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Klimafrust und wie wir ihn überwinden

Ausgabe 32 - Über den Schmerz durch Naturverlust und was sich daraus entwickeln lässt

In den vergangenen Monaten wollte ich sehr oft laut schreien. Angesichts der klima- und umweltpolitischen Entwicklungen. Sei es die Politik Donald Trumps, der Europäischen Union oder der deutschen Bundesregierung..

Der Schutz unserer Lebensgrundlagen wird derzeit von bestimmten politischen Kräften als Hindernis für die Entfaltung ihrer wirtschaftlichen Pläne verstanden, nicht als das, was Wirtschaft überhaupt erst möglich macht. Wenn man aber um das Konzept der planetaren Grenzen (Abre numa nova janela) weiß – um die Folgen einer Erderwärmung deutlich über das 1,5-Grad-Limit etwa, dann ist das nur schwer auszuhalten.

Den Frust darüber spüre ich nicht nur selbst – ich spüre ihn bei allen, die sich mit diesen Themen beschäftigen. Er schlägt mir in sozialen Netzwerken entgegen, wo selbst sachlicher Information mittlerweile mit Zynismus und Fatalismus begegnet wird. Ich merke, dass diese permanent frustrierten Reaktionen mein eigenes seelisches Wohlbefinden negativ beeinflussen, weshalb ich die Kommentarfunktion z.B. auf Bluesky mittlerweile fast immer deaktiviert habe – zum Selbstschutz.

In dieser Newsletterausgabe möchte ich deshalb über Gefühle sprechen und warum es wichtig ist, dass wir sie fühlen und teilen, wir aber nicht in ihnen versinken dürfen.

Ein durch die untergehende Sonne rot erleuchteter Himmel, darauf der Kondensstreifen eines Flugzeuges. Im Vordergrund dunkle Wiese.

Der enorme Frust über schlechte Klima- und Umweltpolitik ergibt sich aus dem Bewusstsein, was passieren wird, wenn wir die Erderwärmung nicht begrenzen. Der Planet drückte uns diese Aussicht auch 2025 regelrecht ins Gesicht, z.B. durch eklatante Extremwetterereignisse. Hurrikan Melissa in Jamaica war der zerstörerischte Sturm, den der Inselstaat je gesehen hat. Die Zyklone Ditwah und Senyar haben in Süd(ost)asien verheerende Überschwemmungen und Erdrutsche verursacht, gegen die die Flut im Ahrtal wie Zuckerwatte wirkt. Menschen sterben in Katastrophen, die durch die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle schlimmer geworden sind. Je mehr davon wir verbrennen, umso schlimmer wird das alles. Als empathischer Mensch ist das nur schwer zu ertragen.

Ein Flugzeugflügel vor grünem Hintergrund. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass das grün der Regenwald ist, lauter kleine Baumkronen
Auf dem Weg zur COP30 im Landeanflug auf Suriname

Auch der drohende Verlust von Naturräumen übersteigt im Grunde, was der Mensch kognitiv und emotional begreifen kann. Als ich kürzlich zum ersten Mal die schier unendliche Weite und Schönheit des Regenwaldes sah, war ich überwältig. Unvorstellbar, dass dieser Naturraum verloren gehen könnte. Aber die Veränderungen sind schon da. Bei einer Führung im Rahmen eines Ausflugs mit Umweltminister Carsten Schneider, SPD, auf die Ilha du Combu in Belem erläuterte unser Gastgeber, dass sie dort seit mehreren Jahren keinen Honig mehr von ihren Bienenvölkern ernten könnten, es gebe schlicht zu wenig Blüten.

Sterbende Wälder und Korallenriffe, schmelzende Gletscher: die Zeichen der Veränderung sind nicht mehr subtil. Wer Natur liebt oder schätzt, fühlt Verlust, fühlt vielleicht sogar Trauer.
Solastalgie, (Abre numa nova janela) so nennen Fachleute die Trauer über den Verlust von Natur und Heimat. Der Klimawandel und dysfunktionale Politik können einen Haufen negativer Gefühle erzeugen.

Ich glaube, dass es für diese Gefühle Raum braucht. Sei es in Gesprächen mit Freund:innen, Kolleg:innen, in der Familie – oder vielleicht auch in gezielten Formaten. Ob Theater, gemeinsamer Klima-Gesprächssalon, Stammtisch in der Kneipe – reden Sie über den Schmerz, den sie fühlen. Verbinden Sie sich darüber mit anderen. Und bestenfalls verbünden Sie sich.

Denn das ist der aus meiner Sicht ganz entscheidende Punkt. Frust und Trauer müssen raus, um nicht bitter zu machen. Aber gezielt – und nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Wenn Diskussionen über Klima im öffentlichen Raum Orte der Bitterkeit sind, Diskurse jeden, der sich ihnen nähert, in einen dunklen Strudel ziehen, wird sich ihnen niemand mehr nähern.

