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Über Geld reden: Was uns der Kampf gegen digitale Gewalt kostet

Es ist ein beliebter Move bei Rechtsextremen, bei digitalen Gewalttätern und ihren Rechtsanwälten, dass sie im Zusammenhang mit Klagen gegen digitale Gewalt jene „Unsummen“ an Geld anführen, die man als Kläger damit angeblich verdienen würde. Unser Kampf gegen den Hass im Netz, gegen die vielen Drohungen, Gewaltaufrufe und Beleidigungen, sei demnach ein hochprofitables „Geschäftsmodell“.

Ein Gericht untersagte zwar genau diesen Vorwurf mittlerweile per einstweiliger Verfügung, es darf also eben nicht über uns behauptet werden, wir würden „Geschäftemacherei“ betreiben. Doch das hindert die Täterseite nicht daran, in verklausulierter Weise weiterhin den Eindruck zu erwecken, es würde uns in erster Linie um das Geld gehen. Na gut, dann reden wir doch einmal über Geld.

Knallrote Zahlen am Tisch

Was hat uns der Kampf gegen digitale Gewalt bislang gebracht? Wir haben das jetzt hochgerechnet und stehen bei rund 300.000 Euro. An negativem Saldo. Das ist die Summe von Ausgaben für Gerichtsgebühren und Verhandlungskosten von Anwälten, abzüglich Rückflüssen durch Urteile und Vergleiche, die aktuell, Ende 2025, in knallroten Zahlen am Tisch liegt. 300.000 Euro wurden aufgewendet, um Menschen auszuforschen, Klagen einzubringen, Prozesse zu führen. Die Personalkosten, die unser Anwalt zahlen muss, sind da nicht eingerechnet.

Wie das? Seit ziemlich genau 6 Monaten arbeitet nun schon ein mehrköpfiges Team rund um den Tiroler Rechtsanwalt Dr. Robert Kerschbaumer daran. Der Aufwand mit Sicherung der Daten, Ausforschung der Personen, Vorbereitung der Schriftsätze, Koordination der Korrespondenz und der Verhandlungen, ist so gewaltig, dass mehrere Mitarbeiter*innen der Kanzlei quasi exklusiv daran wirken müssen.

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Kein finanzielles Risiko – und doch großen Verlust

Wir hätten keine 300.000 Euro, um all das zu finanzieren. Wir haben kein Vermögen, an dem wir uns bedienen können. Deswegen haben wir auf die Dienste eines Prozessfinanzierers zurückgegriffen, der dies alles für uns bestreitet. Wir tragen also auf dieser Ebene kein finanzielles Risiko. Im Gegenzug geht der Großteil der Rückflüsse an ihn. Das bedeutet aber nicht, dass uns keine Kosten entstanden wären.

Unser privates Saldo als Ehepaar beträgt aktuell rund 20.000 Euro. Ebenfalls im Minus. Das ist das Ergebnis aus Verdienstentgang und Entschädigungszahlungen nach sechs Monaten. Minus 20.000 Euro. Um das nochmal klar auf den Punkt zu bringen: Hätten wir also nicht die „rechtliche Notwehr“ gegen die uns entgegengebrachte digitale Gewalt ergriffen, wir hätten jetzt 20.000 Euro mehr zur Verfügung.

Aufwand ohne Kostenersatz

Und hier reden wir ausschließlich von Barmitteln, also von realen Finanzflüssen. Nicht eingerechnet sind die hunderten Stunden, die wir bislang mit den Vorbereitungen und den Verhandlungen verbracht haben. Oder die viele Zeit, die damit verbunden ist, sich andauernd gegen falsche Vorwürfe zu verteidigen, die erhoben wurden, weil wir unser demokratisches Grundrecht wahrgenommen haben.

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Wie bemisst man den Wert dieser Zeit, die man nicht mit den Kindern oder dem Partner verbringen konnte, in der man sich aufgeregt oder gesorgt hat? Oder das Geld, das man in der Zeit erwirtschaften hätte können, wäre man einem Beruf nachgegangen? All das kann man in Wahrheit gar nicht sinnvoll bemessen, weil wir hier mittlerweile in Dimensionen unterwegs sind, die jede Vorstellungskraft sprengen.

Trotz Verlust eine gute Entscheidung

Und trotzdem stehen wir zu der Entscheidung, die wir im Sommer getroffen haben. Denn wir haben in dieser Zeit so viel mehr gewonnen. Die Anzahl an Hasskommentaren ist um schätzungsweise 90 Prozent zurückgegangen. Wir haben keine Statistik dazu, aber das Gefühl täuscht wohl nicht. Mittlerweile wissen die meisten Menschen, dass es keine gute Idee ist, strafrechtlich relevante Äußerungen über uns zu verbreiten.

Und wir konnten erwirken, dass Hasskommentare gelöscht werden mussten. Wenn also eines Tages unsere Kinder im Netz aktiv sind, werden sie nicht andauernd lesen müssen, dass ihre Mutter eine „Hure“, ihr Vater ein „Kameltreiber“ und beide „erschossen“ werden sollten. Von selbst wären solche Kommentare nicht gelöscht worden, sie würden immer noch auf teils extrem prominenten und reichweitenstarken Profilen verharren und ein Bild von uns erzeugen, das schrecklich ist.

Eine Zwei-Klassen-Justiz

Unser Beispiel zeigt, dass wir uns in einem Zwei-Klassen-Rechtssystem bewegen. Hast du genügend Geld, kannst du nach Gerechtigkeit streben. Hast du kein Geld, solltest du lieber den Mund halten, weil der Ruin droht. Ohne die finanzielle Unterstützung von außen hätten wir das niemals schaffen können. Alleine die Gerichtsgebühren betragen bislang zigtausende Euro, da reden wir noch nicht mal vom Honorar des Anwalts.

https://steady.page/de/bohrnundmena/posts/d0e92ba2-d9fd-4af5-8758-9785bac55e2b (Abre numa nova janela)

Es mag sein, dass wir nach einem Jahr in den positiven Bereich kommen. Dass dann die Rückflüsse aus den Verfahren und Vergleichen höher sind als die Ausgaben. Aber das wird nicht nur sehr lange dauern, es ist auch ein Wagnis. Also kein Fundament, auf dem sich etwas errichten lässt. Aber genau als das war es auch nicht gedacht. Wir gehen unseren Weg, koste es, was es wolle. Aber Geschäft ist das bei Gott keines.

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