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Mit Podcaster:innen am Lagerfeuer sitzen

Willkommen beim Text & Podcast Magazin! Ich bin Valerie Wagner, Podcasterin und Journalistin aus Südbaden. In diesem Newsletter stelle ich dir regelmäßig spannende Trends, Diskussionen und (Geheim-)Tipps aus der Podcast-Welt vor – gründlich recherchiert, fundiert eingeordnet und präzise kommentiert. Ich höre, lese und analysiere für dich, damit du den Überblick behältst. 🎧 📖

Heute mit folgenden Themen:

  • Das Content-Fundstück der Woche – eine feste Rubrik im Content Mosaik Podcast

  • CampfireFM: Warum ein neues Podcast-Tool am eigentlichen Problem vorbeigeht

  • Neuigkeiten aus der Podcast-Szene

thema 1

Das Content-Fundstück der Woche – eine feste Rubrik im Content Mosaik Podcast

Lars und ich haben eine neue Folge für den Content Mosaik Podcast aufgenommen. Eine unserer festen Rubriken ist das „Content-Fundstück der Woche“. Diesmal stellte Lars das Tool Campfire vor, das ich getestet habe (siehe Thema 2). Im Podcast diskutieren wir darüber. Hier hörst du schon einen Ausschnitt in unsere Rubrik.

Ich schätze feste Rubriken in Podcasts. Sie geben Struktur und erleichtern z. B. unter anderem die Produktion.

Warum ich feste Rubriken empfehle:

  • Sie bieten Orientierung für Hosts und Hörer:innen.

  • Sie strukturieren das Gespräch und verhindern zielloses Geplauder.

  • Wiederkehrende Elemente schaffen Vertrauen und machen die Länge des Podcasts kalkulierbar. Meistens platzieren wir Rubriken im vorderen und hinteren Drittel.

  • Sie fördern Wiedererkennung und stärken das Branding.

  • Für mich als Produzentin erleichtern sie den Schnitt und liefern Audio-Snippets für Instagram & Co.

Falls du jemanden kennst, der diesen Newsletter auch bekommen sollte, dann leite ihn gerne weiter. Ich freue mich sehr über deinen Support. 🎙️🧡

THEMA 2

CampfireFM: Warum ein neues Podcast-Tool am eigentlichen Problem vorbeigeht

CampfireFM verspricht, das "soziale Netzwerk für Podcaster:innen" zu werden. Die Idee: Hörer:innen sollen sich direkt mit Hosts austauschen, exklusive Bonusinhalte erhalten und Podcasts "authentischer" erleben können. Doch bereits bei der Grundannahme wird ein entscheidendes Problem übersehen.

Wie das funktionieren soll, bleibt mir schleierhaft. Podcasts funktionieren anders als Live-Medien. Sie werden vorab produziert, geschnitten und veröffentlicht – der direkte Austausch während des Hörens ist strukturell unmöglich. Was CampfireFM als Innovation verkauft, existiert bereits: in Discord-Servern, Facebook-Gruppen und unter YouTube-Videos. Jana von Soundbett (Si apre in una nuova finestra) sieht das ähnlich und liefert in ihrem Newsletter (Si apre in una nuova finestra) weitere Infos. Das hat mich zu einer eigenen Recherche motiviert.

Das Boys-Club-Problem wird zum Systemfehler

Jana schreibt:

„Das braucht kein Mensch. […] Viel interessanter: Die App ist ein reiner Boys-Club. Gründer, Investoren, erste Partner-Podcasts – alles Männer. Wie kann das 2025 noch passieren, ohne dass jemand fragt: Läuft hier nicht was falsch?"

Die Zahlen sprechen für sich: Von neun Partner-Shows stammen acht von männlichen Hosts oder männlich dominierten Teams. Inzwischen ist Der Sophie Passmann Podcast dabei – eine Frau unter acht männlich geprägten Formaten. Mit ihr sitzen am virtuellen Lagerfeuer: Baywatch Berlin, Einfach mal Luppen, Apokalypse & Filterkaffee, OMR Podcast, Geschichten aus der Geschichte, Beisenherz und Polak – Friendly Fire und Dudes.

Diese reichweitenstarken Podcasts dominieren, Indie-Podcaster fehlen völlig. CampfireFM verstärkt diese Machtkonzentration, statt sie aufzubrechen. Das Tool wird zur geschlossenen Gesellschaft für bereits etablierte Formate. 