Waldweg an einem Bach

Gerade jetzt aber wäre es wichtig, Menschen für die Natur zu begeistern, damit diese nicht vollends wirtschaftlichen Interessen geopfert wird. Und es gibt ja regelmäßig Beispiele dafür, wo dies dank des Engagements von Menschen gelingt.
Eine Fahrt durch die deutsche Provinz führt vorbei an zahllosen Dächern mit Photovoltaik. Wenn irgendwo für ein Bauprojekt Bäume abgeholzt werden sollen, stellen sich Bürger:innen dem in den Weg. Berlin hat erst kürzlich ein Gesetz verabschiedet, dass die Bäume der Stadt nicht nur schützen soll – sondern mehr davon in die Stadt bringen soll. Hervorgegangen aus einer Initiative von Bürger:innen. (Abre numa nova janela)

Hier hat sich etwas zum Positiven verändert, weil Menschen sich reingehängt haben. Aus ihrem Frust über den Status quo etwas konstruktives gemacht haben, um ihr unmittelbares Umfeld zum Besseren zu verändern. Klar, das wird auch in den nächsten Jahren kontinuierliches Dranbleiben erfordern – ein Gesetz alleine macht noch keine Veränderung. Aber das Beispiel Baumentscheid zeigt, was möglich ist, gerade im Lokalen.

Die kommenden Jahre werden in vielerlei Hinsicht politisch hart. Aber nichts ist verloren, solange wir es nicht verloren geben.

Gerade aus klima- und umweltpolitischer Sicht kommt es in der ersten Jahreshälfte knüppeldick. Hier ein kleiner Ausblick:

Das Klimaschutzprogramm

Zur Beginn einer Legislaturperiode muss eine neue Bundesregierung Maßnahmen vorlegen, wie sie das Land klimapolitisch auf Kurs bringen will. Also einen Fahrplan, um die Emissionsminderungsziele zu erreichen. Es geht dabei um eine Gesamtstrategie der Bundesregierung, das heißt alle Ministerien müssen liefern. Bisher liefen die regierungsinternen Verhandlungen eher mau, aber die Uhr tickt. Ende März muss vorgelegt werden. Ob das Programm wirklich taugt, also nachweisbare Minderungswirkungen erzielt, prüft der Expertenrat für Klimafragen. Eine ausreichende Wirkung ist einklagbar, die letzte Bundesregierung hat dafür schonmal auf die Finger bekommen.

Das Gebäudeenergiegesetz

Soll ja künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen – schwarz-rot streitet weiterhin darüber, wie es jetzt mit der Klimafreundlichkeit von Heizungen weitergehen soll. Soll es Vorgaben geben, dass neue Heizungen zu 65% mit Erneuerbaren Energien betrieben werden müssen oder nicht? Geht es nach der Union, soll diese Regel fallen. Wie das aber die Klimaziele erreichbar machen soll und in das oben genannte Klimaschutzprogramm passen soll, bleibt mystisch. Außerdem hatte der ehemalige CDU-Abgeordnete Thomas Heilmann schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass ein Verschlechterungsverbot gelte und man die Regeln nicht einfach abschaffen könne ohne eine wirkungsvolle Ersatzregelung.

Das Naturflächenbedarfsgesetz

Dieses Projekt kam wie Kai aus der Kiste beim letzten Koalitionsausschuss vor Weihnachten und ist mit …checks notes… dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz gekoppelt.
Weil die Bundesregierung schneller bauen möchte, sollen neue Regeln für den Naturschutzausgleich geschaffen werden. Künftig muss nicht zwingend für den Bau einer Autobahn eine Kompensationsfläche in räumlicher Nähe gefunden werden, sondern Geldzahlungen werden gleichwertig möglich. Bisher waren die eine absolute Ausnahme. Umweltorganisationen warnen, dass dies eine Art Ablasshandel werden könnte, also dass sich Bauträger einfach freikaufen und Naturschutz auf der Strecke bleibt. Die Idee des Umweltministeriums ist, auf diese Art viel Geld zu sammeln und dann eben große richtig geile Naturschutzprojekte zu machen, die wirklich was bringen. Wie man verhindern will, dass dieses viele Geld zweckentfremdet werden kann, wie es etwa beim Klima- und Transformationsfonds regelmäßig passiert, bleibt erstmal unklar. Einen ausführlichen Gesetzentwurf erwarten wir im ersten Quartal.

2026 wird folglich spannend, hier und da vielleicht auch etwas zu spannend. Empfehlen Sie diesen Newsletter deshalb gerne einer Person, von der Sie denken, diese sollte gut über all das informiert sein.

Danke für Ihr Interesse!
Frau Büüsker