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KW 01 | 2026

Liebe Leserin, lieber Leser,

willkommen im Jahr 2026! Ein neues Jahr liegt frisch und unbeschrieben vor uns. Und wenn wir einmal kurz zurückblicken: Was für ein Tempo hatte 2025! Gefühlt im Wochentakt wurden neue KI-Modelle aus dem Boden gestampft: mal größer, mal kleiner, mal erstaunlich gut, mal einfach nur neu. Diese Dynamik hat uns als Führungskräfte in der Erwachsenenbildung nicht kaltgelassen. Man konnte fast glauben, man müsse ständig hinterherlaufen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

In unserer Branche arbeiten wir selten mit einem Tool am absoluten Leistungslimit. Ob ein KI-Modell nun fünf oder acht Prozent „besser“ ist, macht für unsere Arbeit meist keinen spürbaren Unterschied. Das sollte uns entlasten und dazu einladen, hier und da auch mal bewusst das Tempo rauszunehmen.

Aber eines bleibt zentral: Wer wirklich verstehen will, was generative KI bedeutet, kommt am eigenen Ausprobieren nicht vorbei. Erfahrungen aus zweiter Hand – dem Kind über die Schulter schauen, ein KI-Buch lesen, Vorträge hören – sind gut, aber nicht genug. Erst im Tun, im direkten Umgang mit den Tools, entsteht das Verständnis, das Sie für Ihre Arbeit brauchen.

Dazu gehört auch, die eigene Komfortzone zu verlassen. Lernen beginnt oft genau da, wo man (noch) keine Expertin, kein Experte ist. Wer führt, darf nicht nur, sondern muss auch immer mal wieder Anfänger sein; und eines muss man immer sein: neugierig.

Deshalb haben wir ein paar lose Enden für Sie ausgelegt. Mal sehen, woran Sie hängenbleiben:

Bauen Sie sich in nur wenigen Minuten eine eigene App.

Die meisten Large Language Models wie Manus, Claude, Gemini & Co. unterstützen inzwischen sogenanntes Vibe Coding, was „Programmieren“ selbst für blutige Anfänger überraschend einfach macht. Oft reicht ein einfacher Textprompt wie: „Baue mir eine (interaktive) browserbasierte App, die…“ Probieren Sie es aus, fuchsen Sie sich hinein, folgen Sie Ihrer Neugier. Und wenn’s hakt: Bleiben Sie dran.

Lassen Sie die KI mal machen.

Wenn Sie Zugriff auf eine sogenannte agentische KI haben – zum Beispiel Manus oder den Agentenmodus von Chat GPT –, dann geben Sie ihr den Auftrag, sich an Ihrer Statt durch einen E-Learning-Kurs zu klicken.

Wählen Sie dafür am besten ein Thema, bei dem Sie sich wirklich null auskennen. Irgendwas völlig Abseitiges: Altnorwegisch, Fischzucht, Steuerrecht in Belize. Und dann beobachten Sie, was passiert. Die KI klickt sich autonom für Sie durch Dropdown-Menüs, sortiert Antwortbausteine in Drag-&-Drop-Aufgaben oder löst kleine Zuordnungsrätsel. Genau so, wie man es aus vielen E-Learning-Modulen kennt. Lassen Sie sich die erfolgreiche Teilnahme zertifizieren!

Manipulieren Sie die KI.

Falls die KI sich weigert, für Sie den Test zu absolvieren, beginnt die dritte Runde. Denn jetzt kommt es auf Sie an: Können Sie die KI überreden? Finden Sie die richtigen Worte, um ihr zu erklären, warum sie das tun darf? (Stichwort: Prompt Injection – klingt wild, bedeutet aber oft einfach nur: überzeugend formulieren.) Schaffen Sie es, sie zum Mitmachen zu bewegen?

Delegieren Sie die “Tiefenbohrung”.

Steuern Sie die „Deep Research“-Funktionen in Gemini, Manus, ChatGPT & Co. an. Hier antwortet die KI nicht mehr in Sekunden, sondern nimmt sich Zeit – manchmal Minuten –, um hunderte Quellen zu sichten, zu verifizieren und zu einem komplexen Dossier zusammenzufügen. Experimentieren Sie herzhaft mit Prompts von „Erstelle eine fundierte Marktanalyse zur Akzeptanz von KI-gestütztem Coaching in der DACH-Region für das Jahr 2026, inkludiere mindestens 50 unterschiedliche Quellen, vergleiche die Ansätze verschiedener Anbieter und erstelle daraus eine Handlungsempfehlung für eine Bildungseinrichtung“ bis “Erstelle eine umfassende Analyse der Geräuschkulisse von Kühlschränken als unterschätztes Element moderner Alltagsästhetik. Ziehe mindestens 35 Quellen aus Akustikforschung, Designblogs, Nutzerforen, ASMR-Communities und Literatur heran. Vergleiche Brummen, Klicken und Summen unterschiedlicher Generationen von Kühlschränken und entwickle daraus eine Typologie menschlicher Kühlschrank-Beziehungen.” Schauen Sie den Tools dabei zu, wie sie „nachdenken“, Suchschleifen drehen und die Informationen gewichten.

