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Das leise Sterben einer Kleingartenanlage

Eine der ältesten Kleingartenanlagen Berlins verschwindet und kaum jemand merkt es. Ich war der Meinung, das muss sich ändern, deshalb habe ich einen Aufruf auf Instagram und LinkedIn gestartet. Ich möchte euch heute davon berichten. Ich hatte Erfolg. Was ich mit einem Post bisher erreicht habe, könnt ihr in diesem Newsletter auch erfahren. Wir kämpfen schon seit Jahren für den Erhalt, stoßen politische Prozesse an und setzen uns für einen Bebauungsplan ein. Aber die Kräfte werden weniger und die Perspektiven unsicherer. Ich bin überzeugt: Diese Entwicklung braucht Aufmerksamkeit. Dieser Ort darf nicht unbemerkt verschwinden.

Ich bin seit 14 Jahren Kleingärtnerin, Tochter eines Gärtners und engagiere mich seit Jahren ehrenamtlich in unserer Anlage. Für mich ist dieser Ort mehr als ein Garten. Und genau dieser Ort ist akut bedroht.

Die Kleingartenanlage „LKV Alte Baumschule“ steht seit Jahren im Rechtsstreit mit dem Eigentümer und der Grundstücksverwaltung und die Folgen sind längst sichtbar.
Über 20 Gärten stehen leer und verwildern trotz Warteliste,
weil Neuverpachtungen blockiert werden. Die Struktur einer Anlage mit über 300 Parzellen zerfällt langsam.
Politischer Schutz greift nicht, weil die Fläche nicht landeseigen ist. Was hier passiert, ist kein Einzelfall. Es ist das schleichende Verschwinden gewachsener Gemeinschaft. Für viele von uns ist der Garten kein Hobby, sondern Lebensmittelpunkt, Ausgleich und sozialer Anker.

Suchbild. Ich in meinem natürlichen Habitat.

Es gab bereits vor Jahren Berichte über uns in Zeitungen. Ich habe vor Jahren sogar ein Buch darüber geschrieben (Abre numa nova janela). Doch gerade jetzt fehlte die Öffentlichkeit, während der Druck weiter steigt. Ich dachte mir, ein Beitrag im regionalen Fernsehen wäre klasse. Warum nicht mal in der Berliner Abendschau drüber berichten?

Der Beitrag auf Instagram wurde bisher 89-mal geteilt und von mehr als 800 Personen geliked. Er hatte 24.000 Aufrufe. Das ist für meine Reichweite sehr beachtlich. Normalerweise haben meine Beiträge etwa 1.000 bis 2.000 Aufrufe. Es zeigt, dass unser Anliegen, unsere Kleingartenanlage nicht leise und kampflos untergehen zu lassen, auf Zustimmung stößt. Wir wollen uns in diesem Jahr stärker dafür einsetzen, dass die Politik zu unseren Gunsten handelt. Das neu verabschiedete Kleingartenschutzgesetz klammert Gärten wie unsere ja leider aus, da nur landeseigene Flächen geschützt werden sollen.

Nutzgarten und Naturparadies. Das geht beides.

Schon einen Tag nach meinem Post bekam ich einen Anruf aus der Redaktion des RBB in Berlin. Ich konnte die Verantwortlichen vernetzen, und schon bald wird ein kleiner Beitrag über unsere Kleingartenanlage in Pankow gedreht. Außerdem werden die Berliner Morgenpost und auch der Tagesspiegel erneut über uns schreiben. Ich weiß nicht, ob es etwas bringen wird, aber ich weiß, dass es für die über 300 Pächter ein kleiner Hoffnungsschimmer sein kann und auch eine Wertschätzung.

Jetzt, zum Beginn der Gartensaison, kommen alle wieder zusammen und brauchen Motivation, um sich in ihrem Garten wieder wohlzufühlen und neuen Elan zu bekommen.

Warum sollte man Kleingartenanlagen überhaupt erhalten?

