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Live-Formate formen Gesellschaft

Hallo,

das ist der Media-Rewilding-Newsletter mit meinen Learnings dazu, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird.

Eigentlich wollte ich heute einen Blick auf Journalismus-Orte werfen. Aber letzte Woche habe ich auf zwei Veranstaltungen so viele interessante Impulse bekommen, dass ich davon erst einmal etwas an dich weitergeben möchte. Der Anlass: Ich durfte als Speaker auf der Konferenz wtf26 - we transform future in Frankfurt nicht nur mit großartigen Menschen sprechen, sondern auch Perspektiven aus der Eventbranche mitnehmen. (Von den spannenden Eindrücken aus meinem Panel bei den Lokalmedientagen in Nürnberg mit Anke Myrrhe vom Tagesspiegel und Lynn Nagy vom Zeitungsverlag Waiblingen berichte ich dann kommende Woche.)

Dieser Newsletter ist bislang kostenfrei. Leite ihn gerne an Menschen in Redaktionen, Verlagshäusern und Medienorganisationen weiter, die sich für das Thema interessieren. Und falls du diesen Newsletter von jemandem weitergeleitet bekommen hast, kannst du ihn hier abonnieren: media-rewilding.de
Brainstorming

Die wtf26 - we transform future ist eine jährliche Konferenz der Event-Branche mit viel Innovations-Spirit. Zumindest war mein Eindruck, dass sich dort Menschen treffen, die etwas bewegen wollen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich dort meine Gedanken zu Media Rewilding in einer Session mit Sabine Mayer (Creative Director Event und Inhaberin der dualen Weiterbildung treibhaus), Caro Franke (Kreativdirektorin und Senior-Konzeptdesignerin) und dem Journalisten Dirk von Gehlen (Director Think Tank am SZ-Institut) einbringen durfte.

Das Format war eine Art Think Tank auf der Bühne, der sich um eine sehr besondere Chance von Veranstaltungen drehte. Die These: Live-Formate formen Gesellschaft. Dazu haben wir alle einen Begriff mitgebracht. Bei mir war das natürlich „Beziehung“, Caro hatte „Dritte Orte“ auf dem Schild (was für mich ein Mega-Match war), Dirk plädierte für „Aufmerksamkeit“ (großartig: „Mehr Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeit“) und Sabine für „Grenzüberschreitung“ (Begegnungsräume entwickeln, die Grenzen überschreiten, um Menschen da zu erwischen, wo sie bereit sind, Dinge neu zu denken). Es war wirklich sehr inspirierend. Aber das war noch nicht alles.

Foto: Oliver Wachenfeld | fwd:

Ebenso spannend wurde es, als die vielen anderen Menschen im Raum ihre Perspektive einbrachten. Wir haben dazu ein interessantes KI-Beteiligungs-Tool genutzt, es heißt Take-Aw.ai (Abre numa nova janela), und verarbeitet viele Voice-Notes (ins eigene Smartphone gesprochen) in kürzester Zeit zu inhaltlichen Clustern. Die Frage „Wie können Live-Formate unsere Gesellschaft formen?“ brachte diese Spektren hervor:

Zwischen Zuhören und Bespielen

  • Zuhören: Gesellschaftlich wirksame Formate entstehen erst, wenn die Zielgruppe selbst zu Wort kommt: Themen werden nicht von oben vorgegeben, sondern aus echten Interessen und Fragen der Menschen entwickelt.

  • Bespielen: Formate werden genutzt, um Impulse zu setzen, Bildung zu ermöglichen und Menschen von der Metaebene zur konkreten Handlung zu führen – Veranstalter gestalten aktiv den inhaltlichen Rahmen.

Zwischen Tiefe und Reichweite

  • Qualität vor Quantität, Mut zu unbequemen Formaten, Überwindung von Oberflächlichkeit: Nur wer Menschen wirklich dort abholt, wo sie stehen, ermöglicht echten Dialog und gesellschaftliche Wirkung.

  • Live-Formate erreichen viele Menschen, bringen unterschiedliche Gruppen, Communitys und Stakeholder zusammen und entfalten so ihre gesellschaftsformende Kraft durch Breite und Sichtbarkeit.

