2-60db82f2e31a/posts/ab8ba0a8-bba5-4ad8-9ce5-2fdde1f308ff (Si apre in una nuova finestra)https://steady.page/de/696d25a7-a0e8-49cc-9ff2-60db82f2e31a/posts/e2f818f6-b13e-4d6e-8ce7-6c2c13c1cdff (Si apre in una nuova finestra)https://steady.page/de/696d25a7-a0e8-49cc-9ff2-60db82f2e31a/posts/b6908335-5884-4710-963a-60fd0f04f797 (Si apre in una nuova finestra)https://steady.page/de/696d25a7-a0e8-49cc-9ff2-60db82f2e31a/posts/5b438045-397a-48b0-afbc-8b71ba26fd99 (Si apre in una nuova finestra)

Argomento Bewusstsein & Wandel

0 commenti

Vuoi essere la prima persona a commentare?
Abbonati a Unverbogen im Job e avvia una conversazione.
Sostieni