Technische Schwächen, fragwürdige Versprechen

Schon die Website von CampfireFM irritiert: Es fehlt ein Pressebereich, obwohl es Pressemitteilungen geben muss – darauf beziehen sich rnd (Si apre in una nuova finestra), Meedia, podcast.de (Si apre in una nuova finestra) und andere. Ein Impressum gibt es, aber es ist nicht klickbar. Ziemlich merkwürdig für ein Tech-Startup.

Laut podcast.de haben Tobias Bauckhage und Sascha Lobo Campfire mitgegründet. Beide erwähnen das auf LinkedIn. Toni Kroos finanziert das Projekt mit. Micky Beisenherz bewirbt es so: „Diese Folge wird dir präsentiert von CampfireFM, der neuen supergeilen Social-Media-Podcast-Player-App. Hören, mitlabern, mitkommentieren, diskutieren. Social Media, aber halt in gut."

Soll CampfireFM also auch ein Podcatcher sein? Der Beisenherz-Podcast wird auf podigee gehostet, Campfire wird dort nicht als Podcatcher aufgeführt. Versucht man hier, ein Bedürfnis zu schaffen, das niemand hat?

Die Gründer: Erfahrung trifft auf Wiederholung 

Tobias Bauckhage ist Mitgründer und Co-Geschäftsführer von Studio Bummens, produziert bekannte Shows und verantwortet Finanzen und Vertrieb. Am 19. Mai übernahm ProSieben die Anteilsmehrheit von Studio Bummens. Auf LinkedIn schreibt er:

„Ich habe noch nie mit einem Medium gearbeitet, das so viel Nähe und Loyalität erzeugt wie Podcasts. […] Trotz dieser Nähe fehlt Podcasts ein Gemeinschaftsgefühl. Mit CampfireFM wollen wir das ändern."

Sascha Lobo kennt das Geschäft mit digitalen Communities. 2013 stellte er Sobooks vor, eine Plattform für E-Book-Inhalte und Leserkommentare. 2018 wurde Sobooks wegen Konzeptproblemen und der Datenschutzgrundverordnung eingestellt. Nun also Campfire. In der Pressemeldung erklärt er:

„Ich caste seit vielen Jahren begeistert pod – aber vermisse dabei oft die wichtigste Erfindung unseres Social-Media-Jahrhunderts: den Rückkanal […] Der Grund übrigens, warum es das bisher nicht gibt: Es geht nur mit generativer Künstlicher Intelligenz."

Was genau nur mit KI funktionieren soll, bleibt unklar.

Das Tool wurde am 7. Mai 2025 auf der OMR (Si apre in una nuova finestra) vorgestellt. Wo auch sonst. 😉

Mein CampfireFM-Test: Viel Lärm um wenig

Disclaimer: Ich höre die teilnehmenden Podcasts nicht regelmäßig und habe sie nicht abonniert. Für diesen Newsletter habe ich mich durch die Sendungen und Campfire gekämpft, damit du es nicht musst.

Campfire verspricht „soziales Netzwerk für Podcaster:innen" mit Austausch und direktem Kontakt zu Hosts. Bevor ich in die Timeline komme, muss ich die Community-Richtlinien akzeptieren: respektvoller Umgang, keine Beleidigungen, keine Eigenwerbung.

Die Realität: Hosts posten, das Publikum kommentiert wohlwollend, Hosts antworten – oder auch nicht. Echte Interaktion? Fehlanzeige. Die Kommentare und Likes stammen größtenteils von Hosts anderer Shows. 

Technisch konnte ich die App nicht vollständig testen, da meine Sendungen nicht zu den reichweitenstarken Podcasts gehören. Was ich sah, wirkte wie eine weitere Timeline mit den üblichen Verdächtigen.

Fazit: Lösung ohne Problem 

CampfireFM löst ein Problem, das bereits gelöst ist, und schafft dabei neue: Es zementiert bestehende Machtstrukturen in der Podcast-Landschaft und bietet wenig mehr als das, was Discord, Reddit oder YouTube-Kommentare bereits leisten. 

Statt eines weiteren Tools für etablierte Shows bräuchte die deutsche Podcast-Szene Plattformen, die Vielfalt fördern und kleineren Stimmen Raum geben. CampfireFM geht in die entgegengesetzte Richtung.

Falls du jemanden kennst, der diesen Newsletter auch bekommen sollte, dann leite ihn gerne weiter. Ich freue mich sehr über deinen Support. 🎙️🧡

THEMA 3

News aus der Podcast-Szene

Bis bald,

Valerie

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Ich bin Valerie Wagner, Multi-Podcasterin und Journalistin aus Südbaden, und in diesem Newsletter gehts ums Texten und Podcasting. Ich freue mich, wenn du den Newsletter weiterempfiehlst, meine Podcasts abonnierst und und teilst. Vielen Dank! 

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