  • Aber es gibt ein Spannungsverhältnis: Tiefe wurde als Ideal formuliert, Reichweite als strukturelle Realität. Der wirtschaftliche Druck verstärkt diese Spannung.

Zwischen Begegnung und Performance

  • Begegnung: Live-Formate sind Begegnungsräume, in denen verschiedene Lebensrealitäten aufeinanderprallen, Toleranz entsteht und Menschen sich gesehen fühlen – dieser Akt allein formt Gesellschaft.

  • Performance: Live-Formate schaffen Atmosphäre, erzeugen Emotionen und inszenieren Erlebnisse; Authentizität und persönliche Präsenz werden zum Differenzierungsmerkmal gegenüber der digitalen Welt.

Ich bin mir sicher, dass wir Journalist:innen künftig noch viel mehr in den Austausch mit der Eventbranche gehen werden. Denn hier liegt das Know-how für einen wichtigen Baustein in der Spurensuche für Journalismus, der sich als Beziehung versteht. Ich bleibe dran.

Lesetipp

Seit zwei Jahren bereits beschäftigt sich Sophia Fiedler in ihrem monatlichen Newsletter „Trick 17“ mit Themen rund um Community Building, Creator Economy und Dialog. Sie ist Redakteurin bei DNV – Der Neue Vertrieb, das ist ein Fachmagazin für Pressevertrieb und Content-Erlöse. In ihrem monatlichen Newsletter für die Verlagsbranche blickt sie weit über deren Grenzen hinaus und beleuchtet spannende Cases ebenso wie konkrete Handlungsempfehlungen. Es gibt einige Schnittmengen zu unserem Thema hier. In der ersten Ausgabe damals war ich übrigens Gesprächspartner zum Community-Modell bei Krautreporter.

(Abre numa nova janela)

„Trick 17“ erscheint jeden zweiten Mittwoch im Monat. Hier kannst du ihn kostenfrei abonnieren. (Abre numa nova janela) (Auf der Seite ist auch der Newsletter mit mir als Leseprobe verlinkt, damit du dir vorher ein Bild machen kannst.)

Termine

Du willst Journalismus auf der Bühne erleben? Ich habe ein paar Möglichkeiten in den nächsten Tagen zusammengestellt:

Ausblick

Diese Woche hole ich für uns noch einmal mögliche Learnings aus einem Journalismus-Gespräch mit sehr interessanten Menschen. Beim Festival der Zukunft in München (siehe Newsletter von letzter Woche (Abre numa nova janela)) bin ich am Donnerstag Teil der Session „Antworten ohne Absender: Was bleibt vom Journalismus, wenn KI antwortet?“ (Abre numa nova janela). Moderiert von Festival-Macher Wolfgang Kerler darf ich mit dem Journalismus-Professor Klaus Meier von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der stellvertretenden Zeit-Chefredakteurin Monika Pilath und Uli Köppen, Chief AI Officer beim Bayerischen Rundfunk, diskutieren.

Festival-Promo-Kachel zeigt Alexander von Streit

Das war es für heute. Nächsten Mittwoch geht es weiter mit unserer gemeinsamen Spurensuche nach möglichen Journalismus-Samenbomben, die wir in die Gesellschaft werfen können.

Bis dann,

💚 Alexander

Report 2025

Im Media-Rewilding-Report findest du ein paar Einblicke und Gedanken zu meiner bisherigen Spurensuche. Er umfasst nicht alle Punkte, die ich gesehen und gelernt habe, aber er zeichnet eine erste Landkarte einer Welt, in der bereits einige Projekte daran arbeiten, den Journalismus in der Gesellschaft zu renaturieren. Lade dir das PDF als Mitglied der Media-Rewilding-Community gerne herunter. Und gib es bei Bedarf auch an andere Menschen weiter, die sich dafür interessieren könnten.

Cover des Media Rewilding Report 2025 (Abre numa nova janela)
Media Rewilding

Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Mein 2025 gestartetes Projekt MEDIA REWILDING dreht sich um die Frage, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird. Konkret versuche ich herauszufinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und was das mit Vertrauen und Markenbeziehung zu tun hat. Und natürlich, wie sich das alles finanzieren lässt.

Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Abre numa nova janela)
Hier ist meine Website: von-streit.de (Abre numa nova janela)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Abre numa nova janela)