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Eden (2024)

Der deutsche Arzt Dr. Friedrich Ritter und seine an Multipler Sklerose erkrankte Lebensgefährtin Dore Strauch wandern 1929 im Zuge der Weltwirtschaftskrise aus und lassen sich auf der unbewohnten Pazifikinsel Floreana im Galapagos-Archipel nieder. Eigentlich will Friedrich nur in Ruhe seine Philosophie, irgendwo zwischen nietzscheanischem Nihilismus und buddhistischer Gewaltlosigkeit, zu Papier bringen, tantrischen Sex haben und die vegetarische Kost genießen, die Dore im Schweiße ihres Angesichts anbaut. Doch plötzlich tauchen zuerst der biedere deutsche Beamte Heinz Wittmer mit Frau Margret und Sohn Harry und dann die manipulative Baroness Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet zusammen mit ihren zwei Lustknaben auf der Insel auf. Das führt zu Spannungen, die in Mord und Totschlag enden.

Ron Howards Eden aus dem Jahr 2024 basiert auf der unaufgeklärten Galápagos-Affäre. Der von den Medien geprägte Begriff bezeichnet die Ereignisse, die sich im Jahre 1934 unter deutschen Aussteigern auf der Insel Floreana ereigneten. Dabei kamen drei Menschen unter teilweise ungeklärten Umständen zu Tode und drei weitere verschwanden spurlos.

Der US-amerikanische Survival-Thriller erzählt von deutschen Zivilisationsflüchtlingen, die der modernen Welt mit ihren Kriegen und Unterdrückungsstrukturen, wie dem Faschismus oder der Ehe, überdrüssig sind und ihre persönliche Utopie in einem Naturparadies leben möchten. Doch sie nehmen ihr Menschsein mit sich und alle gut gemeinten Philosophien sind vergessen, wenn sich nur der Hunger meldet oder Egos verletzt werden.

Diese Herr der Fliegen-Version für Erwachsene erzählt von verschiedenen Gegensatzpaaren. Während die traditionelle Familie der Wittmers für die sterbende Vormoderne steht, symbolisiert die feministische und hedonistische Baroness und ihr Gefolge die Moderne. Das meditierende und anfänglich sehr vergeistigte Philosophenpaar spielt dabei zunächst die Rolle des nihilistischen Beobachters, beteiligt sich aber dann selbst am Kampf der diametralen Welten. Am Ende entpuppen sich die meisten als grausame Menschen. Vormoderne gegen Moderne, Theorie gegen Praxis, Philosophie gegen Hunger, Menschen gegen Tiere - das sind einige der Gegensatzpaare in Eden, die hervorragend das abendländisch-dualistische Denken verdeutlichen.

Ron Howard hat hier ein einzigartiges Werk geschaffen, dass nicht nur mit seinen philosophischen Fragen, den tollen Landschaftsaufnahmen und der interessanten Story überzeugt, sondern vor allem schauspielerisch nur als großartig bezeichnet werden kann. In den Hauptrollen zeigen Jude Law, Vanessa Kirby, Sydney Sweeney, Daniel Brühl und vor allem Ana de Armas, dass sie zu den besten Mimen unserer Zeit gehören. Mich hat Eden von Anfang an gefesselt und am Ende komplett überzeugt.

https://www.imdb.com/de/title/tt23149780/ (Abre numa nova janela)
Tópico Film