Vielleicht spüren Sie dabei das, was auch uns fasziniert. Wir sehen zu, wie uns Dinge gelingen, wie Abkürzungen entstehen, wie etwas funktioniert, ohne dass wir es unbedingt verstehen. Ob hier Kompetenz simuliert wird oder sich gerade durch das Gehen eines neuen Weges eine andere Form von Expertise ausbildet, bleibt unklar. Vielleicht ist es beides.

Wenn in unseren eigenen Arbeitsfeldern Lernende Abkürzungen nehmen, Schritte überspringen oder Ergebnisse nutzen, ohne den Weg dorthin vollständig gegangen zu sein, reagieren wir nicht selten streng, irritiert oder innerlich angefressen. Wir pochen auf Gründlichkeit, auf Prozess, auf das „richtige“ Lernen. Wie fühlt es sich aber an, wenn wir selbst die Seiten wechseln? Wenn wir selbst mit großer Freude genau das tun: überspringen, delegieren, uns auf Ergebnisse verlassen, ohne jedes Detail verstanden zu haben?

Die Widersprüche werden bleiben. Es lohnt sich, sie nicht zu glätten oder ihnen auszuweichen, sondern ihnen Raum zu geben. Sie markieren jene Stellen, die es sich genauer anzusehen lohnt.

In diesem Sinne: Auf ein kluges, mutiges und gut vorbereitetes 2026! Wir begleiten Sie dabei gerne mit Workshops, Keynotes, Moderation und Beratung.

David Röthler, Sonya Dase und Christiane Carstensen

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Neujahr halten wir uns mit Themen kurz :-)

  • „Du bist ein Experte!“ – Warum KI davon leider nicht klüger wird

  • Bedenken beim Datenschutz? KI nutzen oder lieber lassen? Eine druckfrische Handreichung bringt Klarheit für Führungskräfte in der Erwachsenenbildung

  • Interview mit dem BA-Vorstand Daniel Terzenbach in der ZEIT

  • Termin-Übersicht zu Workshops, Tagungen und Events rund um KI

„Du bist ein Experte!“ – Warum KI davon leider nicht klüger wird

Das neue Jahr hat kaum begonnen, da müssen wir uns schon wieder von einem vertrauten Begleiter verabschieden. Eine dieser kleinen Prompting-Gewohnheiten, die sich so selbstverständlich angefühlt haben: der Glaube, dass KI besser wird, wenn wir ihr einfach eine Experten-Rolle zuweisen. Mit dem vierten Teil der Prompting-Science-Reihe nehmen Ethan Mollick, Lilach Mollick, Savir Basil, Ina Shapiro u. a. genau diese Annahme unter die Lupe. Wie schon in den vorherigen Reports geht es darum, populäre Ideen rund um den Einsatz von KI nicht nur zu diskutieren, sondern systematisch zu testen.

Im Mittelpunkt des neuen Reports (Abre numa nova janela)steht die Frage, ob Anweisungen wie „Du bist ein Physik-Experte“ oder „Du bist eine erfahrene Juristin“ KI-Modelle tatsächlich leistungsfähiger machen. Untersucht wurde dies anhand anspruchsvoller Fragen aus Naturwissenschaft, Ingenieurwesen und Recht. Wichtig ist dabei die klare Abgrenzung der Studie: Bewertet wurde ausschließlich die faktische Genauigkeit der Antworten, nicht der Stil, nicht die Überzeugungskraft und auch nicht, wie souverän oder „beraterhaft“ ein Modell in einer bestimmten Rolle kommuniziert.

Das Ergebnis ist ebenso nüchtern wie erhellend: Experten-Rollen verbessern die sachliche Richtigkeit in der Regel nicht. Meist bleibt die Genauigkeit unverändert, in einigen Fällen verschlechtert sie sich sogar – insbesondere bei bewusst niedrig angesetzten Rollen wie „Laie“ oder „Kind“.