Kleingärten sind weit mehr als Orte der Erholung. In dicht bebauten Städten übernehmen sie eine zentrale ökologische Funktion: Sie wirken als grüne Lungen, kühlen ihre Umgebung und leisten einen messbaren Beitrag zur Stabilisierung des Stadtklimas. Vegetationsflächen speichern Wasser, reduzieren Hitzeinseln und filtern Schadstoffe aus der Luft. Gerade in Zeiten zunehmender Hitzesommer wird ihre Bedeutung immer deutlicher. Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Rolle von Kleingärten für die Biodiversität. Naturnah bewirtschaftete Parzellen bieten Lebensräume für eine Vielzahl von Tier und Pflanzenarten, die im urbanen Raum sonst kaum noch geeignete Bedingungen finden. Strukturelle Vielfalt, also eine Mischung aus Wiesen, Hecken, Totholz, Wasserstellen und alten Gehölzen, schafft ökologische Nischen für Insekten, Amphibien, Reptilien und Vögel.

diesen Bauerngarten habe ich 2024 neu angelegt

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür zeigt sich in unserer eigenen Anlage. Seit 14 Jahren wurde unser Garten von einem klassischen Nutzgarten schrittweise in einen Naturgarten umgewandelt. Die Ergebnisse werden erst jetzt in vollem Umfang sichtbar: Molche und Zauneidechsen haben sich angesiedelt, ebenso seltene Vogelarten, die auf strukturreiche Lebensräume angewiesen sind. Solche Entwicklungen sind kein Zufall, sondern das Resultat konsequenter, naturnaher Pflege.

Von besonderem Wert ist auch der alte Baumbestand. Unsere Anlage besteht seit 1913, und noch vor der Vereinsgründung befand sich hier eine Obstbaumplantage. Einige dieser historischen Strukturen sind bis heute erhalten. In vielen Gärten stehen noch alte Obstsorten, die andernorts längst verschwunden sind. Diese genetische Vielfalt ist nicht nur kulturhistorisch bedeutsam, sondern auch ökologisch wertvoll, da alte Sorten häufig robuster sind und zahlreichen Tierarten Nahrung bieten.

Umso schwerer wiegt es, wenn solche gewachsenen Strukturen verloren zu gehen drohen. Bei uns im Weg stehen jetzt vier Gärten leer und verwildern, das ist schwer mit anzusehen, da unsere Warteliste mit poteniellen neuen Pächter sehr lang ist und es so viele Familien gibt die sich sehnlichst so einen Kleingarten wünschen. Aber die Gärten werden teils gekündigt, mit Klagen bedroht oder nicht neu verpachtet, wenn aus Altergründen ein Garten abgegeben werden muss.

Diese Entwicklung steht im Widerspruch zu dem, was Kleingärten für Städte leisten können. Jeder aufgegebene oder vernachlässigte Garten bedeutet nicht nur einen Verlust an sozialem Raum, sondern auch an ökologischer Funktion. Gerade vor dem Hintergrund von Klimawandel und Artenrückgang sollten bestehende Anlagen geschützt, gepflegt und sinnvoll weitergegeben werden.

Kleingärten sind keine Relikte vergangener Zeiten. Sie sind ein aktiver Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung und ein wichtiger Baustein für lebenswerte urbane Räume. Ihr Erhalt ist daher nicht nur eine Frage der Tradition, sondern eine Investition in die Zukunft.

Rückzugsort und Nahrungsquelle für Insekten
die Holzbienen schwirren jedes Jahr im Mai laut in unserem Blauregen herum
so sehe ich aus, wenn ich meine Dahlien in Herbst vor dem ersten Frost abernte

Ich werde hier weiter über die Entwicklung berichten.


Diesen Film wollte ich euch nicht vorenthalten:

„Deutschland deine Gärten“ in der ARD Mediathek: (Abre numa nova janela)

Ein wirklich schöner Beitrag mit Maria Furtwängler zum Thema Insektenvielfalt und mehr Biodiversität in unseren Gärten.

Außerdem kann man HIER (Abre numa nova janela) das Poster kostenlos bestellen welches ich für den Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. gezeichnet habe

Wenn dich solche Beiträge interessieren, kannst du meine Arbeit bereits mit 5,50 € im Monat unterstützen.

Als Mitglied erhältst du regelmäßig Einblicke in besondere Naturorte, meine besten Fotos aus dem Garten sowie fundierte Hintergründe zu Projekten wie dieser Kleingartenanlage in Berlin, in der sich auch mein eigener Garten befindet.

Mit deiner Unterstützung ermöglichst du es mir, weiterhin aktiv für den Erhalt solcher wertvollen Lebensräume einzutreten und genau die Arbeit zu leisten, die diese Orte verdienen.

Ich würde mich freuen, dich als Mitglied begrüßen zu dürfen.

Vielen Dank fürs Dranbleiben bis zum Schluss.
Frau Sommer

Tópico Alles rund um den Garten

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