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#49 HC Strache ist Bezirksrat in Floridsdorf.

Und um ihn geht es heute nicht.

Denn seine Anwesenheit verändert den Charakter der ersten öffentlichen Bezirksvertretungssitzung des Jahres nicht.

Was mich seit vielen Monaten beschäftigt – und was ein wesentlicher Treiber dieses Newsletters ist – liegt woanders. Dazu komme ich gleich.

Was mich wachhält, ist die wachsende Lücke zwischen dem, was politisch passiert, und dem, was davon sichtbar wird. Diese Lücke hat Folgen. Sie prägt, wie wir als Bevölkerung auf Politik reagieren: mit Interesse, mit Abwehr – oder mit Gleichgültigkeit.

Die Sitzung in Floridsdorf war handwerklich korrekt. Pragmatisch. Anfragen wurden gestellt, Berichte vorgetragen, Anträge abgestimmt. Vier Stunden lang. Für alle, die glauben, Politik bestehe vor allem aus leidenschaftlichen Debatten: Fehlalarm. Diskussionen gab es wenige. Vieles wurde routiniert abgearbeitet. Das ist nicht falsch. Aber es fühlt sich trocken an. Für jene, die zuschauen, wirkt es schnell langweilig. Der Ansporn, sich selbst in diese Arena zu stürzen - überschaubar.

Ja, es gibt einen Livestream. Transparenz ist also theoretisch vorhanden. Praktisch bleibt sie oft wirkungslos. Denn die Inhalte, die Kontexte, die Konfliktlinien erschließen sich Außenstehenden kaum. Schriftliche Beantwortungen von Anfragen sind schwer auffindbar oder gar nicht einsehbar. Man sieht, dass etwas passiert – aber nicht, warum es relevant ist. Transparenz, die nicht verstanden wird, kommt nicht an.

Was ankommt, sind andere Botschaften.

Die eigentliche Diskussion findet längst woanders statt. Auf Social Media. In Kommentarspalten, in Stories, in Reels. Dort wird Politik nicht erklärt, sondern zugespitzt. Nicht ausgehandelt, sondern verstärkt. Oft mithilfe von Werbeanzeigen. Und genau hier wird es interessant. Man kann sich vielleicht dagegen wehren, aber sich dessen bewusst werden, lohnt sich meiner Meinung nach schon. Hier zum Beispiel: Diese Grafik zeigt die Werbespendings in Österreich. Eine Gesamtsumme seit 2019 bis heute. Knappe 30 Millionen Euro wurden demnach für Werbung auf Meta ausgegeben, davon knappe zehn Millionen davon in Wien.

Top 20 Werbetreibende in Österreich seit 2019.
Top 20 Werbetreibende in Österreich seit 2019.

Auf den Plattformen von Meta – also Facebook und Instagram – muss seit 2019 offengelegt werden, wer wie viel Geld für politische und gesellschaftliche Werbung ausgibt. Ein Blick in diese Werbebibliothek zeigt schnell: Manche Parteien und Organisationen investieren massiv in Sichtbarkeit. Mit Abstand am meisten Geld fließt in bezahlte Reichweite, vor allem in Wahlkampfzeiten. Wer möchte, kann sich dort im Detail ansehen, welche Botschaften (die konkreten Werbeanzeigen) mit welchem Budget wie viele Menschen erreichen.
Den Link zur Meta-Werbebibliothek findest du hier. (Si apre in una nuova finestra)

Screenshot der Werbebibliothek von Meta.
Screenshot der Werbebibliothek von Meta.

Kommunikation für Ja-Sager?

Diese Form der Kommunikation ist effizient. Sie erreicht genau jene, die ohnehin zustimmen oder sich leicht aufregen lassen. Auseinandersetzung wird dadurch nicht notwendig – und oft auch nicht gewünscht. Diskussion ist anstrengend. Werbung ist berechenbar. Und vielleicht haben wir uns alle ein Stück weit daran gewöhnt, unsere Informationsräume so einzurichten, dass sie bestätigen, was wir ohnehin denken.