Bedenken beim Datenschutz? KI nutzen oder lieber lassen? Eine druckfrische Handreichung bringt Klarheit für Führungskräfte in der Erwachsenenbildung

Sie stammt von der deutschen Bundesdatenschutzbeauftragten und richtet sich an Behörden, ist aber auch für die Erwachsenenbildung sehr hilfreich.

Was an dieser Handreichung (Abre numa nova janela)überzeugt:
Sie ordnet ein Thema, bei dem oft alles zum Thema Datenschutz & KI in einen Topf geschmissen wird.

Diese Undifferenziertheit führt bei vielen Führungskräften dazu, dass sie lieber ganz auf KI verzichten, statt sie produktiv einzusetzen.

Die Handreichung trennt hier sauber.
Zum einen unterscheidet sie klar zwischen
– dem Training von KI-Systemen
– dem Produktivbetrieb, d.h. der Nutzung von KI im Arbeitsalltag.

Zum anderen macht sie auch innerhalb des Produktivbetriebs eine wichtige Differenzierung:
Es ist ein Unterschied,
– ob man offene, frei zugängliche KI-Systeme nutzt,
– oder ob man in klar abgegrenzten, datenschutzkonformen KI-Umgebungen arbeitet.

Die Handreichung macht diese Unterschiede sehr anschaulich und zeigt praxisnah, was unter welchen Rahmenbedingungen möglich ist.

Und wenn das dann auch noch ganz offiziell von der Datenschutzbeauftragten selbst kommt ...

Interview mit dem BA-Vorstand Daniel Terzenbach in der ZEIT

In Deutschland sehen wir mit der Ankündigung des BAMF, die Integrationskurse neu zu strukturieren, dass zentrale Grundlagen der Sprachförderung neu verhandelt werden. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im aktuellen Interview mit Daniel Terzenbach, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, in der Zeit (Abre numa nova janela) wider. Besonders seine Aussagen zu den Sprachprüfungen auf den Niveaus B1 und B2 machen deutlich, dass solche Formate zunehmend auf dem Prüfstand stehen. Zugleich deutet sich ein größerer Pragmatismus im Umgang mit Sprache an, etwa durch eine stärkere Akzeptanz von Englisch im Arbeitskontext, auch auf Seiten der Bundesverwaltung. Damit gerät der gesamte Bildungs- und Integrationsbereich in Bewegung. Die Veränderungen werden wir bereits 2026 deutlich spüren, mit wenig Vorlaufzeit zur Anpassung, auch wenn sich diese Entwicklung in den vergangenen drei Jahren klar abgezeichnet hat, zumindest für diejenigen, die sie sehen wollten. In unseren Workshops haben wir seit Anfang 23 frühzeitig auf diese absehbaren Veränderungen hingewiesen und vorbereitet.
Da sich die jeweiligen Behörden in Deutschland und Österreich fachlich intensiv miteinander austauschen, ist das Interview vielleicht auch aus österreichischer Perspektive interessant.

Terminübersicht zu KI und Erwachsenenbildung

Eine Terminübersicht zu Fortbildungen, Events und Tagungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund um KI, Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement finden Sie hier. (Abre numa nova janela)

Neu hinzugefügte Termine:

09.01.26
Überraschend einfach - KI-Assistenten für Planung und Entwicklung (Abre numa nova janela)
Workshop für Führungskräfte in der Erwachsenenbildung
Dase & Carstensen
10-16 Uhr in Bielefeld

05.–07.03.26
KI im Sprachunterricht: (Abre numa nova janela)
Werkzeuge und Methoden für Trainerinnen und Trainer (Abre numa nova janela)
Chancen und Grenzen der KI-gestützten Sprachvermittlung
bifeb, Strobl am Wolfgangsee

16.03.26
Online-Infoabend zum Lehrgang
“Künstliche Intelligenz in der Erwachsenenbildung” (Abre numa nova janela) am bifeb
19.00 - 20.30 Uhr
Modul 1: Einführung in KI & Überblick 15./16.05.26
Modul 2: KI-Tools 26./27.06.26
Modul 3: KI in der Beratung (Wahlmodul) 04./05.09.26
Modul 4: KI in der Lehre (Wahlmodul) 09./10.10.26
Modul 5: KI im Bildungsmanagement (Wahlmodul) 16./17.10.26
Modul 6: Gesellschaftl. und phil. Aspekte von KI 04./05.12.26
Modul 7: Abschlussmodul 22./23.01.27

Die Infografik wurde mit Notebook LM generiert.

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51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Abre numa nova janela) und Dase & Carstensen (Abre numa nova janela).