Hallo,
diese Woche ist ein weiterer Text von mir zum Thema Gender Disappointment (Abre numa nova janela) erschienen, und da es schon der dritte war, bin ich jetzt anscheinend Expertin. Zumindest habe ich ein paar Anfragen dazu bekommen.
So schnell kann es gehen.
Ich wurde auch schon mal als Expertin zur Lage der Frauen in Afghanistan interviewt und erst vor kurzem sprach ich in einem Podcast über Geschlechterrollen während der Industrialisierung. Zu Afghanistan würde ich mich heute nicht mehr äußern. Wie viel ich über die Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts weiß, hat mich aber fast selbst überrascht. Link zum Podcast folgt, sobald man ihn hören kann.

Wie also wird man zum Experten oder zur Expertin? Die ehrliche Antwort: Medien ernennen einen dazu, und wie streng sie dabei die Qualifikationen prüfen, ist von Redaktion zu Redaktion unterschiedlich.
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Mir stößt zum Beispiel immer wieder auf, wie viele PaartherapeutInnen jede Woche ihre Ratschläge unters Volk bringen und wie viele davon nicht viel mehr vorzuweisen haben als ein bald erscheinendes Sachbuch mit provokanter These. Wenn Journalisten ganz schlampig sind, machen sie aus der Paartherapeutin dann auch noch eine Psychotherapeutin.
Über die Omnipräsenz von TherapeutInnen, die keine PsychotherapeutInnen sind, habe ich vor kurzem diese Kolumne für Übermedien geschrieben (Abre numa nova janela). Denn ich glaube: Für viele Menschen sind "Therapeuten" und "Psychotherapeuten" dasselbe. Der Titel Psychotherapeut ist aber geschützt und die Ausbildung genau vorgeschrieben. Paartherapeut, Sexualtherapeut, Traumatherapeut usw. kann sich jeder nennen.
Einige Kolleginnen und Paartherapeuten haben mir die Kolumne übel genommen und mir vorgeworfen, ich würde mich zu einseitig auf die Approbation als Gütesiegel stützen. Es gäbe auch zahlreiche Menschen ohne psychotherapeutische Ausbildung, die hervorragende Arbeit leisten. Und natürlich stimmt das.
Was ich eigentlich kritisiere, und vielleicht hätte ich mich da deutlicher ausdrücken müssen: eine mediale Vermischung von psychischen Krankheiten und deren Behandlung (also Psychotherapie) mit Lebenskrisen und deren Bearbeitung (also Paartherapie, Sexualtherapie, Erziehungsberatung, Coaching, …). Womit ich nicht sagen will, dass letzteres nicht wichtig ist - es ist nur etwas anderes.