Was uns betrifft, berührt uns nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund wirkt lokale Politik plötzlich doppelt leise. Dabei geht es dort um Baustellen, Verkehr, Infrastruktur – Themen, die uns betreffen, auch wenn sie uns nicht immer berühren. Die politische Arbeit ist administrativ, Informationen werden auf Papier über unterschiedlichste Kanäle geteilt und dokumentiert. Sogar innerhalb der teilnehmenden Akteur*innen in den Sitzungen ist nicht immer klar, was wo zu finden ist.

Genau hier setzt ein Projekt wie Digipol an: Die Bezirksarbeit soll digitaler, einheitlicher und schneller nachvollziehbar werden. Anträge, Abänderungen und Protokolle sollen künftig effizienter erfasst und veröffentlicht werden. Das ist sinnvoll. Es verbessert Abläufe innerhalb der politischen Arbeit. Für die Außenwirkung allerdings wird auch das nur begrenzt etwas ändern. Denn mehr Dokumente bedeuten noch kein besseres Verständnis. In Floridsdorf wird das Projekt in den kommenden zwei Jahren umgesetzt. Theoretisch rechtzeitig vor der nächsten Wahlsaison. Dafür gemacht zu sein, um die Bevölkerung von politischen Debatten und der eigentlichen Schönheit der Demokratie zu überzeugen, scheint Digipol nicht.

Genau deshalb schauen wir hier genauer hin.

Nicht, um jemanden bloßzustellen. Nicht, um Politik lächerlich zu machen. Sondern um zu übersetzen. Um Zusammenhänge sichtbar zu machen. Um zu fragen: Was ist die Geschichte? Was läuft gut? Wo hakt es? Was wird entschieden – und was bleibt liegen? Es muss doch möglich sein, lokale Politik so zu erzählen, dass sie verständlich wird. Nicht als geplante Überzeugungsarbeit über Werbebotschaften, sondern als gemeinsamer Gesprächsraum.

Ein paar Ideen dazu habe ich. Es wird nicht langweilig. Hoffe ich.

KULTURTIPPS

Theater in der Josefstadt

Fotocredit: Lex Karelly

Vielleicht ist es besser, dass diese Geschichte als Puppenspiel aufgeführt wird: „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ erzählt die wahre Geschichte von Friedrich Zawrel, der im Nazi-Österreich vom angeblich „sachverständigen“ Anstaltsarzt gefoltert wurde – und Jahrzehnte später seinem Peiniger wieder begegnet. Ein eindringliches, dokumentarisches Theaterstück über Gewalt, Erinnerung und späte Gerechtigkeit.

Montag, 16.02.2026 – 19:30 Uhr
Theater in der Josefstadt
Josefstädter Straße 26, 1080 Wien

Krush Groove + Live-Gig von Kurtis Blow

https://www.youtube.com/watch?v=herEmuXyoDM&t=1s (Si apre in una nuova finestra)

Ein 40-Jahre-Jubiläums-Screening des Kult-Hip-Hop-Films Krush Groove aus den 1980er-Jahren mit anschließendem Q&A und Live-Auftritt der Hip-Hop-Legende Kurtis Blow, der zu den prägenden Figuren der frühen Rap-Geschichte gehört und an diesem Abend im Gartenbaukino gefeiert wird.

Donnerstag, 19.02.2026 – 20:00 Uhr
Gartenbaukino
Parkring 12, 1010 Wien

Gustave Courbet - Realist und Rebell

GUSTAVE COURBET, Der Ursprung der Welt, 1866 © Paris, musée d‘Orsay, Foto: Grand Palais RMN (Musée d’Orsay)/Hervé Lewandowski
GUSTAVE COURBET, Der Ursprung der Welt, 1866 © Paris, musée d‘Orsay, Foto: Grand Palais RMN (Musée d’Orsay)/Hervé Lewandowski

Die erste große Einzelausstellung des französischen Realismus-Pioniers in Österreich, die einen umfassenden Überblick über sein Werk von frühen Selbstporträts und sozialkritischen Szenen bis zu Landschaften und sinnlich aufgeladenen Akten bietet.

19.02.2026 – 21.06.2026 – täglich 10:00 – 18:00 Uhr
Leopold Museum
Museumsplatz 1, 1070 Wien

Wir lesen uns nächsten Sonntag. Bis dahin wünsche ich dir eine gute Zeit!
Alexandra Folwarski, Herausgeberin Wiener Flâneur

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