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Co-Führung als Haltung Transformativer Autorität

Führung weiter denken bedeutet, die Logik zu verlassen, die autoritäre oder antiautoritäre Muster immer wieder hervorbringen.
Co-Führung als Gestaltung der Autoritätsbeziehung ist weder eine Mischform von autoritär und antiautoritär, noch ein neues Etikett für „alle entscheiden alles“. Co-Führung ist eine dritte Logik: klare Zuständigkeiten plus kooperative Verhandlung der Mitverantwortung für gemeinsame Ziele – würdewahrend und wirksam.

Im Kern geht es um eine veränderte Grundannahme (die wissenschaftlich verortet ist): Autorität ist kein Besitz, sondern ein Verhandlungsprozess, durch den Menschen freiwilliges Führen und Folgen überhaupt erst ermöglichen. Daher ist Co-Führung in der Haltung der Transformativen Autorität kein Strukturprojekt, das mensch durch ein neues Organigramm „einführt“ oder in Seminarreihen “trainiert”. Co-Führung stellt eine Praxisform dar, die sich in der Qualität von Beziehungen und durch die Art der Konfliktbearbeitung zeigt.

Zwei Aspekte sind dabei relevant:

  1. Co-Führung zwischen Autoritätsfunktionen (potestas)

    Formale Autoritätsfunktionen bleiben institutionell unterschieden/abgegrenzt. Co-Führung heißt damit nicht Aufgabenübernahme („ich mache deine Arbeit“), sondern Vernetzung in der funktionalen Verantwortung: Informationen teilen, Perspektiven einholen, Risiken gemeinsam prüfen, Entscheidungen tragfähig vorbereiten, Grenzen konsistent halten. Der Kern ist Kooperation statt Konkurrenz – auch über Hierarchieebenen/-grenzen hinweg.

  2. Co-Führung durch Mitarbeiter:innen in der Autoritätsbeziehung (auctoritas)

    Co-Führung bedeutet gleichzeitig, Mitarbeiter:innen systematisch für Führungsentscheidungen zu ermächtigen – dort, wo Entscheidungen tatsächlich verhandelbar sind: Arbeitsabläufe, Wege zur Zielerreichung, Prioritäten, Formen der Zusammenarbeit, Gestaltung von Ressourcen im Rahmen des Möglichen, …
    Das ist nicht „diffuse Verantwortung“ und auch nicht die Individualisierung von Lasten unter dem Label „Eigenverantwortung“ – sondern Mitverantwortung für das gemeinsame Ich-im-Wir.

Wichtig ist dabei eine klare Grenze: Unteilbares bleibt unteilbar. Alles, was aufgrund von Haftung, Gesetz oder nicht teilbaren Pflichten bei einer Potestasfunktion liegt, kann diese nicht in Co-Führung auslagern. Co-Führung ist damit weder Entmachtung noch Ausweitung formaler Autorität (potestas), sondern eine kluge Architektur von Verantwortungsorten, also Beziehungsorten.

Und noch etwas: Co-Führung ist kein Harmonieversprechen. Konflikte sind erwartbar – und in der Haltung Transformativer Autorität sogar bedeutsam, weil sie Autoritätsbeziehung gestaltbar halten. Den Unterschied macht, ob Beteiligte Konflikte als Machtkampf begreifen oder als kooperativen Klärungsprozess, der die Würde aller schützt und Beziehungen arbeitsfähig hält.

Warum Co-Führung in der Praxis weniger an „fehlenden Formaten“ scheitert als an nicht mehr hilfreichen inneren Mustern, welche Rolle innere Landkarten zu Autorität, Macht und Zusammenarbeit spielen, und wie sich Übergänge gestalten lassen, ohne in ein Autoritätsvakuum oder informelle Dominanz abzurutschen – das erkläre ich in meinem kleinen Essay zu Co-Führung.

Der ganze Text ist – als Dank – exklusiv für alle zugänglich, die meine Forschung als Crowdfunder:innen unterstützen.

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