Warum Bezeichnungen, die Produkte nach Geschlecht sortieren, keine Lappalie sind, sondern ein Puzzlestein in der zunehmenden Geschlechtertrennung und enger werdenden Rollenbildern und Normen.
Langer Stiel für den Gärtner, kurzer für die Dame – ganz einfach, oder? Schließlich sind alle Männer groß und langarmig, alle Frauen zierlich und kurzgliedrig. So steht’s im Biologie-Buch von 1953. Oder im Baumarktkatalog, der offenbar aus dem gleichen Jahr stammt.

Schreibt dran, WAS es ist und nicht für WEN !
Natürlich könnte man berücksichtigen, dass sich die Körpergrößen von Männern und Frauen im Bereich zwischen 1,60 m und 1,90 m stark überschneiden – aber das wäre ja Aufwand. Lieber die alte Hackordnung beibehalten: Der Mann soll zum Gärtnerspaten greifen, die Frau zum Damenspaten. Bei Kritik an ihrem Gendermarketing antworten Firmen erfahrungs- und sinngemäß: “Wir schreiben da niemandem etwas vor, sie können natürlich auch den jeweils anderen xx kaufen”. Oder in anderen Worten:
“Wir schreiben drauf, was Ihnen egal sein soll.”
- okay, aber wozu dann das Geschlechterlabel?
Ergonomische Passform bei Rucksäcken, Körpergröße bei Fahrrädern, Handgröße bei Gartenhandschuhen… das wäre wohl zu einfach. Aber das Marketing macht lieber den Gärtner zum Bock und den Spaten zum Tool, das den Geschlechtergraben weiter aushebt – Schaufel für Schaufel, Generation für Generation.
Hauptsache, wir säen weiter fleißig Unterschiede, wo es gar keine geben müsste. Dann können wir später wieder mit großen Augen über die Wunder der Sozialisation staunen. Und uns dabei unschuldig die Hände in Gartenerde waschen. … Danke, wir finden selbst zur Tür.

Achso, by the way:
der Durchschnittsmann in Hamburg ist 1,83 Meter und in Thüringen 1,72 Meter groß. Vielleicht sollte es in Zukunft besser Hamburger-Spaten und Thüringer -Spaten geben, wo “Damen” oder pinke “Ladys” im Garten sowieso nicht viel umgraben? Nein? Aber wo Sexismus ist, kommt der Rassismus oft gleich um die Ecke, also warum nicht gleich West-Spaten und Ost-Spaten? Ach, da hört’s dann auf? Oder kommt das erst noch?
Und noch was:
In der Jägerinnen- und Sammler-Zeit, also bis ca. 10.000 v. Chr., waren Männer und Frauen ähnlich groß.
(Abre numa nova janela)Der sexuelle Dimorphismus, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, war damals geringer. Das liegt daran, dass alle Geschlechter zur Nahrungssuche beitrugen, die körperlichen Anforderungen an die Geschlechter waren vergleichbar, die Ernährung auch. In Jägerinnen- und Sammlergruppen war die soziale Hierarchie meist flacher, und alle Geschlechter hatten einen vergleichbaren Zugang zu Nahrung und Ressourcen. Es gab weniger kulturelle oder soziale Bevorzugung eines Geschlechts, was sich auch in ähnlichen Wachstumsbedingungen und damit in der Körpergröße niederschlug.
Bunte Grüße
von Almut & Sascha
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